EU-Umweltagentur hat Luftqualität getestet

Luftverschmutzung in München gesunken - dennoch belegt die Stadt einen Platz im dreistelligen Bereich

Hauptverkehrsader durch München - der Mittlere Ring. Die Luft in der Stadt ist allerdings nicht so schlecht, wie vielleicht vermutet.
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Hauptverkehrsader durch München - der Mittlere Ring. Die Luft in der Stadt ist allerdings nicht so schlecht, wie vielleicht vermutet.

München im guten Mittelfeld: Die EU-Umweltagentur EEA hat eine Liste von mehr als 320 Städten zusammengestellt, in der sie die Luftqualität vor Ort bewertet.

München - Die Luftqualität in München* beschäftigt die Lokalpolitik immer wieder. Die Landshuter Allee galt gar als Deutschlands dreckigste Straße. Eine neue Übersicht der EU-Umweltagentur EEA zeigt jetzt, wie es langfristig um die Luftqualität in hunderten der größten Städte Europas bestellt ist – und dabei kommt München gar nicht so schlecht weg. Zwar belegen unter den mehr als 320 untersuchten Städten das schwedische Umeå, Tampere in Finnland sowie Funchal auf der portugiesischen Insel Madeira und Estlands Hauptstadt Tallinn die Spitzenplätze – München wird aber auf Platz 103 immer noch eine gute Luftqualität attestiert.

Feinstaubbelastung in München zurückgegangen

Für die Analyse der Zahlen ist allerdings wichtig zu wissen, dass die EEA für ihre Übersicht die Feinstaubbelastung der Städte untersucht hat. Zwar werden an der Landshuter Allee immer noch die höchsten Werte in ganz Bayern gemessen, insgesamt ist die Feinstaubbelastung aber deutlich zurückgegangen – 2020 war das Jahr mit den niedrigsten Werten seit Beginn der Messung vor etwas über 20 Jahren.

Diese Einordnung der EEA bezieht sich auf die durchschnittliche Luftbelastung mit Feinstaub (PM2,5) in den Jahren 2019 und 2020. Ein „gut“ erhält, wer unter dem empfohlenen Wert der Weltgesundheitsorganisation (WHO) liegt: Die WHO empfiehlt, dass die Langzeitbelastung zehn Mikrogramm Feinstaub (PM2,5) pro Kubikmeter Luft nicht überschreiten sollte, das ist strenger als der EU-Wert. Wer auch das jährliche EU-Limit von 25 Mikrogramm reißt – das gilt für fünf Städte in Polen, Kroatien und Italien – bekommt ein „sehr schlecht“.

Deutschland steht wegen schmutziger Luft vor dem Europäischen Gerichtshof (Video)

München liegt im oberen Mittelfeld der überprüften bayerischen Städte

Über die sauberste Luft aller 52 gelisteten deutschen Städte verfügt Göttingen: Die niedersächsische Universitätsstadt landet auf Rang 29, gefolgt von Freiburg (45), Darmstadt (46), Lübeck (50) und Hannover (56). Weitere bayerische Städte im Ranking: Kempten (62), Würzburg (87), Augsburg (129), Aschaffenburg (132), Bamberg (144), Neu-Ulm (149), Nürnberg (180) und, als Schlusslicht im Freistaat, Passau (186). Bundesweit ist die Luftqualität in Berlin am schlechtesten, die Hauptstadt findet sich auf Rang 219. Immerhin: Keine deutsche Stadt landete in den Kategorien „schlecht“ oder „sehr schlecht“. Mehrere deutsche Städte wie etwa Köln und Ingolstadt wurden allerdings nicht eingeordnet. Das kann laut EEA daran liegen, dass Messstationen oder bestimmte Daten fehlten.

Wie bereits Ende 2020 aus einem EEA-Bericht hervorgegangen war, hat sich die Luftqualität in Europa im Laufe des vergangenen Jahrzehnts spürbar verbessert – unter anderem, weil der Schadstoffausstoß der wichtigen Sektoren Verkehr und Energieversorgung verringert worden ist. Das hat dazu geführt, dass im Vergleich von 2009 zu 2018 knapp 60.000 weniger Menschen pro Jahr vorzeitig durch die Belastung mit Feinstaub gestorben sind.

Mehr als 400.000 Menschen starben frühzeitig aufgrund von Luftverschmutzung

Dennoch leiden demnach weiterhin nahezu alle Europäer unter Luftverschmutzung etwa durch Feinstaub, Stickstoffdioxid und bodennahes Ozon, vor allem in Städten. Mehr als 400.000 Menschen starben EEA-Schätzungen zufolge 2018 in 41 europäischen Ländern vorzeitig an den Folgen der Belastung durch diese Schadstoffe, darunter auch Zehntausende in Deutschland. Beim Stickstoffdioxid gehört München* weiterhin zu den weniger als zehn deutschen Städten, in denen die aktuellen Grenzwerte überschritten werden.

Gemäß der neuen Auflistung sieht es unter den Millionenstädten übrigens besonders gut in Stockholm aus: Die schwedische Hauptstadt landet auf Rang neun und schneidet somit besser ab als jede weitere Stadt mit mehr als einer Million Einwohner. Dicht dahinter folgt Helsinki (11), während sich etwa Bukarest (263), Barcelona (264), Warschau (269) und Mailand (303) auf der anderen Seite der Tabelle wiederfinden. *tz.de/muenchen ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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