"Es war zu erwarten"

Witwenmord: Revision nach dem Freispruch!

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Der Tscheche Roman H. wurde vergangene Woche aus Mangel an Beweisen frei gesprochen. Die Suche nach dem Mörder von Inge W. geht weiter.

München - Inge W. wurde im Oktober 2013 in ihrer Wohnung niedergeschlagen und erdrosselt. Der Roman H. soll es nicht gewesen sein. Die Staatsanwaltschaft hat Revision gegen den Freispruch eingelegt.

„Lieber zehn Schuldige laufen lassen, als einen Unschuldigen einsperren“, sagte Richter Norbert Riedmann vor einer Woche bei der Urteilsverkündung im Mordprozess gegen Roman H. (37) am Landgericht. Gegen den Tschechen wurde ein halbes Jahr lang ermittelt. Dann der Freispruch! Er ist nicht der Mörder von Inge W. (†69). Dagegen hat die Staatsanwaltschaft München I Revision eingelegt.

Fest steht: Die beliebte Rentnerin vom Gärtnerplatz ist im Oktober 2013 in ihrer Wohnung niedergeschlagen und erdrosselt worden. Aber von wem? Roman H.s Verteidiger Tom Heindl sagt zur tz: „Die Staatsanwaltschaft steht jetzt gewaltig unter Druck. Es ist nun mal so: Als Angeklagter in einem Mordfall kommt man selten unschuldig raus. Doch jetzt gibt es plötzlich eine Tote, aber noch keinen verurteilten Mörder.“ Für Heindl ist deshalb das Vorgehen der Staatsanwaltschaft nur logisch: „Es war zu erwarten, dass sie in Revision gehen. Ich gehe aber davon aus, dass das Urteil standhält.“

Was macht Heindl da so sicher? Ohne Zeugen und Beweise kann das Gericht nicht beurteilen, wie Roman H.s DNA-Spuren an den Tatort und an die Leiche von Inge W. gelangten. Sein Verteidiger bringt es auf den Punkt: „Mein Mandant hatte mehrmals berechtigten Zutritt zu der Wohnung, beispielsweise um Reparaturen und kleinere Handgriffe zu erledigen. Ob er die Spuren als Täter oder Unschuldiger gelegt hat, kann nicht bewiesen werden.“ Laut Heindl wurden an der Leiche und in der Wohnung sogar noch Spuren ihres bereits mehrere Jahre zuvor verstorbenen Ehemannes gefunden.

Johannes Heininger

Mord mitten im Gärtnerplatzviertel

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