Asül und Söder schenken ein

Maibock-Anstich: Das hat Seehofer verpasst

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Django unchained: Ein entfesselter Asül schenkt der Polit-Prominenz wieder so richtig deftig ein

München - Während sich Horst Seehofer Donnerstag Abend um die Scherben seines zurückgetretenen Ich-AG-Franktionschefs Georg Schmid kümmern muss, werden die 600 Gäste beim Maibock-Anstich so richtig durchgeschüttelt.

Vor Lachen, versteht sich, wegen der deftigen Sprüche, die Django Asül auf Lager hat. Aber auch Markus Söder, als Finanzminister offiziell Gastgeber im staatseigenen Brauereibetrieb, glänzt im Saal des Hofbräuhauses mit einer hintersinnigen, mit Selbstironie gespickten und kabarettreifen Begrüßungsrede. Was dem Nockherberg das Zusammenspiel aus Fastenrede und Singspiel, ist beim Hofbräu Söder und Asül. Lesen Sie mal, was Sie alles verpasst haben, Herr Ministerpräsident!

Christina Meyer, Beate Winterer, Stefan Dorner

Armleuchter Söder teilt richtig deftig aus

Er soll ja eigentlich nur die Gäste begrüßen. Doch Markus Söder zelebriert diese fast 20 Minuten auf der Bühne, als wäre er selbst der Derblecker der politischen Prominenz.

Hobby-Kabarettist in Lederhosen: Finanzminister Markus Söder stößt mit Frau Karin auf seine Rede an

Sein Chef, Ministerpräsident Horst Seehofer, habe ja aus „terminlichen Gründen“ absagen müssen, legt er los. Genauso wie natürlich Georg Schmid. „Wir wollten ja wie auf dem Nockherberg auch ein Singspiel aufführen“, erklärt er. „Nur mit den echten Politikern, ohne Doubles.“ Rollen: Seehofer, Schmid, Söder. Titel: Ein Freund, ein guter Freund. „Doch dann habe ich zum Horst gesagt: ,Wir haben ja keine Freunde! Also lass‘ mas!‘“ So gehört Söder die Show allein. Und das ist ihm schon zweimal lieber, als bei der zeitgleichen Krisenrunde der CSU-Fraktionsspitze dabei zu sein. „Wenn du da rein gehst, weiß man ja derzeit nicht mehr, ob man hinterher sein Amt noch hat.“

Hohn und Spott. Söder kennt weder Feind noch (Partei-)freund. Er schont sich auch selbst nicht, bezeichnet sich als „Frankenbock“ und hat auch ein Leuchtmittel dabei: Den berüchtigten Armleuchter von Ikea, der seinen Namen trägt.

Toben im Saal, als er Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger einen Parteiwechsel ans Herz legt: „Populistisch, inhaltliche Schwächen, diktatorisches Verhalten – damit hast du echte Aufstiegschancen bei uns in der CSU!“

Ein schelmisch grinsender Söder stellt am Ende der Veranstaltung fest: „Es ist deutlich leichter und ein Privileg, von oben auszuteilen als unten zu sitzen und einzustecken!“ Das gilt vor allem für die Derbleckten im Saal – und manchmal auch für Seehofers Kabinettsrunde.

Söders Flaschensammlung

Passend zum Maibock-Anstich hatte Söder für seine Politik-Kollegen mehr oder weniger hochprozentige Flaschen dabei:

Eiskalt geklopfter Hallodri von Hofbräu: Horst Seehofer

Untergiesinger Erleuchtung (weil der Klosterfrau Melissengeist zu viele Prozente hat): Christian Ude

Lenins Hanfbier: Grünen-Fraktionschefin Margarete Bause

Neandertaler Gesöffbier: Hubert Aiwanger

Schlüpfer-Stürmer: FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle

Django entfesselt: Bei ihm kriegt keiner Asyl

Mit Kabarettisten ist es wie mit Wein: Entweder, er reift mit den Jahren, oder er kippt. Keine Frage: Django Asül ist da ein ganz edler Tropfen unter all den Flaschen. Auch bei seinem sechsten Maibock-Anstich in Folge servierte der Niederbayer eine spritzige Mischung – trocken, mit saurer Note und herb im Abgang!

Rücktritt von CSU-Fraktionschef Georg Schmid, Hoeneß’ Steueraffäre – bis zuletzt hatte der Kabarettist an seinem Programm gefeilt: „Was für ein Tag! Schüttel-Schorsch ist weg, Mario Götze soll sein Nachfolger werden“, verkündeteer gleich zu Beginn.

