tz-Sommerinterview

Prinz Luitpold: "10,40 Euro für eine Mass sind Nepp!"

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Jahrelang wollte er auf die Wiesn – jetzt kann er nur noch darüber lachen: Prinz Luitpold von Bayern.

München -  Als Adeliger hat man es in Bayern nicht mehr uneingeschränkt leicht. Diese Erfahrung musste auch Prinz Luitpold von Bayern machen. In der tz regt er sich außerdem über den Masspreis auf.

Heute sprechen wir mit Blauem Blut – mit Prinz Luitpold von Bayern. Der Prinz (am 14. April 1951 in Schloss Leutstetten geboren) ist sowohl von der Seite des Vaters als auch von der Seite der Mutter ein Urenkel des letzten Königs von Bayern, Ludwig III. Aber sich nur auf seiner Herkunft auszuruhen, war nie das Ding des Familienvaters: Er ist Gründer der König Ludwig Schlossbrauerei Kaltenberg und des Kaltenberger Ritterturnieres. Im Oktober 2011 übernahm er zudem die Porzellanmanufaktur Nymphenburg. tz-Redakteur Armin Geier sprach mit dem 64-jährigen Unternehmer über seine Sommerträume – und darüber, ob er sich noch immer Hoffnung auf ein Zelt macht:

Grüß Gott, Herr Prinz Luitpold von Bayern.

Prinz Luitpold: Ich grüße.

Wie muss ich Sie als einen der höchsten Adligen Bayerns eigentlich anreden?

Prinz Luitpold: Prinz Luitpold ist völlig in Ordnung.

Ich bin neugierig: Was ist Ihr Nachname? Bayern?

Prinz Luitpold: Nein. In meinem Pass steht bei Nachname Prinz von Bayern.

Sehr schön. Bei mir nur Geier.

Prinz Luitpold: Auch schön.

Na ja, Ansichtssache. Jetzt stehen wir hier bei der Bavaria – irgendwie ist das ja Ihre Mama, oder?

Prinz Luitpold: (lacht) Das könnte man so sagen. Da fällt mir eine nette Anekdote ein: Auf der Wiesn gab es vor vielen Jahren einen Schausteller, der dem Publikum gegen ein Entgelt versprach, die größte Frau Bayerns in seinem Zelt zu präsentieren.

Und dann?

Prinz Luitpold: Im Inneren hatte er eine Holzwand mit einem Guckloch – und wenn man da durchschaute, sah man halt die Bavaria.

Echte bayerische Hinterfotzigkeit.

Prinz Luitpold: Das finde ich auch. Aber es beweist auch: Auf der Wiesn weiß man halt, wie man Geld macht.

Jetzt ist Spätsommer – und wenn man von hier oben nach unten blickt, sieht man die Aufbauten fürs Oktoberfest. Sie sind nicht dabei.

Prinz Luitpold: Nein, das habe ich auch mittlerweile aufgegeben.

Aber Sie wollten doch immer aufs Oktoberfest mit einem eigenen Bierzelt …

Prinz Luitpold: Die Stadt hat sich nur immer einen anderen Grund ausgedacht, das zu verhindern. Einmal hatte ich keine Brauerei in München – dann habe ich eine gebaut. Dann haben sie gesagt, ich sei aber keine Traditionsbrauerei. Immer gab es was anderes. Allerdings Bier liefern würden wir gerne an ein brauereifreies Zelt.

Warum will man Sie dort nicht?

Prinz Luitpold von Bayern mit tz-Redakteur Armin Geier.

Prinz Luitpold: Das gibt es Seilschaften im Stadtrat, unter den Behörden. Was glauben Sie, wie das neue Ersatz-Zelt fürs Hippodrom vergeben wurde? Da geht es um Spezlwirtschaften. Da standen mir meine ehrlichen Meinungsäußerungen immer im Weg. Allerdings haben wir dieses Jahr unser Bier im Hippodrom im Postpalast an der Wiesn.

Dieses Mal haben Sie sich gar nicht mehr beworben …

Prinz Luitpold: Nein, weil mir das ganze mittlerweile zu verballermannisiert ist. Das ist nur noch ein Karneval. Mit bayrischer Tradition hat das nichts mehr zu tun. Außerdem ist die Wiesn mittlerweile ein rechtsfreier Raum.

