"Beängstigendes Gefühl"

Waffennarr vom Glockenbach: Das sagen Anwohner

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Eine Kampfausrüstung lag griffbereit auf dem Tisch.

München - Im Glockenbachviertel herrscht immer noch Fassungslosigkeit über den Waffennarr, der Spiritusbomben gebunkert hatte. Die tz sprach mit zwei Anwohnern.

Zehn solcher 5-Liter-Kanister mit Spiritus hatte Dominic H. mit Signalfackeln präpariert.

Der Waffennarr vom Glockenbach – er wollte offenbar das ganze Wohnhaus an der Holzstraße mit selbstgebastelten Bomben in die Luft sprengen. Dominic H. (32) hatte in seinem Apartement 50 Liter Brennspiritus in Plastikflaschen gebunkert, die jeweils mit einer Signalfackel präpariert waren! Bevor er sich am Mittwoch selbst erschoss, hatte der 32-Jährige drei Spiritus-Bomben gezündet – zum Glück explodierten sie aber nicht.

Die Einzimmerwohnung glich laut Polizei einer Festung. So jedenfalls beschreibt Erster Kriminalhauptkommissar Siegbert Reder vom Kommissariat 13 (Brandermittlungen) das 25-Quadratmeter-Apartement an der Holzstraße 51: „Zwei präparierte Spiritusbehälter waren direkt am Bett positioniert.“

Im 1. Stock dieses Wohnhauses an der Holzstraße lebte Waffennarr Dominic H.

Der zurückgezogen lebende Dominic H. hatte sich ein wahres Arsenal an Waffen zugelegt: Fein säuberlich hatte er in einem Schrank Messer, Gaspistolen, Macheten, Chinaböller, eine Softair-Maschinenpistole sowie gut 1000 Schuss Munition aufbewahrt. „Der Mann hat sich auch einen taktischen Helm für Einsätze gebastelt“, sagt Polizeisprecher Wolfgang Wenger.

Der Mittwochmorgen hatte zunächst relativ harmlos begonnen. Als zwei Mitarbeiter der Waffenbehörde vom Kreisverwaltungsreferat (KVR) vor der Wohnungstür stehen, macht Dominic H. nicht auf. Eigentlich sollen in der Wohnung zwei Glock-Pistolen sichergestellt werden, die der 32-Jährige nach seinem Austritt aus einem Schützenverein unerlaubterweise immer noch hatte.  

Toter im Glockenbachviertel - Bilder vom SEK-Einsatz

Toter im Glockenbachviertel - Bilder vom SEK-Einsatz

Die KVR-Mitarbeiter rufen die Polizei und einen Schlüsseldienst dazu. Dominic H. öffnet die Tür noch immer nicht, hat sie von innen mit drei großen Koffern blockiert. Stattdessen hören die Polizisten Zischgeräusche, weißer Rauch quillt aus der Wohnung, dann ein lauter Knall. Wenig später stürmen SEK-Beamte das Zimmer. Sie finden Dominic H. mit einer blutenden Wunde am Kopf auf dem Bett liegend vor. Der Notarzt kann nichts mehr für ihn tun. Er hatte sich mit einem Schuss aus einer seiner Pistolen selbst getötet.

Die tz sprach mit zwei Anwohnern.

Wir hatten alle großes Glück

Auch Taxifahrer Thomas T. (66) musste am Mittwochvormittag seine Wohnung für viele Stunden verlassen. Als er hört, was Dominic H. alles in seiner Wohnung deponiert hatte, wird ihm ganz anders. „Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn die Kanister explodiert wären. Wir hatten wohl alle großes Glück!“

Dieses Gefühl ist beängstigend

Als Pädagogin Christina E. am Mittwoch ihre Wohnung im ersten Stock verließ, standen gerade die Herren von der Waffenbehörde vor der Tür ihres Nachbarn. Von dem Drama, das sich danach abspielte, erfuhr die 42-Jährige erst aus der Zeitung. „Es ist ein beängstigendes Gefühl, wenn zwei Türen weiter Spiritus-Kanister bereitstehen.“ Die Pädagogin kannte Dominic H. nicht. „Ich nehme diese Tragödie aber zum Anlass, wieder mehr Kontakt zu den Nachbarn aufzunehmen.“

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