Wo sollen sie nur alle wohnen?

Bald haben wir 1,5 Millionen Einwohner

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München zieht immer mehr Menschen an.

München - München boomt wie nie zuvor! In diesem Jahr wuchs die Bevölkerung der Stadt schon um 16 190 Einwohner – das entspricht der Einwohnerzahl der niederbayerischen Stadt Vilshofen!

Ende Juli zählte die Stadt 1 426 931 Einwohner. Und das Tempo wird immer schneller: Kamen im Januar noch 1590 Neubürger in die Stadt, waren es im Juli schon 2751. Bei gleichbleibendem Tempo würde die Stadt schon 2015 die 1,5-

Millionen-Einwohner-Marke knacken. Das Planungsreferat rechnete in seiner Bevölkerungsstudie von 2010 für das Jahr 2020 in der optimistischsten Variante nur mit 1,495 Millionen Einwohnern. Die tz erklärt, woher die Neuen kommen und fragte OB Ude:

Wo sollen sie nur alle wohnen?

Das städtische Planungsreferat rechnete in seiner Studie von 2010 mit einer jährlichen Bevölkerungszunahme von maximal 0,95 Prozent, voriges Jahr waren es aber schon 2,06 Prozent.

München von oben im Vergleich: 1962 und 2011

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Die Neubürger kommen vor allem aus den neuen EU-Staaten Rumänien und Bulgarien, wo die Freizügigkeit innerhalb der EU immer mehr greift. „Das sind Länder, in denen die Menschen noch echte soziale Not haben“, so OB Christian Ude zur tz. Auch viele Polen und Ungarn suchen in der Wirtschaftsmetropole München nach besseren Einkunftsmöglichkeiten. Die Euro-Krisenländer Griechenland, Italien und Spanien verlassen ebenfalls immer mehr Menschen in Richtung München. Ude: „Diese Neubürger verfügen in der Regel über eine hervorragende Ausbildung.“ Kriege – wie der im Irak – sorgen nach wie vor für Zuzug.

Insgesamt wuchs die Zahl der Ausländer in München von 2007 bis Ende 2011 um 34 203 Menschen. Dem steht ein Zuzug von 41 516 deutschen Staatsbürgern gegenüber. Die Anzahl der türkischen Staatsbürger ist auf den ersten Blick übrigens rückläufig: Seit 2007 werden vor allem deshalb 1998 Türken weniger geführt, weil sie die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen haben. Voriges Jahr machten davon 298 Gebrauch.

Auffallend auch: Viele Menschen aus dem ehemaligen Jugoslawien kehren in ihre Heimat zurück. So schrumpfte die kroatische Gemeinde um 598 Bürger.

Wo sollen all die Neubürger wohnen?

Die städtische Bevölkerung wächst in diesem Jahr um gut 2300 Menschen – pro Monat! Das erfordert 1000 zusätzliche Wohnungen. Allerdings: Derzeit werden pro Monat nur rund 500 Wohnungen mehr fertiggestellt als abgerissen werden. Die Folge: Immer mehr Menschen finden keine Wohnung. Das Sozialreferat muss schon 2900 Wohnungslose unterbringen, das sind 1100 mehr als vor einem Jahr.

Die städtischen Notunterkünfte reichen längst nicht mehr aus. Für 2000 Menschen mussten Pensionen gemietet werden. Dabei hat sich die Stadt seit 1990 das Ziel gesetzt, jährlich 7000 neue Wohnungen zu errichten. Tatsächlich kamen im Schnitt nur 5332 Wohnungen hinzu. OB Christian Ude gibt der EU die Schuld daran, dass man die Wohnbauziele nicht erreicht hat: „Wir hatten drei Jahre lang Probleme mit der EU-Gesetzgebung, die es der Stadt erschwerte, Grundstücke an ihre eigenen Wohnbauunternehmen zu verkaufen.“ Aber: „Die Stadt hat jetzt gute Chancen, die 7000 neuen Wohnungen pro Jahr zu erreichen, 2011 haben wir es fast geschafft.“

Die zweite Zerstörung Münchens: Bausünden nach dem 2. Weltkrieg

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Auch mit Ortserhaltungssatzungen und der Bekämpfung der Zweckentfremdung gehe man gegen die Wohnungsnot an. Zudem will Ude in die Höhe: „Wir müssen über das Aufstocken bestehender Häuser reden und über Bauhöhen von zehn bis zwölf Stockwerken.“ Auch die Nachbarstädte müssten mehr tun: „Es gibt Gemeinden wie Haar, die vorbildlich neuen Wohnraum für Neubürger schaffen, und Gemeinden, die nur Grundstücke für Einheimische zur Verfügung stellen. Das muss sich ändern.“

Grundsätzlich gelte aber: „Man kann in einer erfolgreichen Stadt wie München nie genug Wohnungen bauen. Je mehr Menschen Sie unterbringen, desto mehr werden kommen“, so Ude.

Allerdings rechnet er mit einer baldigen Entspannung: „Vieles spricht für eine konjunkturelle Abkühlung. Bei schlechter Konjunktur suchen weniger Menschen in München einen Job.“ Eine Wohnung dürfe dann auch kleiner sein oder mehr Menschen beherbergen. Ude: „Die Ansprüche schrumpfen dann.“

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Johannes Welte

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