Luxusklo: 1 x Bieseln kostet die Stadt 10 Euro

Dieses Klo-Iglu steht am Bahnhof in Kirchseeon. Die Gemeinde hat nicht viel Freude damit, die Kunden auch nicht. Im Moment lässt es sich nicht schließen. Foto: sro

Kirchseeon - Ärgernis öffentliche Toiletten am Bahnhof: Während es in der Kreisstadt Ebersberg gar keine gibt, hat Kirchseeon ein „Luxusproblem“. Denn dort kostet einmal Bieseln satte zehn Euro.

„Da zahlst ein Fünfzgerl und kosten tut es eigentlich zehn Euro.“ So teuer ist nach den Worten von Bürgermeister Udo Ockel, am Kirchseeoner Bahnhof seine Notdurft zu verrichten. Jetzt soll nach Alternativen Ausschau gehalten werden. Denn der Vertrag mit der Bahn AG läuft bald aus.

Dass das Thema nicht nur ein finanziell sensibles, sondern auch ein sehr menschliches ist, ließ der Verwaltungschef gleich zu Beginn der Diskussion im Rund der Gemeinderäte durchblicken. Ockel erinnerte nämlich an die hohen Wellen, die in der Kreisstadt die immer noch nicht vorhandene Bahnhofstoilette schlägt. Zwar sei das „Klo-Iglu“, das am Kirchseeoner Bahnhof seit der Umgestaltung des Bahnhofvorplatzes in den Jahren 1999 und 2000 steht, eine wichtige Einrichtung. Doch verursache es „vergleichsweise immense Kosten“, sagte der Rathauschef. Und die Gemeindeverwaltung hatte für die anstehende Entscheidungsfindung eruiert, dass „das Verhältnis der jährlichen Einnahmen zu den Ausgaben für die Wartung 1 zu 20 beträgt, wobei sich die Ausgaben im fünfstelligen Bereich bewegen“. Durchschnittlich nutzten vier Personen pro Tag die öffentliche Toilette.

Schon bei den Haushaltsberatungen war die WC-Anlage unangenehm aufgefallen, weshalb Ockel den Vertrag mit der Bahn AG schon vorsorglich gekündigt hat. „Um Spielraum zu haben“, wie er erläuterte. „Unser Trachten ist aber schon, dass wir weiter ein WC dort haben werden, aber eben billiger“, gab der Bürgermeister die Strategie vor. Wobei er sich auch auf den gemeindlichen Behindertenbeauftragten Bernhard Hoiß berief. Der habe eine öffentliche Toilette im Ortszentrum schlicht als Muss bezeichnet.

CSU-Fraktionssprecherin Barbara Burgmayr unterstützte Ockels die Strategie. Demnach verhandelt der Rathauschef nun mit der Bahn AG, aber eben nicht nach dem Prinzip „Koste es, was es wolle“, so Burgmayr, sondern lässt seine Verwaltung auch nach Alternativen suchen: Etwa dass die Bahn AG der Gemeinde ein Stück Grund zur Verfügung stellt und diese dann eine Toilette baut und betreut. Oder aber man kommt über einen Privatmann an eine geeignete Fläche. „Im Marktplatzbereich gibt es Eckerl, wo ein WC möglich wäre“, gewährte der Rathauschef Einblick in seine bereits getätigten Vorrecherchen.

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