Luxus-Tony: Abzocke mit Traumautos

Tony I. köderte mit seinen ­Rabatten auch prominente Käufer

München - Nach acht Monaten Ermittlungsarbeit hat die Staatsanwaltschaft die Anklage gegen Luxus-Tony formuliert – demnach hat der Autohändler hunderte Kunden betrogen.

Er war der Mann, der Autoträume wahr werden ließ: Dank Tony I. (39) konnte sich sogar Otto Normalverbraucher mal eine Luxuskarosse leisten.

Der fleißige Händler aus dem Kreis Fürstenfeldbruck bot seine Edel-Fahrzeuge mit bis zu 30 Prozent Rabatt an. Jahrelang standen die Kunden deshalb Schlange bei ihm – darunter auch etliche Promis der Münchner Schickeria und sogar ein Staatsanwalt.

Doch im August 2011 beendete die Polizei die Schnäppchenjagd. Seitdem sitzt Tony I. in Stadelheim. Und es sieht so aus, als ob sein Aufenthalt dort noch etwas verlängert werden könnte. Denn nach acht Monaten Ermittlungsarbeit hat die Staatsanwaltschaft nun die Anklage formuliert – demnach hat Luxus-Tony hunderte Kunden betrogen. Schaden: mindestens 40 Millionen Euro!

Die Ermittler gehen von Betrug in 657 Fällen (!) aus. Dabei geht es nicht nur um den Verkauf von Porsches und Ferraris, sondern auch um Darlehensgeschäfte. Denn Tony I. bot seinen Kunden auch Anlagen mit einer monatlichen Verzinsung von 7,5 Prozent an. Mindestens 13 Millionen Euro flossen so auf seine Konten. Immerhin: sieben Millionen zahlte er (als Zinsen) zurück. Jahrelang bediente Tony I. auch seine Autokunden zuverlässig. Einzige Bedingung für die Superrabatte: Vorauskasse.

Ein solcher Flügeltür-Mercedes SLS stand auch auf der Verkaufsliste des Olchinger Händlers

Tausende kamen so günstig zu einem Nobelwagen – doch über 500 Käufer hatten Pech: Sie hatten bei der Verhaftung von Luxus-Tony schon bezahlt – und können nun bis zum Sanktnimmerleinstag auf ihren Wagen warten. Für viele wurde das Traumauto so zum Alptraum. Ein Anwalt berichtete der tz, dass sein Mandat sein ganzes Leben lang gespart habe. Als er von den günstigen Konditionen bei Tony I. hörte, schien sein Wunsch-Porsche endlich Realität zu werden… „Jetzt ist sein ganzes Vermögen weg. “ Hart trifft es auch einige Händler, die bei Tony I. im großen Stil geordert hatten – sie stehen vor der Insolvenz. Irre: Wie die Ermittlungen ergaben, hat Tony I. seine Luxus-Karossen teurer eingekauft, als er sie dann weiterverkaufte. Warum?

Diese Frage kann auch Oberstaatsanwalt Ken Heidenreich nicht beantworten. Fakt ist: Die Millionen sind weg, spurlos verschwunden – die Hoffnungen vieler Gläubiger, die Staatsanwaltschaft würde bei ihren Ermittlungen auf Millionen-Konten stoßen, erfüllten sich nicht. Ein Betroffener kann das immer noch nicht glauben: „So blöd“, meinte er zur tz, „dass er nichts auf die Seite gelegt hat, kann Tony I. doch nicht gewesen sein.“

Der Prozess gegen Tony I. wurde auf zehn Tage angesetzt. Über 100 Zeugen wurden benannt. Der Termin ist aber noch offen.

WdP

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