Aufstand und Ärgereien

Die Machtkämpfe im Münchner Rathaus

München - Im Münchner Rathaus spielen sich Machtkämpfe ab. Es gibt einen Aufstand gegen den SPD-Fraktionschef – und die Bayernpartei ärgert die CSU.

Offener Machtkampf in der SPD! Bei der am Montag anstehenden Wahl für den Fraktionsvorsitz bekommt Amtsinhaber Alexander Reissl (58) überraschend einen Gegenkandidaten! Ein offener Aufstand – oder soll es nur einen Denkzettel für Reissl geben?

Der Sparkassen-Angestellte kam 2008 selbst durch einen Putsch der Fraktion an die Macht, die damals mit dem Führungsstil von Reissls Vorgänger Helmut Schmid (70) unzufrieden war. Doch wie einst Schmid stößt Reissl schon seit langem auf Widerstand in Partei und Fraktion. „Er war ja eigentlich schon vor der letzten Kommunalwahl angezählt, weil er als Grünen-Fresser verschrien war und einen autoritären Führungsstil pflegte“, heißt es aus roten Rathauskreisen. Doch das Wahlergebnis von 2014 und die damit verbundene schwarz-rote Kooperation hätten ihn gerettet. Bei seiner Wiederwahl vor zwei Jahren gab es keinen Gegenkandidaten. Jetzt wirft allerdings der SPD-Haushaltssprechers und amtierende Fraktionsvize Hans Dieter Kaplan (60) seinen Hut in den Ring.

Hans Dieter Kaplan (r.) und Alexander Reissl am Mittwoch im Stadtrat.

Der bestätigt zwar seine Kandidatur, sagt zum Thema aber sonst nichts – wie Reissl. Kaplan hat offenbar einige Unterstützer. Ein Fraktionskollege erklärt: „Die Fraktion hat noch nicht zusammengefunden.“ Es gärt – sowohl was den Führungsstil betrifft, als auch inhaltlich. Stichpunkte: Die Debatte um die in München nach wie vor nicht verlegten Stolpersteine, die Sonntags-Öffnung der Geschäfte am Stadtgründungsfest, der von der Stadtspitze nicht gerade verhinderte Sturz der Sozialreferentin Brigitte Meier (51, SPD), das Sparprogramm bei den städtischen Kliniken sowie das Postengeschacher bei den Wohnungsbaugesellschaften, wo die Stadträte Christian Amlong (SPD) und Max Strasser (CSU) lukrative Chefposten bekommen sollen. „In der jetzigen Krisensituation am Wohnungsmarkt müssen das Kaufmänner erledigen – und keine Juristen“, heißt es in der Münchner SPD. Und dann bekommen die Rathaus-Sozis von ihrem Fraktionschef ständig Kompromisse mit der CSU präsentiert, in denen sie sich kaum wiederkennen. Zudem versteht sich Reissl auch noch blendend mit seinem CSU-Pendant Hans Podiuk (69).

