Luxus-Neubauten: Der nächste Aufstand

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Dr. Willibald Karl dokumentiert die Geschichte der Kutscherhäuser in der Birkenau.

München - Widerstand gegen Luxusbauten: Jetzt kämpft Giesing gegen den Abriss historischer Kutscherhäuser.

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Es ist eine Welle, die durch die ganze Innenstadt schwappt – Luxusbauten verdängen immer mehr die angestammte Bevölkerung. Doch nicht nur an der Münchner Freiheit, wo eine Bürgerinitiative den Abriss der Schwabinger 7 stoppen will, regt sich Widerstand: So gibt es Anwohner-Aktionen gegen die Neubebauung des Rodenstock-Geländes im Dreimühlenviertel sowie gegen Luxussanierungen in der Türkenstraße und auf der Schwanthaler Höhe.

In Untergiesing kämpfen eine Bürgerinitiative und eine Aktionsgruppe gegen den geplanten Abriss zweier kleiner Kutscherhäuser aus dem 19. Jahrhundert, die einem großen Wohnblock weichen sollen. „Der Trend zum Luxuswohnen ist auch bei uns in Untergiesing angekommen“, klagt Max Heisler von der Aktionsgruppe Untergiesing. Als erstes Opfer nennt er die Burg Pilgersheim, ein Kult-Lokal in der Pilgersheimer Straße. Das ganze Haus wurde 2009 verkauft, die bei der Nachbarschaft beliebte Kneipe musste raus, das historische Haus wird aufwändig umgebaut, es werden Balkone angebaut. Als nächstes Beispiel nennt Heisler das Hans-Mielich-Carrée – ein Wohnblock am Candidplatz von 1955, der 2009 an die Grünwalder Rock Capital verkauft wurde – den 240 Parteien flatterten bald Mieterhöhungen über 20 Prozent ins Haus.

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Jetzt der geplante Neubau in der Giesinger Birkenau: „Es ist zum Heulen, hier sollen die Häuser verschwinden, die an das Leben der einfachen Menschen erinnern“, so Stefan Burger von der Bürgerinitiative Rettet die Birkenau. Der Giesinger Stadteilhistoriker Dr. Willibald Karl erklärt: „Die Bir­ken­au war das Viertel der Kutscher, die hier auch ihre Pferde hielten, bevor sie in den 30er-Jahren auf Taxis umstiegen.“ Die Bürgerinitiative sammelte 1250 Unterschriften für den Erhalt und überreichte sie im November 2010 Bürgermeister Hep Monatzeder, der versprach, sich für die Kutscherhäuser einzusetzen.

Am Sonntag steigt am Hans-Mielich-Platz ab 13 Uhr ein Protest-Straßenfest mit Demonstration durchs Viertel. Die Giesinger Aktvisten beteiligen sich auch an der Demo der Aktion „Rettet die Münchner Freiheit“ am Freitag um 18 Uhr am Geschwister-Scholl-Platz. Was den geplanten Abriss der Schwabinger 7 betrifft, reichten gestern die Stadtrats-Grünen einen Antrag ein: Sie verlangen Auskunft über den Vorbescheid für den Investor, der nach Informationen der Grünen ohne die notwendige Zustimmung der Nachbarn erteilt worden sei. Auch ein Bebauungsplan soll geprüft werden.

J. Welte

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