Wohnung an der Schwanthalerstraße

Witwer (81): Partylärm hat meine Frau umgebracht

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Jetzt ist er ganz allein: Peter H. schaut zur Schwanthalerstraße hinunter, wo Nacht für Nacht der Partylärm tobt. Sein Gesicht will er aus Angst nicht zeigen. Wedrana H. war eine lebenslustige Frau. Sie starb jetzt mit 66 Jahren.

München - "Der nächtliche Party-Lärm in der Schwanthalerstraße hat sie umgebracht", klagt Witwer Peter H. (81)."Uns wird hier Nacht für Nacht der Schlaf geraubt."

Traurig blickt Peter H. (81) auf die Bilder seiner Ehefrau Wedrana. Sie ist vergangenen Mittwoch im Alter von 66 Jahren gestorben. „Der nächtliche Party-Lärm in der Schwanthalerstraße hat sie umgebracht“, klagt der Witwer. „Uns wird hier Nacht für Nacht der Schlaf geraubt.“

Die Eheleute und weitere Bewohner des Wohn- und Geschäftshauses unweit der Sonnenstraße hatten sich schon im Jahr 2012 hilfesuchend an die tz gewandt. Es waren die laute Musik aus den offenen Türen der Bars, der Lärm des Partyvolks auf der Straße, die vielen Schlägereien und Sachbeschädigungen sowie die Betrunkenen, die in den Hauseingängen ihre Notdurft verrichteten, über die sich die Anwohner beschwerten. „Was uns Mietern hier zugemutet wird, ist einfach unmenschlich“, sagte der frühere Ingenieur Peter H. damals.

Das Thema wurde zum Politikum, doch am Ende blieb es nur bei Ermahnungen ans Partyvolk. „Es sind noch weitere Clubs hinzugekommen“, sagt Peter H. „Es ist noch lauter, die Stimmung ist noch aggressiver geworden.“ Oliver J. (47) bestätigt dies: „Wenn man die Leute auf das Lärmproblem anspricht, wird man angepöbelt. Mir wurden schon Prügel angedroht“, so der Systemadministrator.

Jetzt sammeln die Mieter wieder Unterschriften in der Hoffnung, dass sich an der Politik der Stadt etwas ändert. Auch Klaus N. (47), der sei acht Jahren hier wohnt, hofft auf Besserung: „Selbst wenn ich die Fenster schließe und mir Stöpsel in die Ohren stecke, höre ich das Wummern der Bässe.“ Er habe mit Wirten über das Problem gesprochen. „Ich wurde verhöhnt.“

Oliver J. ist inzwischen ausgezogen. „Gott sei Dank, ich lebe jetzt auf der Theresienhöhe. Dort finde ich es wunderbar leise.“ Er hat Wedrana und Peter H. oft animiert, eine andere Wohnung zu suchen. „Sie wollten einfach nicht, sie leben zu lange hier.“

Peter H.: „Meine Frau wohnte schon sei 1971 in diesem Haus. Sie hat hier sich immer wohlgefühlt – bis die Gegend zur Partymeile wurde.“ Eine Krebserkrankung habe sie gut überstanden, doch danach habe sie die Kraft für einen Umzug nicht mehr gehabt: „Ohne Schlaf ist ihr Immunsystem auf Null gesunken.“ Auch er will nicht mehr weg: „Ich bleibe hier bis zum bitteren Ende.“

Ohnmacht der Türsteher

KVR-Chef Blume-Beyerle stellte mit Lokalbetreibern das Projekt „Cool bleiben“ vor. Gegen den Lärm der Partygänger hilft die Aktion aber wenig.

Vor zwei Jahren hat KVR-Chef Wilfried Blume-Beyerle die Aktion „Cool bleiben – friedlich feiern in München“ vorgestellt. Beteiligt sind die Landeshauptstadt, Clubs und das Polizeipräsidium. Das Präventionsprojekt dient freilich in erster Linie der Verhinderung von Straftaten wie Körperverletzungen. Gegen den nächtlichen Lärm können die Behörden zwar mit Auflagen eingreifen. Das Problem freilich ist: Von woher kommt gerade welcher Lärm? Mit den vielen Clubs an der Ecke Schwanthaler-/Sonnenstraße herrsche eine Sondersituation, so Daniela Schlegel vom Kreisverwaltungsreferat. Sie sagt: „Wir sind im engen Kontakt mit den Lokalbetreibern, die sich kooperativ zeigen.“

Am 22. September hatte es bei der Polizei einen runden Tisch gegeben. Das Ergebnis, so die Betroffenen ist mau: Türsteher sollen auf die Gäste draußen einwirken. „Wir haben sieben Sicherheitskräfte im Einsatz, um für Ruhe zu sorgen“, so Markus Binder vom Jack Rabbit zur tz. Aber: „Am Gehweg endet unser Hoheitsbereich.“

Eberhard Unfried

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