So sah München Anfang der 70er-Jahre aus

München U-Bahn-Bau S-Bahn-Bau 70er Jahre
11 Uhr auf dem Marienplatz ist Zeit fürs Glockenspiel – keine Absperrung, keine Schnur, kein Gitter, kein Zaun trennte die Touristen unter dem Neuen Rathaus von der 30 Meter tiefen Baugrube des U- und S-Bahnhofes. Wie durch ein Wunder ist niemand hineingefallen, obwohl alle eine Viertelstunde lang nur nach oben blickten. © Heinz Gebhardt
München U-Bahn-Bau S-Bahn-Bau 70er Jahre
Die Baustelle auf dem Marienplatz. © Heinz Gebhardt
München U-Bahn-Bau S-Bahn-Bau 70er Jahre
Unter dem Marienplatz, noch ohne Zwischengeschoss: Eine Mega-Halle. © Heinz Gebhardt
München U-Bahn-Bau S-Bahn-Bau 70er Jahre
Ein Blick auf den Marienplatz. Bessergesagt Mariengrube. © Heinz Gebhardt
München U-Bahn-Bau S-Bahn-Bau 70er Jahre
Offene Baugrube von Schwabing zum Odeonsplatz: Die Straßenbahn fuhr auf riesigen Stahlträgern über das U-Bahn-Bauloch von der Münchner Freiheit bis zum Odeonsplatz, Autos durften mal links, mal rechts, mal gar nicht dahinschleichen und Fußgänger suchten sich selbst irgendeinen Wanderweg durch das Baumaschinenparadies. © Heinz Gebhardt
München U-Bahn-Bau S-Bahn-Bau 70er Jahre
Ohne Promis und Medienspektakel, dafür mit 1500 Dackeln und lustigen Münchnern feierte Oberbürgermeister Hans-Jochen Vogel das Ende der Baugrubenzeit und die Eröffnung der Fußgängerzone. © Heinz Gebhardt
München U-Bahn-Bau S-Bahn-Bau 70er Jahre
Das erste moderne Hochhaus Münchens steht längst unter Denkmalschutz: 1974 begann der Bau des 113 Meter hohen Hypo-Towers. Ein Höhepunkt! © Heinz Gebhardt
München U-Bahn-Bau S-Bahn-Bau 70er Jahre
Pünktlich zu Olympia wurde der 99,5 Meter hohe BMW-Vierzylinder fertiggestellt – hier ein Foto aus der Bauzeit. Während der Spiele musste er auf seinen Namen verzichten: Das BMW-Logo wurde abmontiert, weil die Olympiaveranstalter keine kostenlose Werbung duldeten … © Heinz Gebhardt
München U-Bahn-Bau S-Bahn-Bau 70er Jahre
Das kurioseste Bauwunder um 1970 war die Stachusbrücke, eine gewaltige Holzbrücke von der Bayerstraße zum Karlstor. Sie war der einzige Weg, um von einer Seite auf die andere zu kommen – und das zudem nur für Menschen, die gut zu Fuß waren. Für ältere Menschen, Behinderte und Kinderwagen: keine Chance! Bei Schneefall gesperrt, schlitterten und purzelten im Winter trotzdem alle hinüber und herunter. © Heinz Gebhardt
München U-Bahn-Bau S-Bahn-Bau 70er Jahre
Entweder ­wurden Absperrungen ignoriert und man schlüpfte durch jede sich bietende Baulücke, oder man setzte vorsichtshalber doch mal einen Bauhelm auf und spazierte einfach durch die Betonröhren. Die Münchner wussten sich halt zu helfen … © Heinz Gebhardt
München U-Bahn-Bau S-Bahn-Bau 70er Jahre
Auf dem ehemaligen Flughafen Oberwiesenfeld entstanden Olympiastadion und Olympiahalle. © Heinz Gebhardt
München U-Bahn-Bau S-Bahn-Bau 70er Jahre
Die Schuttberge drumherum mit den Trümmern des Zweiten Weltkriegs wurden begrünt und zum Erholungsgebiet Olympiapark. © Heinz Gebhardt

Genügend Konfliktstoff also. Ob es aber am Montag tatsächlich zu Reissls Abwahl kommt? Der SPD-Insider: „Es geht eher um einen Denkzettel für Reissl, aber wenn ihm den zu viele verabreichen wollen, ist er weg.“

Streit um neue Posten

Schmid und Podiuk haben Caim und Schmidbauer den Wechsel noch nicht verziehen.

Die Bürgerliche Mitte ist stinkig. Nach den Parteiwechseln stellt die Fraktion aus Bayernpartei und Freien Wählern mit sechs Sitzen nun die zweitgrößte Oppositions-Gruppe. Das bedeutet: zwei neue Sitze in den Ausschüssen. Die Posten in Aufsichtsräten sollen allerdings unverändert bleiben. Sagt der Stadtrat.

„Der Wunsch nach mehr Posten ist krachend gescheitert“, sagte CSU-Fraktionschef Hans Podiuk – nicht ganz unamüsiert. Schließlich hatten mit Eva Caim und Mario Schmidbauer zwei CSUler die Fraktion verlassen. Die Bayernpartei besteht aber auf eine Neuvergabe. Notfalls will man vor Gericht.

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

Auch interessant

Meistgelesen

Bosnier rechnet nicht damit, dass Polizist Kroatisch spricht - mit bösen Folgen
Bosnier rechnet nicht damit, dass Polizist Kroatisch spricht - mit bösen Folgen
Nach Zara-Skandal in München: Wie geht es den Mitarbeitern bei Primark?
Nach Zara-Skandal in München: Wie geht es den Mitarbeitern bei Primark?
Gefährliche Backwaren! IHLE-Bäcker warnt Kunden im Großraum München und Augsburg
Gefährliche Backwaren! IHLE-Bäcker warnt Kunden im Großraum München und Augsburg
Randale am Monopteros: So wurde dieser Feuerwehrmann von den Chaoten angegriffen
Randale am Monopteros: So wurde dieser Feuerwehrmann von den Chaoten angegriffen

Kommentare