Nur kleine Seitenhiebe Richtung Bayern-Präsident – etwa, als er auf die angeblich 7000 Gäste beim Politischen Aschermittwoch der CSU in Passau kommt: „Ich hab’ gesagt: Dobrindt, Hand aufs Herz: Stimmt die Zahl wirklich? Jetzt hättest noch die Chance auf eine Selbstanzeige.“ Dabei blieb es: „Der politische Betrieb hat so viel Material geliefert, da muss man nicht noch auf Kollateral-Themen eingehen“, erklärt Asül nach seiner Rede gegenüber der tz.

Stoff gibt es tatsächlich genug. Wie angekündigt, schenkt er vor allem Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger ein: „Er hat sich klar positioniert. Oft genug hat er betont: Für ihn kommt nur eine Koalition mit SPD, Grüne oder CSU in Frage. Es sei denn, es kommen neue Alternativen auf.“ Auch Finanzminister Markus Söder (laut Asül „Womanizer und Wuchtbrummenizer in Personalunion“) und Arbeitsministerin Christine Haderthauer kriegen ihr Fett weg: „Die Christine achtet auf Ausgewogenheit. Je mehr Krippenplätze, umso weniger Platz für Asylbewerber. Das leuchtet ein.“

Scharf, tiefgründig, aber trotzdem nie zu hart: Asül wird mit den Jahren immer besser – da sind sich alle Anwesenden einig. 35 Minuten lang bringt er die Politprominenz ins Schwitzen – die hatte in seiner Begrüßungsrede schon Markus Söder quasi als Warmupper angeheizt (siehe links). Entpuppt sich da einer als ernsthafter Konkurrent? Asül, ganz der Profi: „Es gibt doch nichts Schöneres als eine Veranstaltung, bei der sich die Gäste auf alle Beiträge freuen!“

 

Djangos beste Sprüche

- Bei Alexander Dobrindt sind ja die Grenzen zwischen Geistesblitz und Gedankenschoas wirklich fließend.

- Absolute Mehrheit für die CSU. In Zahlen ausgedrückt: 48 Prozent. Und das sagt viel aus über die wahre Kraft einer Partei: Wenn man mit weniger als 50 Prozent mehr als die Hälfte hat.

- Das Credo der Sozis lautet: Steuerhinterziehung nein, Steuerverschwendung jederzeit gerne.

- Über Francois Hollande: Dafür hassen die Franzosen ihren Präsidenten. Der Hollande hat ja in der eigenen Heimat Umfragewerte wie der Thomas Müller in Barcelona.

- Über Ilse Aigners Konsequenzen aus dem Pferdefleischskandal: Betrüger müssen falsche Etiketten beim Verbraucherministerium anmelden. In Zukunft kann man schon am Etikett erkennen, dass es sich hierbei um eine sogenannte Offshore-Lasagne handelt.

- Aiwanger ist ja mittlerweile Kult. Der Beppe Grillo vom Bauernhof.

- Über G8 und G9: Wenn’s nach Ude geht, haben wir dann Abitur und Kracherl-Abitur. Mit dem einen Abitur kannst studieren. Mit dem anderen Abitur kriegst Ermäßigung im Freibad und eine Mitgliedschaft bei der SPD.

- An die Grünen: Wenn Ihr ein gutes Ergebnis erzielen wollt am 15. September, solltet ihr die Claudia Roth immer weit weg von Bayern halten... Denn schon der Krieg in Afghanistan hat gezeigt: Unbemannte Drohnen richten nur Schaden an.

- Das Oberlandesgericht München hat unmissverständlich erklärt: Sollte es im Wahlkampf unfair zugehen, werden in Zukunft nicht nur Sitzplätze im Gerichtssaal, sondern auch Wahlen per Los entschieden.

Das sagen die Derbleckten

Arbeitsministerin Christine Haderthauer (CSU): Ich habe Tränen gelacht. Django liefert treffsichere Pointen, ohne plump zu wirken. Seine Rede hat mir besser gefallen als die von Söder. Wobei wir am Tisch sehr erstaunt waren über sein humoristisches Talent.

Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP): Asül hat alle bedient, wie es sich gehört. Natürlich lacht man über die Opposition ein bisschen mehr als bei sich selbst.

Umweltminister Marcel Huber (CSU): Ich habe mich köstlich über beide amüsiert! Vor allem Django Asül schafft es, humorvoll, aber nicht beleidigend zu sein. Er fand die richtige Mischung: Manches ist so unschön, dass man darüber keine Witze machen braucht.

Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger: Django hat den Volksmund getroffen! Söder ist mir zu weit gegangen. Ich fand seinen Umgang mit den eigenen Leuten zu gewagt. Seehofer hätte meiner Meinung nach kommen müssen. Um das Krisenmanagement hätte er sich auch davor oder danach kümmern können.

Moderatorin Carolin Reiber: Ein großartiges Duell zwischen Django und Söder! Gut fand ich, dass Uli Hoeneß nicht so unter Beschuss stand. Man muss ihn jetzt auch mal in Ruhe lassen.

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