Wird ihr Mörder je gefasst?

Todesrätsel um Luise Zimmermann: Fahnder haben nicht die geringste Spur.

Kaltenbrunn - Ein Mord ohne DNA-Spuren – das ist der Stoff, aus dem die Kriminaler-Alpträume sind. Für die Sonderkommission (SoKo) Kaltenbrunn scheint dieser Albtraum Wirklichkeit zu sein.

 Zwölf Wochen nach dem Mord an der Münchner Wanderin Luise Zimmermann (73) im Wald zwischen Egmating und Aying steht die Soko Kaltenbrunn ohne konkrete Hinweise auf den Mörder da. Damit sind die Kripo-Beamten wieder auf die alten Ermittler-Tugenden wie Fleiß, Hartnäckigkeit und Instinkt angewiesen. Und auf jenes kleine Quäntchen Glück, dass auch der beste Fahnder zuweilen braucht. An Fleiß und Hartnäckigkeit mangelt es der SoKo wahrlich nicht.

Seitdem Luise Zimmermanns nackte Leiche am 24. Juni im Wald bei Kaltenbrunn gefunden wurde, haben Heerscharen von Suchmannschaften in den Wäldern rings um den Tatort buchstäblich jedes Blatt umgedreht. Die äußerst rüstige, sehr gläubige und stets freundliche Rentnerin – sie hat eine Tochter und wohnte seit ihrer Scheidung allein in der Paul-Löbe-Straße (Neuperlach) – hatte am 7. Juni an einer Volkswanderung der Wanderfalken Dürrnhaar teilgenommen. Um 12 Uhr war sie an jenem Sonntag am Startplatz gesehen worden. Danach verliert sich ihre Spur.

Möglicherweise hat sie ihren Mörder bereits am Vortag kennengelernt, als sie die Route allein testete. Zwei Wochen galt sie als vermisst. Dann fand ein Spaziergänger die bereits stark verweste Leiche abseits der Wanderroute im Kaltenbrunner Schlag. Luise Zimmermann wurde komplett entkleidet. Kleidung und Rucksack sind bis heute nicht entdeckt. Nur ihre Brille wurde bislang gefunden. Die muss der Mörder übersehen haben. Warum er sich solche Mühe bei der Spurenbeseitigung gab, ist zur Zeit reine Spekulation. Möglich ist, dass er längst in der DNA-Datei gespeichert ist und die Identifizierung befürchten musste.

Denkbar ist auch, dass er die Sachen seines Opfers als „Andenken“ mitnahm. Mittlerweile ging die SoKo rund 150 Hinweisen nach, verteilte 20 000 Fahndungs-Flyer und 100 Plakate und sichtete Unmengen Fotos der Volkswanderer. Es gab Hinweise auf einen Mann, der kurz nach dem Mord aus Aying angeblich überstürzt verschwand. Das erwies sich als Irrtum. Der letzte konkrete Hinweis vom 24. Juli bezog sich auf einen Mann, der südöstlich des Tatorts im Wald gesehen wurde und „sich auffällig benahm“. Wieder rückten 100 Beamte, die Spurensicherung und SoKo-Mitglieder aus. Doch auch dabei kam offenbar nichts Konkretes heraus.

Ein Phantombild wird es vorerst nicht geben. Auf den Mörder sind 5000 Euro Belohnung ausgesetzt. Die Soko (Tel. 08122/968-380) ist im Internet unter www.polizei-oberbayern-nord.de erreichbar. Luise Zimmermann wurde bereits bestattet – ganz privat im engsten Familien- und Freundeskreis.

Dorita Plange

Technischer Fortschritt entlarvt Täter nach Jahren

Kein Mörder darf sich jemals sicher fühlen – wie diese sechs Fälle aus dem Münchner Kriminalarchiv beweisen. Viele Jahre schien die Lösung aussichtslos. Doch Hartnäckigkeit und der technische Fortschritt im Kriminallabor sorgten zum Teil erst Jahrzehnte später für Sternstunden der Gerechtigkeit:

  • Der Maler Fred Rehm (46) wurde im Februar 1987 auf der Theresienhöhe in seiner Wohnung erstochen – ein Raubmord. 16 Jahre später holte die Vergangenheit seinen Mörder ein. Die DNA-Analyse überführte Hilfskoch Mario P. (damals 39). Er bereitete in der Küche des Hofbräuhauses gerade das Blaukraut fürs Entenfest zu, als die Kripo ihn im Oktober 2003 abholte.
  • Hella Ohr (18) ging arglos mit einem Bekannten in den Englischen Garten. Am Morgen des 31. August 1983 wurde sie dort gefunden – erdrosselt mit dem eigenen BH. 21 Jahre später wurde ihr Mörder verhaftet. Bernd K. (42) war ein Serienvergewaltiger.
  • Die Liebe einer Frau kostete den Münchner Nachtclubbesitzer Peter Busch (39) im März 1987 das Leben. Er wurde erschossen. Sein Mörder war der Nebenbuhler. Ein Handballenabdruck überführte Burkhard P. (46) erst 17 Jahre später.
  • Hinter einer Tapetentür in der Pension Röschlein in der Luisenstraße lag zehn Jahre lang die Leiche des Homosexuellen Wolfgang B. (42). Er wurde bereits 1986 erschossen – von einem Gewalttäter, der schon zwei Menschen getötet hatte und von sich selber sagte: „Ich bin ein Profi-Killer.“ Josef V. prahlte im Knast mit dem dritten Mord. So wurde er überführt.
  • Sie hat ihn geliebt. Er hat sie nur ausgenutzt – das war das Drama der reichen Schwabinger Antiquitätenhändlerin Ursula Valeska Klingmann (44). Sie hatte ein Verhältnis mit ihrem Schweizer Banker Emil S., der ihr Geld veruntreute und sie im August 1985 in Schwabing erstach. Er starb im Alter von 68 Jahren im Frühjahr 2008 in der Schweiz an Krebs – kurz nachdem ihn die DNA-Analyse überführt hatte.
  • Mit Knüppeln erschlagen – so wurde der Musiker Rolf Prinz (47) im Januar 1973 am Perlacher Friedhof gefunden. Ein Raubmord! Seine Mörder waren drei Burschen, die erst 2003 über Fingerabdrücke identifiziert wurden.

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