Wie meinen Sie das?

Prinz Luitpold: Na ja, ich veranstalte ja mit den Kaltenberger Ritterspielen selbst ein riesiges Fest. Die minimalen Brandschutzbestimmungen auf der Wiesn, die viel zu kleinen Sicherheitsbereiche und -wege – das ist dort einmalig. Hier werden eigene Gesetze geschaffen, damit der Rubel rollt. Das ist schlichtweg verantwortungslos – und gefährlich.

Vor 200 Jahren hätten Sie in Ihrer Position einfach sagen können: „Her mit allen Zelten!“ Ihre Familie hat die Wiesn ja erfunden.

Prinz Luitpold: (lacht) Das stimmt. Und früher durfte auch jede Brauerei dort ihr Bier verkaufen. Übrigens: 10,40 Euro für eine Mass sind Nepp. Nebenkosten hin oder her. Nepp! Im Vergleich zu allen anderen Volksfesten in Bayern!

Ist das Malz nicht wieder waaaaahnsinnig teuer geworden?

Prinz Luitpold: (lacht laut). Nein, ist es nicht! Und die Standmiete sowie die Lohnnebenkosten erklären diesen Preis auch nicht.

Weg von der Wiesn. Was macht ein Prinz im Sommer, wenn er mal ausspannen will?

Prinz Luitpold: Dann geh ich segeln. Da kann ich voll abschalten.

Auf dem Starnberger See?

Prinz Luitpold: Weniger. Da liegt zwar mein Boot, aber auf den bayerischen Seen ist zu wenig Wind.

Also ans Meer?

Prinz Luitpold: Nicht unbedingt, denn im Sommer fahre ich gern an den Gardasee. Da weißt du nie, wie der Wind dir mitspielt. Das macht sehr viel Spaß, ist spannend. Genauso wie der Balaton in Ungarn.

Sie sind ja richtiger Profi, stimmt’s? Waren sogar beim Admiral’s Cup dabei.

Prinz Luitpold: Profi würde ich das nicht nennen. Aber ich segle schon eine Weile.

Man möchte meinen, dass sich im Sommer ein Prinz auch ständig in der Nähe der Schlösser aufhält. Neuschwanstein, Linderhof …

Prinz Luitpold: Lustig, dass Sie das sagen. In ein paar Tagen gehe ich zum Reiten nach Hohenschwangau. Da gibt es alte Wege meiner Vorfahren, die ich sozusagen nachreiten will. Darauf freue ich mich sehr.

Klingt königlich. Also haben Sie auch Pferde?

Prinz Luitpold: Ja, aber Gestüt nur noch im Kleinen oder so, mehr macht zu viel Arbeit. Meine Reitpferde stehen zu Hause im Stall. Und ich hol sie dann bei Bedarf per Anhänger. Für Kurzausflüge.

Aber so einen typischen Sommerurlaub machen Sie nicht?

Prinz Luitpold: Keine Zeit. Aber ich reise ja viel. Wir haben Produktionsstätten für unser Bier in 14 Ländern – da komme ich viel rum. Von England bis Georgien oder Mongolei. Aber ich versuche die Welt ein bisschen zu entschleunigen. Ich bin berüchtigt dafür, dass ich mir beispielsweise lange Zeit lasse, um auf eine E-Mail zu antworten. Ich mag keinen Zugzwang. Besonders nicht im Sommer.

Eine letzte Frage: Nehmen wir an, Sie sitzen in einem Restaurant und verspüren riesige Lust auf ein Bier. Dort gibt es aber kein König Ludwig. Was machen Sie?

Prinz Luitpold: Hmmm – ein Augustiner wär auch okay.

Prinz Luitpold von Bayerns Sommer-Tipps:

Für einen Ausflug bei Sonnenschein in den Hirschgarten ist Prinz Luitpold (hier beim Jubiläum von Wirt Johann Eichmeier) immer zu haben. Natürlich mit Weißwürsten und einem kühlen Weißbier. Zudem wandert der Prinz gerne. Wo genau? „Eigentlich überall in den bayerischen Alpen.“

 Armin Geier

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