Wahlkreis München-West

Denker in der Welt der Macher - Lukas Köhler kandidiert für die FDP

Lukas Köhler sitzt an der Isar
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Die Isar ist einer seiner Lieblingsorte. Lukas Köhler ist in München geboren und wuchs in Monheim am Rhein auf.

Am 26. September ist Bundestagswahl. Bis dahin stellen wir die Kandidaten aus München vor. Heute Lukas Köhler (FDP) aus dem Wahlkreis West-Mitte.

Lukas Köhler eckt oft an – er ist 2,07 Meter groß. In der Politik läuft es für den Laimer aber rund: In sechs Jahren hat er es vom Parteibeitritt bis in den Bundestag geschafft – 2017 zog der damals erst 31-Jährige für die FDP ins Parlament ein. Seine Chancen stehen wieder gut: Der Direktkandidat im Münchner Westen steht auf Platz 4 der Landesliste.

„Meine ersten Tage im Bundestag waren spannend, erschreckend und schön“, sagt Köhler über den Beginn seiner bundespolitischen Karriere. Seine Stimme ist tiefer als erwartet. Er ist immer noch jung, aber nicht mehr jugendlich: 35 – das Alter, mit dem man bei den Jungen Liberalen ausscheidet, deren Vorsitzender Köhler drei Jahre lang war. Der Ausstieg sei schon auch hart gewesen, sagt er. „Es war eine schöne Zeit.“ Seit 2019 ist Köhler Generalsekretär der FDP Bayern.

Schon damals war der Neuling gleich drin in der großen Politik. Rhetorisch war er schon immer gut, und auch sein Blick auf die Welt ist womöglich etwas reflektierter als man es gemeinhin von Politikern erwarten würde. Köhler ist Philosoph, belesen, und hat als Leiter des Zentrums für Umweltethik und Umweltbildung an der Hochschule für Philosophie große Fragen der Zeit aus wissenschaftlicher Perspektive beleuchtet: Klimawandel, Gerechtigkeit, Umweltethik. „Ich konnte bei vielen Themen gleich mitsprechen. Das war schön“, erinnert er sich.

Erschreckt hat ihn der Moment, als er seinen Büroschlüssel im Bundestag abholte: „Man kommt in einen Raum, in dem ein Mensch mit einer Schreibmaschine aufschreibt, welcher Schlüssel zu welchem Abgeordneten gehört.“ Köhler war „bass erstaunt“. Wenn schon die obersten Stellen so wenig digitalisiert seien, wie könne man das dann bis auf die kommunale Verwaltungsebene durchsetzen? „Faxen ist noch immer eines der Hauptkommunikationsmittel im Bundestag“, so Köhler.

Die Digitalisierung ist neben der Umweltpolitik (Köhler ist klimapolitischer Sprecher der FDP im Bundestag) eines seiner zentralen Themen. Bauprojekte würden teilweise über Jahre verzögert, weil Deutschland im Bürokratiesumpf feststecke, kritisiert er. „Der erste und sinnvollste Schritt wäre, in die Digitalisierung der Akten einzusteigen, sodass ich nicht 74 Aktenordner für den Bau einer Windkraftanlage in Brandenburg ausdrucken muss.“ Nur ein Beispiel. Ewigkeitsthemen findet er auch direkt vor der Haustür: die zweite Stammstrecke, der Ausbau der Sendlinger Spange.

Seine Liebe zu den Liberalen war von Anfang an groß –nicht zuletzt, weil er seine Frau dort kennengelernt hat. Zwei Jahre nach seinem Parteibeitritt 2011 scheiterte die FDP knapp an der Fünf-Prozent-Hürde und zog nicht in den Bundestag ein. „Es herrschte eine Zeit lang großes Chaos. Damals sind eigentlich nur die Leute dabei geblieben, die aus eigenem Antrieb heraus den Liberalismus voranbringen wollten. Viele, die nur Karriere machen wollten, sind raus.“

Köhler ist ein Denker in der Welt der Macher. Eigentlich wollte er an der Uni bleiben. „Aber dann habe ich gemerkt: Es macht mir Spaß und es liegt mir auch, sich darüber Gedanken zu machen, wie es theoretisch funktionieren kann, und es dann praktisch umzusetzen.“

Die „elitäre Haltung“ mancher Klimaschützer, die mit dem Finger auf „böse Klimasünder“ zeigen, ist ihm zuwider. Die Entkoppelung des wirtschaftlichen Wachstums vom CO2-Ausstoß sei „ganz zentral“. „Wer sich keine Gedanken um die nächste Miete, die Versetzung in die nächste Klasse oder seine berufliche Zukunft machen muss, hat genug materielle und intellektuelle Ressourcen übrig, um für Klimaschutz zu demonstrieren – alle anderen haben eben andere Sorgen“, sagte er mal. Er erfuhr das in den Slums von Manila, als er auf den Philippinen ein Auslandssemester machte.

Am Wahltag will Köhler mit seinem Sohn Lego bauen. Wenn alles gut läuft, kann er im Herbst seinen Schlüssel bei dem Menschen mit der Schreibmaschine abholen. Faxen hat er mittlerweile drauf.

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