Was Sie einkaufen dürfen und was strafbar ist

So machen Urlauber beim Zoll alles richtig

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Oliver Kahn hat seine Ware nicht verzollt und wurde glatt erwischt.

München - Zollbeamte kennen kein Pardon – auch nicht bei Oliver Kahn. Er musste wegen unverzollter Luxus-Klamotten 125.000 Euro Strafe zahlen. Damit Ihnen das nicht passiert, erklärt die tz, was Sie um Urlaub einkaufen dürfen und was strafbar ist.

Als der Torwart- Titan nach der Landung auf dem Münchner Flughafen am Zoll vorbeimarschieren wollte, baten Zollbeamte ihn zur Kontrolle. Im Koffer lagen teure Hemden, eine Lederjacke und andere Luxusklamotten. Spätestens seit dieser Woche weiß Kahn, dass sich seine Shoppingtour in Dubai nicht gelohnt hat. Die Einkäufe im Gesamtwert von knapp 7000 Euro werden ihn am Ende 125.000 Euro kosten. Diese Strafe bekam Kahn jetzt vom Amtsgericht in Landshut aufgebrummt (tz berichtete).

Kleiner Trost für den 41-Jährigen: Dem Fußball-Promi ergeht es nicht anders als Tausenden Otto-Normalverbrauchern. „Allein am Flughafen haben wir im letzten Jahr 1700 Verfahren wegen versuchter Steuerhinterziehung eingeleitet“, berichtet der Münchner Zoll-Sprecher Martin Brandlhuber. Erwischt hat es beispielsweise Fluggäste aus vergleichweise günstigen Einkaufsparadiesen wie Amerika, der Türkei oder Ägypten. Aber Brandlhubers Kollegen kontrollieren nicht nur am Airport, sondern auch auf den Autobahnen rund um die Landeshauptstadt. Gerade zum Ende der Osterferien hin werden viele Urlauber ihre Mitbringsel erklären müssen. Was ist eigentlich erlaubt und welche Strafen drohen bei Verstößen?

Die tz erklärt die Zollbestimmungen:

Einkaufen in EU-Ländern:

Grundsätzlich besteht zwischen allen EU-Ländern ein „freier Warenverkehr“. Das bedeutet konkret: Urlauber können so viele Schuhe aus Italien, Trachten aus Österreich oder Antiquitäten aus Frankreich nach Deutschland karren, wie sie wollen. Ganz anders schaut es aber bei Zigarren und alkoholischen Getränken aus. Bei diesen Genussmitteln gelten „Indikativmengen“, wie es auf Zöllnerdeutsch heißt: maximal 800 Zigaretten, 10 Liter Likör oder Schnaps mit einem Alkoholgehalt von mehr als 22 Prozent, 90 Liter Wein, 110 Liter Bier

Einkaufen in Ländern, die nicht zur Europäischen Union gehören:

Hier müssen sich die Heimkehrer an so genannte Reisefreimengen halten. Wer mit dem Flieger oder auf dem Seeweg die Grenze passiert, darf Waren im Wert von maximal 430 Euro zollfrei mitbringen. Für Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren gilt ein Limit von 175 Euro. Bei Einreise auf dem Landweg, also mit Auto oder Bahn, reduziert sich der Betrag auf 300 Euro (Heranwachsende wie am Flughafen 175 Euro). Unabhängig vom Reiseweg sind 200 Glimmstängel frei, ebenso ein Liter Schnaps (22 Prozent Alkohol oder mehr), vier Liter Wein, 16 Liter Bier.

So viel Zoll müssen Sie bezahlen:

Die Berechnung ist kompliziert und hängt von Herkunft, Art, Menge und Wert der Ware ab. Grundsätzlich wird bis zu einem Wert von 700 Euro eine Abgabe von 17,5% fällig. Vorsicht: Die beschriebenen Reisefreimengen – etwa der Flughafen-Freibetrag von 430 Euro – werden nur angerechnet, wenn die Waren teilbar sind. Ein Computer aus den USA für umgerechnet 500 Euro überschreitet den Freibetrag und muss voll mit 17,5% versteuert werden. Anders bei mehreren Kleidungsstücken: Die Einzelteile werden bis zum Freibetrag addiert, alle weiteren werden pauschal besteuert.

Beispiel: Ein Münchner bringt aus New York Kleidung im Wert von 1000 Euro mit. Dann muss er – abzüglich des Freibetrags von 430 Euro – 570 Euro mit 17,5% versteuern – macht eine Abgabe von 99,75 Euro. Überschreitet der Wert 700 Euro – gegebenenfalls plus Freibetrag –, sind Mehrwertsteuer und Zoll fällig. Der Zollsatz variiert je nach Warengruppe: So beträgt er für Bekleidung 12%, für Sportartikel bis zu 4,7%, für Lederschuhe 8%, für Elektronik 0 bis 14%. Beispiel: Ein Münchner hat sich in den USA Klamotten für 1430 Euro gekauft. Dann muss er nach Abzug des Freibetrags 1000 Euro versteuern. Erst werden 12% Zoll fällig (120 Euro). Dann kommen auf den Gesamtbetrag von1120Eurodie19%Mehrwertsteuer – macht 212,80 Euro und unterm Strich Abgaben von 332,80 Euro.

So müssen Sie zollpflichtige Waren anmelden:

Wer am Flughafen durch einen Ausgang mit einem grünen Zollschild geht, erklärt durch sein Verhalten rechtsverbindlich, dass er seinen Freibetrag nicht überschreitet. Hat ein Reisender etwas zu verzollen, muss er den Ausgang mit rotem Zollschild nehmen.

Diese Strafen drohen Zollsündern:

Wer nach Abzug seines Freibetrags mit Waren im Wert von bis zu 700 Euro erwischt wird, muss nachträglich 17,5 Prozent Zoll sowie eine Geldbuße von weiteren 17,5 Prozent berappen. Befinden sich nach Abzug des Freibetrags Produkte für mehr als 700 Euro im Gepäck, leiten die Zöllner automatisch ein Strafverfahren wegen versuchter Steuerhinterziehung ein. Dieses Vergehen wird in der Regel mit mindestens zehn Tagessätzen bestraft. Dieser richtet sich nach dem Einkommen des Beschuldigten. Um einen angemessenen Wert zu ermitteln, lassen sich die Behörden vom Finanzamt den letzten Steuerbescheid kommen. Im Fall von Oliver Kahn legte das Gericht 50 Tagessätze zu je 2500 Euro fest.

Andreas Beez

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