Luftbild: Als im Grünwalder die Bombe einschlug

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Luftbildaufnahme vom 11. März 1943: Hier ist das Stadion noch heil (Foto links). Zwei Fliegerangriffe reißen am 19. Juli 1944 Krater in den Rasen (rechts).

München - Nach dem Fund einer Fliegerbombe in Giesing: Die tz hat Luftbilder aus dem Zweitem Weltkrieg aufgespürt, die das Grünwalder-Stadion vor und nach dem Bombentreffer zeigen.

Zwei riesige Krater tun sich auf im Sechzger-Stadion an der Grünwalder Straße. Links und rechts haben Fliegerbomben die Nordtribüne und den Rasen in Fetzen gerissen, metertief in den Boden reicht die Verwüstung. Eine Luftbildaufnahme vom 20. Juli 1944, dem Tag des Staufenberg-Attentats auf Adolf Hitler, dokumentiert die Folgen eines Luft-Angriffes auf Giesing im Zweiten Weltkrieg. Vermutlich von der amerikanischen Luftwaffe, die allein im Jahr 1944 mehr als zehn Bomben-Angriffe auf München geflogen hat. Besonders schlimm war es in jenem Juli 1944: Tagelang warfen die Amerikaner tausende Bomben auf München.

Doch nicht alle explodierten – auch Blindgänger waren dabei. Und so hielt Giesing am Donnerstag den Atem an, als die Münchner Kampfmittelbeseitigung mit drei Sprengstoff-Experten im Grünwalder eine 225 Kilogramm schwere Fliegerbombe entschärfte. Rund 68 Jahre lag das gefährliche Ungetüm seit den Juli-Angriffen 1944 am rechten Strafraumeck (tz berichtete).

Fliegerbombe im Grünwalder Stadion gefunden

Fliegerbombe im Grünwalder Stadion gefunden

Doch warum wurde die Bombe nach so langer Zeit entdeckt? „Organisiert“ hat es die Stadt München, die als Bauherr die Renovierungsmaßnahmen am Sechzger-Stadion verantwortet. „Bei solchen Bauvorhaben werden Luftbildaufnahmen ausgewertet, um auszuschließen, dass alte Kampfmittel wie Bomben oder Granaten im Boden liegen. Der geringste Verdacht reicht für eine Untersuchung aus“, so Feuerwerker Martin Tietjen (37), der die Fliegerbombe englischen Fabrikats entschärft hat.

Noch immer liegen Weltkriegsbomben in München. „Wie viele? Das ist schwer zu sagen“, so Feuerwerker Martin Tietjen (37). Denn: Es werden ständig neue gefunden. „2011 waren es 60 Tonnen Kampfmittel in ganz Bayern.“ Doch das Grünwalder Stadion ist jetzt sicher…

Andreas Thieme

ZITAT ALT-SECHZGER

„Einen Tag vor Aufnahme des zerstörten Luftbildes bin ich zehn Jahre alt geworden (=19.7.44). Ich habe schon als Bub mit Freunden an der Grünwalder Straße gekickt und auch in der Nähe gewohnt – die Bälle haben wir uns selbst gebastelt aus Holzwolle und Stoff. Der Krieg war eine schreckliche Zeit, es gab oft Fliegeralarm. Wenn die Tiefflieger über München waren, haben wir uns schnell in die Schutzbunker geflüchtet.“

Ex-Löwe Ferdinand Börstler (78)

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