Mängel an Münchner Spielplätzen

München -Abstehende Spitzen am Spielgerät, gefährliche Engstellen: Trotz Beanstandungen des TÜV Rheinland sieht die Stadt München keinen Handlungsbedarf bei den betroffenen Spielplätzen.

Auf Deutschlands Spielplätzen lauern zum Teil erhebliche Gefahren. Bei drei Viertel der 50 untersuchten Plätze in zehn Großstädten entdeckte der TÜV Rheinland Mängel. Etwas mehr als die Hälfte der Plätze wies sogar derart schwere Missstände auf, dass die Prüfer akuten Handlungsbedarf sahen. In München war nur einer der fünf nach dem Zufallsprinzip überprüften Plätze mangelfrei. Auf einem Münchner Spielplatz stach den Prüfern eine Spielhütte ins Auge, die gefährliche Fangstellen aufwies – also Zwischenräume, in denen Kinder mit Kopf, Händen oder Fingern hängenbleiben können. Hier bestehe „sofortiger Handlungsbedarf“, erklärte ein Sprecher des TÜV Rheinland.

Lockere Pfloste, abstehende Spitzen

Auf drei weiteren Spielplätzen fanden die Tester unter anderem lockere Pfosten und abstehende Spitzen, an denen sich spielende Kinder verletzen können. Und: Spielgeräte boten keinen ausreichenden Fallschutz, weil etwa Sand vor der Rutsche fehlte oder die Gummimatten unter Klettergerüsten abgewetzt waren. Um welche Spielplätze es sich genau handelt, gibt der TÜV Rheinland, anders als beim letzten Test vor drei Jahren, bei der aktuellen Studie nicht bekannt. „Es geht nicht darum, einzelne Kommunen an den Pranger zu stellen“, betonte der TÜV-Sprecher. Die Testergebnisse habe man an die Stadtverwaltungen weitergeleitet – und sei „überall auf positive Resonanz“ gestoßen. Überhaupt habe der mittlerweile dritte bundesweite Spielplatz-Test gezeigt, dass die Kommunen bei dem Thema „sehr aktiv und bemüht seien“, wie der Sprecher erklärte. Schlimme Mängel, wie etwa durchgefaulte Holzträger oder verrostete Metallgerüste, die jederzeit zusammenbrechen können, hätten die Prüfer dieses Mal nicht entdeckt. Eine Anlage zu schließen fordern die TÜV-Sachverständigen nur dann, wenn akute Gefahr droht, etwa, weil Geräte umzustürzen drohen.

Baureferat sieht keinen Handlungsbedarf

Das städtische Baureferat sieht aufgrund der Testergebnisse keinen Handlungsbedarf. Bei den überprüften Spielplätzen handle es sich um jene am Milbertshofener Platz, im Hypopark in Haidhausen, an der Weyprechtstraße im Harthof, an der Geroltstraße im Westend sowie am Wörnbrunner Platz in Harlaching, hieß es am Donnerstag. Die beanstandeten Plätze seien im Dezember 2011 „umgehend überprüft“ worden. Anschließend sei eine weitere Kontrolle durch Fachleute des TÜV Süd und des Baureferats erfolgt. Bei allen benannten Spielplätzen habe aus Sicht des TÜV Süd „kein Gefährdungspotential und damit kein Handlungsbedarf“ bestanden, erklärte ein Behördensprecher.

TÜV Rheinland und TÜV Süd

Nach dem letzten Test im Jahr 2009 hatte es ebenfalls Wirbel um die Ergebnisse des TÜV Rheinland gegeben. Auch damals hatte eine erneute Kontrolle der fünf in der Studie überprüften Spielplätze durch den TÜV Süd ergeben, dass auf keinem der Plätze ein erhebliches Verletzungsrisiko bestand. Der Sprecher des TÜV Rheinland allerdings beharrte am Donnerstag auf der Expertise der Prüfer aus Nordrhein-Westfalen: „Wir sind immerhin der größte Spielplatztester Deutschlands“, sagte er. Das Baureferat, das zuletzt für 655 städtische Spielplatz- Anlagen zuständig war, wies darauf hin, dass „seit Jahren kein Unfall aufgrund von Gefährdungspunkten bekannt geworden“ sei. Dies liege am „hohen Qualitätsstandard und dem engmaschigen Kontrollsystem des Baureferats“. Das Referat kontrolliert allerdings nur öffentliche Anlagen. Bei privaten Spielplätzen, etwa in Wohnanlagen, muss der Vermieter oder die Eigentümergemeinschaft die Geräte regelmäßig auf ihre Sicherheit hin kontrollieren lassen. Die Pflicht kann an einen Verwalter übertragen werden, selbst dann muss der Vermieter oder die Eigentümergemeinschaft aber stichprobenartig überprüfen, ob der Verwalter diese Aufgabe auch erfüllt. Tun sie dies nicht, können sie bei Unfällen haftbar gemacht werden.

Worauf Eltern achten sollten

Faulige Holzteile, Glasscherben im Sand: Solche Dinge können Kindern auf dem Spielplatz gefährlich werden. Eltern sollten die Geräte und das Gelände daher gründlich begutachten, bevor sie ihren Nachwuchs dort spielen lassen. Einige Mängel sind dabei ganz offensichtlich zu erkennen: „Vandalismus ist leicht sichtbar, zum Beispiel wenn die Mülleimer abgerissen sind“, erklärt Ralf Diekmann, Sprecher des TÜV Rheinland.

Warnsignale seien auch rostige Spielgeräte oder herausstehende Schrauben oder Nägel. Erwachsene sollten aber nicht nur den Geräten einen prüfenden Blick schenken, sondern auch dem Boden. Ragen dort Steine heraus oder machen die Beläge einen abgenutzten Eindruck, ist Vorsicht geboten. In jedem Fall sollten Eltern oder Begleitpersonen Kinder nicht sich selbst überlassen. „Wenn Sie auf den Spielplatz kommen, lassen Sie erst einmal den Blick schweifen. Danach sollte man die Kinder zu den einzelnen Geräten begleiten. Das ist gut investierte Zeit“, rät Diekmann. Vor allem bei neuen Spielplätzen oder im Urlaub sollten Eltern aufmerksam sein. Bei allen entdeckten Schäden sollten Eltern den Betreiber des Spielplatzes informieren. In die Regel befindet sich am Eingang ein Schild mit dessen Telefonnummer. Ist dies nicht der Fall, sollte man sich an die Stadtverwaltung wenden.

Rubriklistenbild: © dapd

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