So tappte 39-Jähriger in Ticket-Falle

Mann aus München wird zum Schwarzfahrer – trotz einer gültigen Fahrkarte: Kontrolleure gnadenlos

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Peter Ochsenkühn vor dem Automaten, an dem er kein Ticket mehr lösen durfte.

Ganz legal mit gültigem Ticket stieg ein Mann in die S-Bahn. Die Kontrolleure in München fanden aber nach seiner Fahrt einen Haken an der Sache.

München - „Am Ende wurde ich behandelt wie ein üblicher Schwarzfahrer“, schimpft der Mediengestalter Peter Ochsenkühn. Er tappte nämlich in eine Falle – gestellt durch die komplexen Regeln des öffentlichen Personennahverkehrs …

Was war passiert? Ochsenkühn kennt das Tarifgebiet des Münchner Verkehrs- und Tarifverbundes eigentlich gut. Er fährt öfter in die Stadt. Also kaufte er sich am „Tat-Tag“ mit vier weiteren Personen am Flughafen ein Gruppenticket. „Das ist natürlich viel günstiger als eine Single-Karte“, erklärt er. Sein Plan: Am Marienplatz ankommen, eine Tageskarte für den Innenraum kaufen und mit der U-Bahn weiterfahren. Doch so funktionierte das nicht! 

München/Marienplatz: „Das sah aus wie eine Freistoßmauer beim Fußball“

Denn als Ochsenkühn in München am S-Bahnsteig Marienplatz ankommt, trennt er sich von der Gruppe und geht Richtung U-Bahnsteig. Die Gruppe fährt weiter auf der Stammstrecke – natürlich mit dem Gruppenticket. Als sich Ochsenkühn am Ende der Rolltreppe zur U-Bahn Richtung Fahrkartenautomat bewegt, stoppen ihn etwa 20 Kontrolleure. „Sie standen direkt vor dem Fahrkartenautomaten in der Nähe des Bäckers. Das sah aus wie eine Freistoßmauer beim Fußball“, erinnert sich der 39-Jährige.

Seit Längerem kontrolliert die Bahn die Fahrgäste in Gruppen an den Ausgängen

Einer der Kontrolleure fragt ihn nun nach der Karte. „Die hol ich mir gleich am Automaten hinter Ihnen“, so Ochsenkühn und zeigt auf das Gerät. „Dann muss ich jetzt Ihre Personalien aufnehmen“, lautet die Antwort. Ochsenkühn bekommt die übliche Schwarzfahrer-Quittung: 60 Euro. „Ich habe es mehrmals erklärt, dass ich mit einer Gruppe unterwegs war“, erklärt er. „Er könne ja Einspruch einlegen“, wird ihm entgegnet. Das tut der Mediengestalter auch.

Er lädt sich die App „DB Fahrpreisnacherhebung“ für sein Smartphone herunter und beginnt einen Chat. Dort bekommt er ein Angebot: „Mein Gesprächspartner schlug vor, die Gebühr von 60 auf 30 Euro zu reduzieren“, sagt Ochsenkühn. „Aber das nahm ich nicht an. Ich habe doch nichts falsch gemacht.“

Video: Schwarzfahrer wird rabiat aus Zug geholt

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Das sehen die Verantwortlichen bei der Deutschen Bahn anders. Eine Sprecherin: „Die Tarifbestimmungen sind eindeutig. Der Fahrgast darf im Bereich ab der Bahnsteig-Sperre nur mit gültiger Fahrkarte unterwegs sein. Und das empfehlen wir auch.“ Irre: Alles wäre also korrekt abgelaufen, wenn die gesamte Gruppe in München ausgestiegen, mit Ochsenkühn zum Automaten gegangen und dann erst weitergefahren wäre.

Die MVG sieht’s genauso: „Wir empfehlen, als Gruppe zusammenzubleiben. Nur so hat jeder ein gültiges Ticket. Die Anforderung ergibt sich ... aus Paragraf 6 der MVV-Beförderungs- und Tarifbestimmungen“, schreibt uns ein Sprecher.

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Warum steht der Automat in München am Gleis?

Aber warum steht dann ein Automat in der Nähe der U-Bahngleise, wenn man diesen Bereich ja nur mit gültiger Karte betreten darf? Hierzu die Bahn: „Der Automat steht Fahrgästen zur Verfügung, die beispielsweise über ihr DB-Fernverkehrsticket auch S-Bahn fahren können, dann aber mit der U-Bahn weiterreisen möchten.“

Peter Ochsenkühn ist sauer: „Für mich wirkt das wie Wegelagerei. Die Kontrolleure hätten mich doch nur ein paar Meter zum Automaten gehen lassen müssen.“ Er will nun notfalls sogar vor Gericht ziehen!

Hüseyin Ince

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Ein anderer Vorfall ereignete sich, als ein Schaffner von einem Schwarzfahrer im Metronom von Hamburg nach Bremen attackiert wurde, wie nordbuzz.de berichtet.

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