Hass-Tweets nach Erdogan-Affäre

„Verpiss dich nach Anatolien“: Chef des Deutschen Theaters hetzt gegen Özil

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Das Deutsche Theater an der Schwanthalerstraße im Münchner Bahnhofsviertel. 

Der Chef des Deutschen Theaters, Werner Steer, hat auf Twitter gegen die deutschen Nationalspieler Mesut Özil und Ilkay Gündogan gehetzt. Jetzt redet er sich heraus. 

München - Werner Steer regt sich offenbar darüber auf, dass die deutschen Nationalspieler Mesut Özil und Ilkay Gündogan dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan Trikots geschenkt haben (Gündogan schrieb auf sein Trikot: „Für meinen Präsidenten, hochachtungsvoll.“). 

Aber er schimpft darüber nicht daheim in seinem Wohnzimmer, sondern öffentlich. Am 11. Juni twitterte er: „So einer wie Özil, der nicht nur einem Verbrecher huldigt, sondern auch noch die Nationalhymne nicht mitsingt, weil er die Werte nicht teilt, muss sofort weg.“ Und ein paar Tage später, am Donnerstag, legt er nach und twittert an Özil: „Hallo du Idiot, du hast in der deutschen Nationalmannschaft nichts zu suchen. Verpiss dich nach Anatolien.“ Er fordert Özil auf: „Spiel doch bei deinem türkischen Hitler.“ 

Und an Gündogan gewandt twittert Steer: „Hau ab nach Anatolien.“

(Hier gelangen Sie zum WM-Spielplan 2018.)

Inzwischen hat Steer seine Hass-Tweets gelöscht und redet sich im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung (SZ) heraus, behauptet, er habe seine Privatmeinung geschrieben und sei beim Thema Fußball nun mal „ein Bolzer“, drücke sich manchmal drastisch aus. 

Ilkay Gündogan (links) mit Recep Tayyip Erdogan.

Seine Tweets hat Steer gelöscht, es gibt aber Screenshots, die die Beleidigungen dokumentieren. 

Steers Account auf Twitter ist inzwischen offenbar gesperrt worden, die Profilseite lässt sich aktuell nicht aufrufen (Stand: 16. Juni, 15.30 Uhr). 

Diskutieren Sie über die Tweets mit anderen Usern auf Facebook:

So reagiert die Stadt München auf die Werner Steers Hetze

Die Stadt München ärgert sich über die Hass-Tweets. Bürgermeister Josef Schmid (CSU) ist Aufsichtsratschef des Theaters und soll sich mit Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) beratschlagt haben. Das Ergebnis: „eine scharfe Rüge für den Theaterchef“: „Hass-Mails oder Hass-Posts von Führungskräften, die öffentliche Personen des Münchner Kulturlebens sind, sind inakzeptabel“, erklärte Schmid. 

Die SZ spekuliert, dass Steer aber nicht mit mehr Konsequenzen rechnen müsste: Was er privat und nicht auf dem offiziellen Account des Theaters twittert, falle wohl unter die Meinungsfreiheit.

Mesut Özil hat sich nach der harten Kritik an ihm mittlerweile selbst zu Wort gemeldet. Auf Instagram bezog der Nationalspieler Stellung - und hat eine Kampfansage für das Spiel gegen Schweden rausgehauen.

Lesen Sie hier: Wegen dieses Fotos mit Erdogan? Angriff auf Gündogan-Mercedes - die Scheibe wurde zerstört.

Hier gelangen Sie zur Themen-Seite „Fußball-WM 2018“.

sah

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