Opposition spricht von einem Skandal

Mahnmal für Opfer des NS-Regimes stößt auf Ablehnung - das sorgt für Ärger

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Mit einer Wand am Prinz-Carl-Palais wollen Künstler der bis zu 10 000 NS-Opfer in München gedenken.

Die Stadt wird für das Mahnmal für die Opfer des NS-Regimes wohl einen neuen Wettbewerb starten. Der bisherige Entwurf für das Mahnmal stößt auf Ablehnung.

Die Verwaltung lehnt den bisherigen Entwurf und den Standort südlich des Prinz-Carl-Palais ab, CSU und SPD sollen am Donnerstag zustimmen. Die Opposition spricht von einem Skandal.

5000 Namen von Opfern sind bekannt

5000 Namen sind bekannt. 5000 Namen von Münchnern, die Opfer des Terrorregimes der Nationalsozialisten wurden. Das Stadtarchiv schätzt sogar, dass es doppelt so viele sind. Und um eben jener Menschen zu gedenken, möchte die Verwaltung ein zentrales Mahnmal errichten.

Die Stadt hatte dazu einen Wettbewerb ausgeschrieben, an dessen Ende sich eine Jury aus Stadträten, Fachleuten und Vertretern von Opfergruppen für eine monumentale Wand entschieden, die aus einzelnen Klinkern bestehen soll. Jeder dieser Ziegel soll den Namen eines Opfers tragen. Legt man die Zahl von 10 000 Opfern zugrunde, ergäbe sich eine Wand von mindestens acht Metern Höhe und einer Länge von sieben Metern. Platzieren wollten die Künstler die Wand auf der Wiese südlich des Prinz-Carl-Palais. Herstellungskosten: 225 000 Euro.

Einwände des Denkmalschutzes

Die Verwaltung lehnt das nun ab. Grund sind Einwände des Denkmalschutzes. „Die Bedenken des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege, des Landesdenkmalrats, des Baureferats und des Referats für Stadtplanung und Bauordnung sind erheblich und nicht von der Hand zu weisen“, schreibt das Kulturreferat in einer Vorlage. Offenbar wäre die Sichtachse auf das Ensemble mit Hofgarten und Staatskanzlei eingeschränkt. Weiter heißt es: „Da der Ort am Prinz-Carl-Palais Bestandteil der künstlerischen Konzeption ist, empfiehlt das Kulturreferat, den Entwurf nicht zu realisieren und einen neuen Wettbewerb auf den Weg zu bringen.“ Dieses Mal soll auch der Ort der Umsetzung vorgegeben sein, vermutlich auf dem Platz der Opfer des Nationalsozialismus. Beim ersten Wettbewerb hatten die Künstler freie Platzwahl.

„Wir tragen die Vorlage mit“, sagt CSU-Stadtrat Richard Quaas. „Das Mahnmal ist weder an dem vorgesehenen Platz vermittelbar noch erfüllt es leider bei näherer Betrachtung den Zweck des Gedenkens, weil man in mehreren Metern Höhe die Inschriften mit den Opfernamen nicht mehr lesen kann.“

Die Grünen sind sauer ob des Vorgehens. Es sei ein „veritabler Skandal“, sagt Fraktionschef Florian Roth. „Ein Denkmal zur Erinnerung an ein Menschheitsverbrechen abzulehnen, weil es historische Sichtachsen stört.“ Bedenken des Denkmalschutzes seien ja am gleichen Ort bei dem „viel größeren Eingriff beim Bau der Staatskanzlei auch nicht entscheidend“ gewesen. Die Grünen lehnen die Vorlage daher ab. „Wir würden uns gern dem guten Brauch anschließen, eine Juryentscheidung zu akzeptieren, wenn dem nichts Fundamentales entgegensteht.“

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