Mädchen grundlos in der S-Bahn geschlagen

München - Ohne ersichtlichen Grund hat ein Mann am Freitagmittag in der S-Bahn auf zwei Mädchen eingeprügelt. Die Fahrgäste reagierten vorbildlich: Zwei Männer überwältigten den Täter, Frauen kümmerten sich um die Opfer und riefen die Polizei.

Für die beiden 15 und 17 Jahre alten Mädchen, die gegen 12 Uhr mit der S 2 in die Innenstadt fuhren, kam der Angriff völlig überraschend: Der Zug war gerade am Bahnhof Donnersbergerbrücke gestartet, da trat plötzlich ein 24-jähriger Inder auf sie zu und schlug auf sie ein. Die Hiebe trafen sie im Gesicht und am Kopf.

Was dann folgte, ist für Berti Habelt von der Bundespolizei ein Musterbeispiel jener Zivilcourage, die seit dem Tod von Dominik Brunner so oft beschworen wurde: Von den Angst- und Schmerzensschreien der Mädchen alarmiert, sprangen zwei Männer auf und überwältigten den Schläger. Zwei Frauen kümmerten sich um die geschockten Mädchen und brachten sie am Halt Hackerbrücke nach vorn zum Lokführer. Weitere Fahrgäste hatten unterdessen per Handy die Polizei und mit dem Zug-Notruf den Lokführer alarmiert. Der rief seinerseits per Zugfunk die Einsatzkräfte und verriegelte die Türen wieder, so dass der Inder nicht entkommen konnte.

Angesichts der körperlichen Überlegenheit der beiden mutigen Helfer, so Habelt, habe der 24-jährige Dachauer ohnehin schnell eingesehen, „dass für ihn jetzt Pause ist“. Erst als die Bundespolizei eintraf, wurde der Täter wieder aggressiv. Er widersetzte sich laut Einsatzbericht der Festnahme so heftig, dass die Beamten ihn schließlich gefesselt aus dem Zug zerren mussten. Über die Motive der Attacke schwieg sich der 24-Jährige aus. Nach Rücksprache mit der Staatsanwaltschaft wurde er wieder entlassen. Nun kommt eine Anzeige wegen Körperverletzung auf ihn zu. Der Sachverhalt ist laut Habelt dank etlicher Zeugenaussagen hervorragend dokumentiert.

„Die Mädchen waren sehr aufgelöst“, berichtet Habelt. „In so einer Situation holt man möglichst schnell die Eltern dazu.“ In deren Beisein machten die beiden Opfer schließlich auf der Inspektion ihre Aussagen. Anschließend gingen sie dem Bericht der Bundespolizei zufolge zum Arzt, weil sie Kopfschmerzen hatten.

Weil der Zug während des Polizeieinsatzes rund 25 Minuten lang an der Hackerbrücke stand und das Gleis blockierte, kam es zu Verspätungen im S-Bahnverkehr.

Auch wenn der Vorfall an sich sehr zu bedauern sei, ist Habelt begeistert vom Verhalten der Fahrgäste. „Die haben alles richtig gemacht. Das ist optimal gelaufen“, lobte er. Die schnelle Reaktion der beiden Männer habe die Mädchen womöglich vor ernsteren Verletzungen bewahrt. Auch dass sich andere Fahrgäste der Opfer annahmen und sie aus dem Wagen brachten, weg von dem Täter, sei vorbildlich gewesen. Dass schließlich mehrere Zeugen Polizei und Zugführer alarmierten, habe dazu beigetragen, dass der Täter festgenommen wurde und nun vor Gericht gestellt werden kann.

Einen Notruf abzusetzen, sei immer richtig, so Habelt – egal, wie viele andere schon angerufen haben mögen. „Man kann nicht zu oft alarmieren. Nur einmal zu wenig.“

Peter T. Schmidt

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