Katzenquäler-Prozess: Mildes Urteil

Katzenquäler braucht Geleitschutz.

München - Er hat eine Katze so lange gequält, bis sie tot war. Das Gericht hat einen 74-jährigen Rentner aus München nun verurteilt.

Der blanke Hass von Tierschützern schlug Ernst K. auch am zweiten Prozesstag entgegen. Rufe wie „Hängt ihn auf!“ wurden laut, als der 74-Jährige im Schutz von Justizbeamten den Saal betrat. Der Mann, der Kater Rocco bestialisch zu Tode gequält hatte, kam am Donnerstag mit einer Strafe von zehn Monaten auf Bewährung davon. Strafmildernd wertete das Gericht nämlich, dass der Angeklagte ständigen Attacken und Morddrohungen ausgesetzt ist.

Ernst K. hat gestanden, den schwarzen Kater auf seinem Grundstück in Moosach mit Trockenfutter in einen Marderkäfig gelockt zu haben. Am Heiligen Abend 2010 steckte er das wehrlose Tier in eine Tonne und spritzte mit einem Gartenschlauch Wasser hinein. „Die Katze schrie wie ein kleines Kind“, erinnerte sich ein geschockter Nachbar. „Hören Sie auf, das ist ja grauenhaft“, flehte Nachbarin Erika S. (71) den Tierquäler an. Doch das hielt den Sadisten von seinem weiteren Tun nicht ab. Ernst K. vollendete sein tödliches Werk.

Ungerührt sagte er vor Gericht: „Ich hab’s ersäuft.“ Der Katzenhasser fand nichts Besonderes dabei, schließlich hätten Katzen die Vögel in seinem Garten gefressen. Das tote Tier hatte Ernst K. vor der Polizei zu verstecken versucht. Eine Tierärztin stellte später fest, dass sich Rocco im Todeskampf noch mehrere Krallen am Käfig abgerissen hatte.

Am Dienstag kam Roccos Besitzer, Andreas Ö., zu Wort. Er hatte das Tier schon seit dem 13. Dezember vermisst. „Ich habe in der Nachbarschaft Flugblätter verteilt“, berichtete er. So lernte er auch Ernst K. kennen, der scheinheilig behauptet hatte, er wisse nicht, wo sich Rocco befinde. Dabei hatte der Angeklagte das Tier wahrscheinlich in seiner Werkstatt eingesperrt. Nachbarn hatten schon länger ein lautes Jammern gehört. Entschuldigt habe sich der Katzenkiller nicht bei ihm, auch am Dienstag blieb Ernst K. stumm.

„Er leidet unter Angst,“ betonte sein Verteidiger Boris Kampf. Ernst K. habe unzählige Briefe mit Morddrohungen erhalten. Kampf zitierte aus einem Brief: „Wenn ich dich erwische, pumpe ich dich mit Wasser voll, bis dein Schädel platzt.“ Darauf klatschen viele aus dem Publikum Beifall.

Oberstaatsanwältin Beate Miksch hatte zunächst ein Jahr Haft ohne Bewährung beantragen wollen. „Er hat planvoll gequält“, sagte sie. Durch die Hetzkampagne sei der Angeklagte aber schon gestraft genug: „Er wird verfolgt in einem Maß, wie es unerträglich ist.“

Richter Gerhard Simon beließ es bei zehn Monaten auf Bewährung. Ernst K. muss zudem dem Tierheim 1500 Euro bezahlen.

Eberhard Unfried

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