“Vermieter mit Herz gesucht“

Lustig: So machen Münchner Mietaktivisten auf Probleme aufmerksam

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„Miethaie zu Fischstäbchen“, lautete Julian A.s Motto bei einer Aktion am Hans-Mielich-Platz in Untergiesing.
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Mietaktivist Julian A. wirbt für bezahlbaren Wohnraum.
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Das Haus an der Robert-Koch-Straße 11 steht leer und droht zu verfallen – das prangern die Mietaktivisten an.
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Solche Vogelhäuschen hängten die Mietaktivisten auf.

Der Wohnraum in München ist knapp. Deshalb gibt es verschiedene Aktivisten, die den Mietmarkt ein wenig besser machen wollen. So auch Julian A. von der Aktionsgruppe Untergiesing.

München - „Mieter sind nicht vogelfrei“ steht an einem pinken Vogelhäuschen, das hoch oben an einem Straßenschild hängt. Auf die Türe ist ein Herz gemalt, darunter die Botschaft: „Vermieter mit Herz gesucht“. Mehr als zehn solcher Vogelhäuschen hängen seit ein paar Wochen in Untergiesing. Wer da auf eine so niedliche Art den Münchner Mietmarkt ein wenig besser machen will? Es sind Mietaktivisten der Aktionsgruppe Untergiesing. Sie haben die Häuschen zusammengezimmert, bemalt und aufgehängt.

Einer von ihnen ist Julian A. (30), Verwaltungsfachangestellter. Er lebt seit fünf Jahren in Untergiesing und will „ein Positivbeispiel darstellen, in dem Sinne: Hey Leute, seht ihr, jeder kann etwas machen“, sagt er. Rund 50 Mitglieder hat die „Aktionsgruppe Untergiesing“ – für Julian ist das noch viel zu wenig, schließlich leben in dem Stadtbezirk über 50.000 Menschen. Am liebsten würde die Aktionsgruppe alle aufrütteln. „Wir müssen doch etwas tun. Jeder kennt mindestens einen Münchner, der ein Problem mit dem Wohnen in dieser Stadt hat – wenn wir uns zusammentun, können wir die Gesellschaft beeinflussen, zumindest ein wenig“, sagt der 30-Jährige.

„Bekommen viel positive Resonanz“

Voraussetzung dafür, dass jeder sich einbringt, ist für Julian, dass die Leute mit offenen Augen durch ihr Viertel laufen. „Deshalb haben wir die Vogelhäuschen aufgehängt, die Leute sollen ihr Viertel entdecken“, erklärt Julian. Dass ein paar Spatzen inzwischen in den Häuschen brüten, ist für die Aktionsgruppe ein erfreulicher Nebeneffekt – denn auch die Spatzen finden immer weniger Nistplätze, weshalb ihr Bestand zurückgeht. „Wir bekommen viel positive Resonanz auf die Vogelhäuschen.“

Wenn es nach ihm ginge, dann sähe Politikmachen viel öfter so aus, dass witzige Aktionen stattfinden und alle einbezogen werden. „Die Menschen, die hier leben, sollen mitreden und sich einbringen“, findet Julian. Deshalb lädt die Aktionsgruppe Untergiesing am Dienstag, 20. Juni, um 20 Uhr zu einer Infoveranstaltung in den Biergarten der Naturfreunde (Zentralländstraße 16) ein. Zuvor machen die Untergiesinger Mietaktivisten Umfragen, wollen von Passanten, Nachbarn und ansässigen Geschäftsleuten wissen: „Was würdest du dir in deinem Viertel wünschen? Was würdest du verändern?“ 

Die Antworten schreiben sie auf Plakate. „Da sind tolle Ideen dabei“, sagt Julian und erzählt, dass auch Mitglieder des Bezirksausschusses von der letzten ähnlichen Aktion begeistert waren. „Einer sagte mir, dass wir ja eigentlich die Arbeit der Politiker machen, weil wir aktiv auf die Leute zugehen und sie nach ihren Gestaltungswünschen fragen. Er gab zu, dass die Politik leider zu oft über die Köpfe der Menschen hinweg entscheidet und dass an sich der Bezirksausschuss selbst aktiv auf die Bewohner des Viertels zugehen müsste.“

Zeichen gegen Gentrifizierung

In München gibt es unterschiedliche Initiativen, die ähnlich wie die Aktionsgruppe Untergiesing etwas verändern wollen – zum Beispiel das Bündnis Bezahlbares Wohnen, El Caracol und die Satiregruppe Goldgrund. Gemeinsam haben diese überparteilichen Zusammenschlüsse engagierter Münchner, dass sie ein Zeichen setzen wollen gegen die Gentrifizierung. „Wir wollen nicht länger tatenlos hinnehmen, dass maßlose Profitgier gepaart mit Mietwucher und Luxussanierungen unser existenzielles Recht auf bezahlbares Wohnen bedrohen“, schreibt die Aktionsgruppe Untergiesing auf einem Flyer.

Straßenfeste, Demos, Unterschriftenaktionen, Proteste gegen Leerstand und eine Initiative, die erreichen will, dass die Untergiesinger mitreden dürfen bei der Neubebauung des Osram-Geländes sind die wichtigsten Vorhaben.

Und die Giesinger Mietaktivisten haben einen Traum: Sie suchen ein Haus, das sie zusammen kaufen, renovieren und dann bewohnen können. „Es müssen natürlich Leute sein, die sich dauerhaft einbringen“, sagt Julian. Jeder solle mitzahlen, wie viel er eben kann. „Wenn es ums Wohnen geht, dann geht es um den Menschen an sich, um eines seiner wichtigsten Grundbedürfnisse.“

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