Magie auf Karten - das "neue Poker"?

"Magic" - darum spiele ich das beste Spiel der Welt

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Das Artwork von Magic-Karten wird von professionellen Künstlern gestaltet.

München - Früher zockten es Nerds, jetzt lehren es Schulen, und Hollywood bringt es ins Kino: Warum "Magic" das beliebteste Kartenspiel der Welt ist - und was es mit Schafkopf zu tun hat:

Warum bin ich hier? Hier, zwischen knapp 1.500 schwitzenden Männern im Kongresszentrum von Prag, nach fünf Stunden Busfahrt? Ich bin hier, um genau das zu tun, was mir (fast) das Liebste ist auf der Welt: Magic zu spielen.

Wie Dutzende andere Münchner opfere ich nur zu gerne mein Wochenende, um beim Grand Prix von Prag drei Tage lang das beliebteste Sammelkartenspiel der Welt zu zocken. Dass ich bei meinem ersten großen Turnier am Ende nicht mit dem Siegerpreisgeld von 4.000 Euro nach Hause gehe, ist Nebensache.

Irgendwo auf diesem Foto spiele auch ich: Der Magic Grand Prix 2015 in Prag.

 

Okay, stellen wir mal eines richtig. Es sind nicht nur Männer. Auch bei den Mädels wird Magic immer beliebter. Meine Freundin ist das beste Beispiel.

Boom von New York bis München

Magic. "Was ist das überhaupt?", fragt mein Chefredakteur, als ich ihm die Idee nach meiner Prag-Reise näher bringe. Ich schweige. Wie soll man das in einem Satz beschreiben? Das beste Spiel der Welt eben, schießt es mir durch den Kopf.

"Ist Magic das neue Poker?", fragte die New York Post in einem Artikel. Der Zeitung war aufgefallen, dass im Big Apple die Magic-Stores aus dem Boden schießen. Auch in München wächst die Szene. Vor einem Jahr eröffnete an der Münchner Freiheit der zweite Store. Einige Schulen nutzen seine spielerische Komplexität und bieten Magic-Wahlkurse an. In den USA wird es auch für kognitive Verhaltenstherapie eingesetzt. Es gibt sogar bald einen Magic-Kinofilm, produziert von den Machern von Game of Thrones. Das Studio 20th Century Fox plant eine Serie vom Ausmaß von "Herr der Ringe".

Die japanische Version der Magic-Karte "Verfroschen".

 

Magic zu erklären. Das geht eigentlich gar nicht. Magic ist Kult. Es ist eine nie endende Herausforderung. Es ist Mathematik genauso wie Fantasie. Aber der Reihe nach.

Preisgelder bis 50.000 Dollar

Magic ist - der Einordnung halber - ein weltweites Phänomen, das in den letzten Jahren immer rasanter wächst. Spieler - weltweit sollen es zwanzig Millionen sein - pilgern durch Kontinente oder überqueren Ozeane, um an Turnieren teilzunehmen. Die meisten steigen in Nordamerika, Japan und Europa. Auch eine Weltmeisterschaft gibt es: Der Sieger geht mit 50.000 Dollar nach Hause. Genauso wie Magic ein Wettstreit von Profispielern ist, bedeutet es für die allermeisten nicht mehr und nicht weniger, als mit Freunden Spaß zu haben.

Magic-Spieler schauen sich die Magic-WM an.

 

Magic: the Gathering eben, wie der Name schon sagt. Magic: die Zusammenkunft. Typischerweise am Freitag treffen sich Spieler aller Altersschichten in Läden auf der ganzen Welt, so auch in München. Beim bloßen Gedanken daran spüre ich die Vorfreude in mir.

Magic ist eine Kombination aus Schach und Poker. So beschreibt man das Spiel am besten einem Unwissenden, sagt man. Man braucht Strategie ebenso wie die Fähigkeit, sich in seinen Gegenüber hineindenken zu können. Hat mein Gegner diese eine Karte, vor der ich mich fürchte - oder blufft er?

Magic-Spieler bei der "Arbeit".

 

Persönlichkeitsausdruck durch "Decks"

Für mich ist Magic aber viel mehr als Schach oder Poker. Man kann es eigentlich mit keinem anderen Spiel vergleichen - aus dem einfachen Grund, weil ihm kein anderes Spiel gerecht wird. Vielen Bayern hilft vielleicht der Seitenblick auf einem anderes Kartenspiel: Schafkopf. Auch beim beliebtesten Zeitvertreib im Freistaat sind die Kombinationen so vielfältig, dass kein Spiel wie ein anderes läuft. Nur gibt es bei Magic nicht nur 32 verschiedene Karten, sondern knapp 14.000.

