Magnifico: Hoffnung trotz Insolvenz

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André Hellers visionäre Pferde-Show: Hat sie eine Zukunft?

München - Zwischen Wahn und Wirklichkeit, zwischen Albtraum und einem neuen Morgen: So erzählt André Heller die Geschichte von Magnifico – und so ergeht es derzeit der Show selbst.

Noch am Dienstag musste die Pferde-Fantasie beim Münchner Amtsgericht Insolvenz anmelden. Jetzt gibt es Hoffnung: Der vorläufige Insolvenzverwalter will den Betrieb am liebsten weiterführen. Das wäre ja das Größte – also kurz: magnifico!

Seit Mitte vergangener Woche prüft Rolf Pohlmann mit seiner Mannschaft die Zahlen. Dabei hat der vorläufige Insolvenzverwalter nicht nur Schulden im mittleren einstelligen Millionenbereich gefunden, sondern auch eine Show, deren Investitionen von rund 15 Millionen Euro keineswegs komplett verbrannt sind. „Ich bin verhalten optimistisch“, sagte Pohlmann nach einer ersten Prüfung der tz. Denn die nach den Vorgaben von André Heller produzierte Show scheine tatsächlich an nichts gespart zu haben. Eine Auswahl:

Die handgefertigten Flügel des Pegasus-Pferdes seien samt Attrappe für die Proben mit rund 60 000 Euro „irrsinnig teuer“ gewesen, sagt Pohlmann.

In der Musik-Produktion steckten 300 000 Euro, obwohl sich nur ein Bruchteil der Kompositionen auch in der Show wiederfänden.

Die 16 Hengste und Wallache der Show seien jeweils rund 30 000 Euro wert. Sie stehen in Ställen in Paris und Marseille, müssen von Trainern fit gehalten werden und fressen derzeit buchstäblich das Geld auf.

In den Regalen lagern 50 000 Flaschen Wein mit eigens entworfenen Magnifico-Etiketten – Merlot und Pinot Grigio vom Feinsten.

Offiziell hatte Magnifico die Pleite mit zu hohen Kosten und zu wenig Publikum in den nächsten Spielorten begründet. Aus Sicht des vorläufigen Insolvenzverwalters liegen Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung wohl vor. Entscheiden wird das allerdings das Amtsgericht. Wenn das ein Insolvenzverfahren eröffnet, können die Gläubiger auf eine anteilige Rückzahlung hoffen. Die Geldgeber um die Konzert-Legende Marcel Avram dürften allerdings leer ausgehen. So könnte die Insolvenz­eröffnung einen Schnitt setzen, indem sie das größte Problem löst – die Schulden. „Ein Investor könnte bei Null einsteigen und die fertige Show günstig erwerben“, so Pohlmann. Schließlich stehe Magnifico startbereit am nächsten Spielort in Frankfurt. Publikum gäbe es: Rund 80 000 Menschen habe die Show in Riem begeistert, so Pohlmann. Das sieht auch Show-Magier Heller so. Er empört sich über das angeblich fehlende Interesse. „Das kränkt mich wirklich“, sagte er in Interviews. Er selber warte als künstlerischer Leiter auf einen hohen fünfstelligen Betrag, aber darum gehe es nicht: „Es ist sehr schade, etwas Schönes aufzugeben, das die Menschen geliebt haben.“

dac

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