Derblecken mit Söder und Asül

Mai-Gaudi im Hofbräuhaus: Das war bockstark

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In voller Fahrt: Markus Söder (l.) und Django Asül nehmen beim Maibock-Anstich im Hofbräuhaus besonders Horst Seehofer aufs Korn.

München - Wenn Politik auf Kabarett trifft - beim Maibock-Anstich im Hofbräuhaus ziehen Markus Söder und Django Asül ordentlich vom Leder. Besonders Horst Seehofer gerät in den Fokus.

Sauber eigschenkt! Beim Maibock-Anstich im Hofbräuhaus ging’s am Donnerstagabend in traditioneller Starkbier-Manier zur Sache. Kabarettist Django Asül (45) lieferte Profi-Kabarett, zuvor war Finanzminister und Hofbräu-Oberchef Markus Söder (50, CSU) zwar weniger scharf und weniger lustig, dafür aber selbstironisch. Die heißesten Themen - und was die Gäste sagten:

Markus Söder: Mit viel Selbstironie

Für seinen Maibock-Auftritt hatte Markus Söder diesmal Bayerns mächtigsten PR-Mitarbeiter als Helfer: Horst Seehofers Rücktritt vom Rücktritt drei Tage zuvor erhöhte die Neugierde auf die inzwischen berühmt-berüchtigte Rede des Nebenberufs-Finanzministers und Kabarettisten. Söder, der vorerst gestoppte Thronfolger, wählte die schlaueste Variante, um sich aus der Affäre zu ziehen: Selbstironie! 

„Meine Perspektive ist deutlich schlechter als die von Prinz Charles“, legte er los, der nun „die nächsten zehn Jahre“ (so Asüls Prognose) weiter mit Django den Maibock anzapfen darf. „Ich darf weitermachen, weil er weitermacht“, meinte Söder über seinen auch künftigen Chef Seehofer - und ergänzte, dass er eine schriftliche Anfrage an die Staatskanzlei gestellt habe, wie lange Seehofer im Amt zu bleiben gedenke.

Die Antwort der Staatskanzlei: „Ein Franke wird erst dann Ministerpräsident, wenn der Club deutscher Meister wird.“ Angesichts dieser selbst für einen Club-Fan wie Söder frustrierenden Aussicht dachte der Finanzminister dann laut darüber nach, ob er nach London reisen solle, um sich über den „Fraxit“ oder wenigstens den „Nüxit“ (also den Austritt Frankens oder Nürnbergs aus dem Freistaat) zu informieren.

Bei aller Selbstironie: Auffällig war, dass Söder seine CSU-Parteifreunde anders als in den Vorjahren mit Samthandschuhen anfasste. Die braucht er ja noch, falls er seine Einladung an Django in die Staatskanzlei noch irgendwann verwirklichen will… Dafür watschte er die Opposition wenig elegant ab - und erntete für mäßig lustige Toni-Hofreiter-Witzchen recht müde Lacher.

Django Asül: So geht Derblecken

Ob der Markus wirklich ein Franke ist oder doch ein sprachlich verwirrter Oberbayer? Denn: In Franken fehlt es angeblich an Wichtigtuern… Auch in seinem zehnten Maibock-Jahr beschäftigt sich Django Asül (45) ausgiebig mit seinem liebsten Kompagnon, Finanzminister Söder. Der Markus sei ihm auch in den Vorjahren nie beleidigt gewesen, hatte der Niederbayer vorher angekündigt.

Im Hofbräuhaus zeigt Asül, wie Derblecken geht. Am Anfang richtet er dem Publikum Grüße vom Nachfolger Seehofers aus. „Der Horst wäre gerne gekommen“, spielt er auf das Sich-selbst-aus-dem-Hut-Zaubern an. Seehofer sehe derzeit keinen einzigen ernsthaften Kandidaten, der als Ministerpräsident in Frage komme. Aber wer einen wisse, könne ihn an Söder melden…

Bei der München-SPD witzelt Asül über die Verflechtung zur Stadt-Prominenz: Die Wiesnwirte seien der „bewaffnete Flügel der Münchner SPD“. Die Bayern-SPD rügt der Kabarettist in Sachen Korruptionsskandal um den Regensburger OB Joachim Wolbergs. „Liebe Sozis, so wird das nichts. Wenn die CSU jeden rausgeschmissen hätte, der eine kreative Ader im politischen Alltag bewiesen hat, hätte sie weniger Mitglieder als Minister!“

A propos Terror-Gefahr. Das BAMF habe sich bei manchen Pässen schon gewundert, warum Syrien mit „ü“ geschrieben sei, berichtet Asül. Andere Probleme habe Justizminister Winfried Bausback - ihn kenne keiner: „Neulich hat er seine Frau gefragt, ob er zum Frühstück ein Rührei kriegt. Und sie hat gesagt: Wer sind Sie überhaupt?“

Das Integrationsgesetz für Bayern dagegen: ein großer Wurf. Es sei nicht von Ideologie geprägt, sondern von Humanismus. „Da gilt der Grundsatz: Wer bei uns nichts verloren hat, hat hier auch nichts zu suchen.“

Volle Hütte: Beim Maibock-Anstich 2017 müssen sich Markus Söder und Django Asül beweisen.

Das sagen Promis zum Derblecken

„Meine Frau und ich lieben ­Django Asül - wir sind große Fans. Auch heute war er wieder super. Markus Söder war heute sehr höflich, nachdem es vor zwei Jahren noch eher in Richtung politisches Kabarett ging.“
Paul Breitner (65, Fußball-Legende), mit ­ Ehefrau Hildegard

„Markus Söder hat Selbstironie, das muss man ihm schon ­lassen. Ich selbst bin gut weggekommen insgesamt, finde ich. Und Django Asül wird von Jahr zu Jahr besser - er würde meiner Meinung nach auch dem Nockherberg gut tun.“
Hubert Aiwanger (46), Chef der Freien Wähler

„Ich habe mich gut amüsiert - und dass ich von Söder mit Biene Maja verglichen worden bin, ist doch schmeichelhaft. Die Bienen sind wichtig für den Erhalt der Natur. Das ist es ja, wofür man auch uns Grüne braucht.“
Katharina Schulze (31), Chefin der Landtags-Grünen

K. Rimpel, R. Weise

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