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Viehhändler vor Gericht

Zoff um Amok-Kuh Bavaria: Polizei bleibt auf Kosten sitzen

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Blutüberströmt liegt die ausgebüxte Kuh von Ludger R. (50) am Streifenwagen. Sie war vom Schlachthof aus rund um die Wiesn gerannt. Bis die Polizisten sie erschossen

München - Die ausgebüxte Kuh hielt im Herbst 2014 die Polizei in Schach. Der Freistaat stellte dem Viehhändler eine Rechnung für den Einsatz, der Fall landete vor Gericht - mit überraschendem Ende.

Vom Schlachthof zum Verwaltungsgericht: Seine Kuh „Bavaria“ wird Viehhändler Ludger R. (50) wohl nie vergessen. Nachdem sie am 2. September 2014 nach der Anlieferung am Schlachthof ausgebüxt und quer durch die Innenstadt zur Wiesn gerannt war, mussten Polizisten das wild gewordene Tier erschießen. Die Kuh hatte am Bavariaring, direkt unter der Statue, eine Joggerin umgerannt. 528 Euro stellte der Freistaat Bayern Ludger R. für diesen so ungewöhnlichen wie gefährlichen Einsatz in Rechnung. Gegen diesen Kostenbescheid wehrte sich der Viehhändler allerdings. Er klagte. Mit Erfolg: Das Verwaltungsgericht unter Vorsitz von Richterin Gertraud Beck entschied gestern, dass Ludger R. das Geld nicht zahlen muss. Denn die Behörde konnte ihm nicht nachweisen, dass er sich falsch verhalten hat.

Ludger R. (50).

„Ich freue mich über die Entscheidung“, sagte Ludger R. „Aber ich ärgere mich immer noch, dass man mir diesen Fehler überhaupt anhängen wollte.“ Denn Schuld war aus seiner Sicht der Schlachthof. Er soll die Flucht der Kuh durch zu weit auseinanderstehende Gatter beim Verladen erst ermöglicht haben. „Mittlerweile steht ein Zusatzgitter an der Schwachstelle“, sagt der Viehhändler. „So schnell wird dort keine Kuh mehr fliehen können.“ Ludger R. hatte an dem Tag im September 28 Tiere geladen. Die Flucht gelang nur der störrischen „Bavaria“. „Sie mussten wir zu einem BSE-Test aussondern“, sagt Ludger R. „Wir hatten es nicht geschafft, sie zurückzutreiben, bis ich ins Büro gerufen wurde.“ Dort wurden am frühen Morgen noch seine Papiere kontrolliert. „Als ich zurückkam, war sie schon weg.“ Durchgebrannt – durch alle Sperrgitter. Es bleibt ihr Geheimnis, wie das gelingen konnte. Denn auch zwei Zeugen erinnerten sich gestern nicht genau. „Meine Aufgabe war es, die Kühe in den Treibgang voranzutreiben. Immer fünf Tiere auf einmal. Plötzlich stand die eine Kuh aber im Hof“, sagt Schlachthof-Metzger Georg M. (54). „Alle hatten Angst“, berichtet Viehhändler Michael P. (64). Er hatte noch am selben Morgen Tiere angeliefert. „Als wir die wildgewordene Kuh gesehen haben, ha brachten wir uns gleich in Sicherheit“, sagt er.

Wie genau ihr die Flucht gelang, hat angeblich niemand gesehen. Davon profitiert nun Viehhändler Ludger R., der extra 700 Kilometer aus dem Emsland zum Prozess angereist war. „Ich bin heute noch über den Vorfall entsetzt“, sagt er. Und auch darüber, dass die verletzte Joggerin ihn wegen fahrlässiger Körperverletzung verklagt hat. Der Strafprozess wurde aber zwischenzeitlich ausgesetzt. Ludger R. hatte im Juli einen schweren Auffahr-Unfall – während eines Viehtransports auf der Autobahn A 30 nahe Osnabrück, den er mit etlichen Knochenbrüchen nur knapp überlebt hat.

Die Polizei in München betont auf Nachfrage, dass Einsätze der Beamten grundsätzlich kostenfrei sind. Werden die Kräfte gerufen, um einen Menschen zu retten, dann muss der Steuerzahler für den Einsatz aufkommen. Das gilt auch, wenn die Polizei zu einer Unfallstelle geholt wird. Allerdings wird nicht jeder Einsatz durch Steuern finanziert. Die Beamten kassieren unter anderem Gebühren, wenn jemand absichtlich einen falschen Alarm auslöst, wie zum Beispiel durch eine Amok-Drohung. Das kann unter Umständen sehr teuer werden: Zwischen 50 und 100 000 Euro. Ausschlaggebend ist, dass jemand wissentlich die Arbeit der Polizei missbraucht. Ist der Einsatz wegen eines Versehens ausgelöst worden, muss der Anrufer nichts zahlen. Kostenpflichtig wird es auch, wenn die Polizei ein Fahrzeug abschleppt. Zahlen muss zudem, wer zum Beispiel durch eine Facebook-Party einen Großeinsatz auslöst – die Gebühren berechnen sich dabei aus dem Einkommen des Verursachers.

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