Die Rückseite einer jeden Magic-Karte.

 

Und: Man besitzt die Karten, daher auch Sammelkartenspiel. Ob man will oder nicht, man entwickelt eine Beziehung zu ihnen. In jedem so genannten Deck, das man baut, an dem man feilt und nur allzu oft verzweifelt, steckt ein Teil der Persönlichkeit des Deckbauers. Ein Deck ist ein Satz aus 60 Karten. Welche Kombination man dabei wählt, ist ein kreativer Prozess, der sich oft tage- oder wochenlang hinzieht - und mich sogar schon bis in meine Träume verfolgt hat. Die 60 Karten sind magische Sprüche wie furchteinflößende Kreaturen und mächtige Zauber, die einem dabei helfen sollen, den gegnerischen Magier in die Knie zu zwingen. Außerdem kommt noch eine gute Portion Glück dazu. Warum sonst wohl gewinnt meine Freundin so oft gegen mich?

So sieht es bei Magic-Spielern zuhause aus.

 

Kartenwert: Von Cents bis tausenden von Euro

Die allermeisten Karten sind nur Centbeträge wert. Die teuerste Magic-Karte der Welt dagegen, ein Schwarzer Lotus aus der allerersten, der Alpha-Edition von 1993, steht bei Europas größter Website für Magic-Karten für 10.000 bis 25.000 Euro zum Verkauf. Magic ist sicher nicht das billigste Hobby der Welt, das nicht. Aber zum Glück braucht man keine teuren Karten, um Spaß zu haben. Schaden tun sie aber sicher auch nicht.

Der legendäre "Black Lotus".

 

Fünf Farben für jeden Spielertyp

Für mich sind es vor allem die Geschichten, die Magic einzigartig machen. Die Karten zeigen Helden und Bösewichte aus fantastischen Stories. Die liebevollen Artworks von blutrünstigen Dämonen, verrückten Goblins, gigantischen Wassermonstern, naturliebenden Elfen oder edlen Ritterscharen werden von professionellen Künstlern gezeichnet und verleihen jeder Karte ein spezielles Flair.

Die Artworks machen den besonderen Zauber von Magic aus.

 

Magic ist außerdem Psychologie. Fünf Farben gibt es - und diejenige, die man für sich erwählt, sagt viel über einen aus. Sagt man. Schwarzen Magiern bedeutet Macht alles. Sie verletzen sich oder ihre Kreaturen auch selbst, um noch mehr Macht anzuhäufen. Blaue Zauberer manipulieren gerne und tricksen die Gesetze der Natur und des Magic aus, wo sie nur können. Grün steht für Instinkt und Kraft, für Wachstum und Natur. Rote Magier brennen vor Feuer und Leidenschaft und kanalsieren diese in bedingungslose Angriffe. Weiß hingegen symbolisiert Ordnung, Schutz und Gemeinschaft. So kann sich jeder wieder finden. Oder beliebig kombinieren, was ihn widerspiegelt. Viele meiner Decks sind weiß, aber auch oft rot oder schwarz. Was auch immer das über mich sagt.

Die fünf Farben und ihre Symbole in Magic.

 

Zehntausend Karten zuhause

Ich bin fast 30 Jahre alt. Für mich, wie für viele andere auch, ist Magic ein Stück Nostalgie. Seine Geburtsstunde erlebte das Spiel, als wir Teenager waren. Auf dem einen oder anderen Weg fanden aber erstaunlich viele dazu zurück. Früher war es ein Schuhkarton, jetzt habe ich regaleweise Karten zuhause. Grob geschätzt müssten es etwa zehntausend Stück sein. 

http://cardboard-crack.com/post/120754661281/mail

Posted by Cardboard Crack on Donnerstag, 4. Juni 2015

Ein Comic erklärt, wieso für einen Magic-Spieler jeder Tag Weihnachten ist.

 

Noch ein Letztes, wie man Magic vielleicht in Worte fassen kann. Ein Sprichwort sagt: Gib einem Hungernden einen Fisch, und er wird einen Tag lang satt. Lehre ihn das Fischen, und er wird nie mehr hungern. Ich habe dies kürzlich ins Magic-Universum übertagen gelesen: Lerne Magic - und wird du wirst dich dein Leben lang nie mehr langweilen. Auf mich jedenfalls trifft das zu.

Ein Video von "Vice", das hinter die Kulissen des Magic blickt.

 

Christoph Gschoßmann

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