Gas-Taxi geht bei voller Fahrt in Flammen auf

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Der Unfallort auf der Schenkendorfstraße: Die Notrufsäule wurde vom Taxi gerammt

Schwabing - Kurz nachdem ein Münchner Taxler seinen Mercedes mit Gas vollgetankt hatte, fing das Auto bei voller Fahrt an zu brennen. Ein 33-Jähriger musste aus seinem fahrenden Taxi springen, um sich zu retten.

Es ist eine Szene wie aus einem Actionfilm: Ein lichterloh brennendes Taxi rollt am frühen Samstagmorgen über die Schenkendorfstraße. Sein Fahrer rettet sich durch einen Sprung aus dem fahrenden Wagen, das Auto rollt brennend und unkontrolliert noch etwa 300 Meter weiter. Dann rammt es eine Notrufsäule und ein Verkehrszeichen und brennt schließlich völlig aus. Glücklicherweise sind keine Fahrgäste im Wagen.

Der 33-jährige Taxifahrer ist völlig ratlos, was geschehen ist. Kurz zuvor hatte er seinen Mercedes mit Gas betankt und war gerade von der A9 abgefahren, als plötzlich der Brand ausbrach. Mit Brandverletzungen an den Händen und am Kopf wurde er in ein Krankenhaus eingeliefert. Das Taxi, oder zumindest seine Überreste, lässt die Polizei nun auf die Brandursache hin untersuchen.

Sind Gas-Autos womöglich rollende Zeitbomben? „Nein, auf keinen Fall“, beruhigt Andreas Ratzek aus dem ADAC-Technikzentrum in Landsberg. Er hat zu Testzwecken sowohl Autos mit Erdgas- als auch Autogas-Tank gecrashed und angezündet. Das Ergebnis: „Gasautos sind nicht gefährlicher als Benziner oder Diesel.“ Sie geraten weder leichter in Brand noch muss man Explosionen befürchten.

Denn im Inneren sitzt eine ausgefeilte Technik. Erstens ist der Tank an sich extrem sicher gebaut, um den hohen Druck von Erdgas (300 Bar) und der Alternative Autogas (10 Bar) standzuhalten. Bei einem Unfall stellt sich die Gaszufuhr am Tank sofort ab. Falls es zu einem Brand kommt, öffnet sich ein Sicherheitsventil, das Gas Richtung Straße ableitet und auf diese Weise kontrolliert als „Feuerstrahl“ abbrennen lässt.

Tank und Sicherheitsventil würden übrigens immer als Einheit eingebaut, erklärt der Experte, „da kann selbst eine schludrige Werkstatt nichts falsch machen“. Aber Schludrigkeiten würde der TÜV ohnehin nicht durchgehen lassen, der jedes einzelne umgebaute Fahrzeug kontrolliert.

Tag für Tag wächst die Zahl der Gas-Autos auf Münchens Straßen. In der „GibGas Pawel KFZ-Werkstatt“ werden zurzeit zwei bis drei Fahrzeuge pro Tag auf Gas umgerüstet – vor drei Monaten kamen so viele höchstens pro Woche zusammen, erzählt Mechaniker Sebastian Malchlewski. „Bei den Spritpreisen hat sich der Umbau oft schon nach einem Jahr ausgezahlt“, sagt er.

Dass das Taxi am Samstag durch das Gas in Brand geraten sein soll, kann er sich nicht vorstellen. „Das ist ja mit einem Stinkstoff versetzt, wenn als etwas undicht gewesen wäre, hätte das der Fahrer sofort riechen müssen.“ Er tippt – wie der ADAC-Experte – vielmehr auf einen elektrischen Defekt, zum Beispiel einen überhitzten Katalysator.

Diesel-Autos seien ja auch schon öfter abgefackelt, sagt der Geschäftsführer der Taxizentrale Isar-Funk, Hubert Schmidt. Seinen Vertragspartnern wird er auch in Zukunft Gas empfehlen – als umweltfreundlich, günstig und sicher.

Von Katharina FUhrin

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