10. RischArt-Projekt

Magenfreundliche Kunst in der Innenstadt

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Ein Kristallleuchter aus Salzstreuern vor dem Bayerischen Hof

Kunst im öffentlichen Raum hat ja den Vorteil, dass sie einfach so da ist. Man läuft also etwa durch die Stadt vom Bekleidungsgeschäft zum Bäcker, und – hoppla – stolpert man über Kunst.

Wir stellen Ihnen hier „achthundertfünfzig“ vor, das RischArt-Projekt zum Stadtgeburtstag. Der Beitrag des Kunst-Bäckers, sozusagen. Thema: München und Essen. Eine Auswahl:Viktualienmarkt: Sein Werk dürfte Johannes Muggenthaler nicht nur Freunde machen. Er hat auf zwei der – wenn heiß – heiß begehrten Bänke nebst Tisch im Biergarten Schnee gelegt – zwar aus Holz, aber weiß bemalt. Nur besonders Mutige oder Durstige dürften sich da wohl draufsetzen (Psst: Es hält.). „Oft findet man in Zeitungen das Foto eines eingeschneiten Biergartens“, meint Muggenthaler.Petersberglterrasse: Eine köstliche Installation vorwiegend aus Buttercreme hat Sonja Alhäuser geschaffen: In einem mit Fenster versehenen Kühlschrank sieht man barocke Motive von Lust, Leben und Tod. Das Ganze erinnert stilecht an eine künstlich angelegte Grotte. Macht Appetit. Die „Kunstreste“ werden Ende Juli in einer Biogas-Anlage entsorgt. Wer will, kann darin was Zyklisches von Entstehen und Vergehen sehen. Der Rest grämt sich ob der Buttercreme.

Skurrile Schnitzeljagd durch München

Entlegene Orte, Erlesene Speisen: 10 Kunstwerke zum Thema Essen hat die diesjährige Projektleitung von Risch_Art in der Innenstadt verstreut. Wer sie findet, wird mit einer Seite von München bekannt gemacht, von der er sonst nie etwas geahnt hätte. Die Abenteuer-Reise mit Uwe Niederdräing

Alix Stadtbäumers drei Meter hohe „Himmelsleiter“ vorm Dom spielt auf ein historisches Ereignis an: Im 15. Jahrhundert wurden die Bürger aufgerufen, Wertgegenstände für den Bau des Doms zu spenden – als „Zuckerl“ erhielten sie einen Ablass ihrer Sünden, um dem Himmel ein Stück näher zu kommen. Die Wolken sind aus Gummi – zur Sicherheit, falls ein Gaudibursch meint, er müsse dem Herrgott ein Stückchen näher kraxeln.

Das „Prunksalz“ ist ein Leuchter auf dem Promenadeplatz, der aus 1061 Salzstreuern besteht – wegen dieses kostbaren Gewürzes ist ja München erst entstanden. Magie entfaltet das Werk von Alfred Kurz im Dunkeln. Anschauen! Sie müssen ja nicht gleich ein Zimmer im Bayerischen Hof mieten.

Der „Guitar Man“ von Pia Stadtbäumer empfängt uns im Alten Hof: eine Bronzeplastik, die einen Lautenisten darstellt (allerdings ohne Laute. Wir haben ja schließlich Fantasie). Hintergrund: Ein Lautenist begleitete etwaige Gelage am Hof.

„Neues Feld“ behandelt das kritische Thema Gentechnik im Weizenfeld (seit 2002 erlaubt): M+M haben auf der Insel des Deutschen Museums (Zugang übers Museum, der Weg ist abenteuerlich!) ein Häuschen gebaut, das mit Sound ausgestattet ist – dem Wind und dem Vogelgesang eines genmanipulierten Weizenfeldes. Schaurig schön.Bis 31. Juli. Alle Termine (u. a. Lesungen mit dem Schauspieler Michael Fitz) unter Tel. 76 77 38 24 oder www.rischart.de

Matthias Bieber

Quelle: tz

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