Er fiel vier Meter in den Aufzug-Schacht

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Khaldun A. (35) steht am Bett seines Vaters Kildan E. (71) auf der Intensivstation. Das rechte Bein des Verletzten ist beim Sturz zertrümmert worden.

München - Ein Mann ist am späten Montagnachmittag bei einem tragischen Unfall mit einer Stehlampe vier Meter tief in einen Aufzugsschacht gestürzt, hat den Horror-Unfall aber schwerverletzt überlebt.

Plötzlich ist da kein Aufzug mehr – nur ein vier Meter tiefer, dunkler Schacht. Kildan E. (71) stürzt ungebremst ins Nichts und knallt ins Kellergeschoss! „Ich konnte nicht so schnell reagieren, plötzlich war er verschwunden“, erzählt ein Nachbar, der alles beobachtet hat, der tz. Dieser Unfall, der sich am Montag in einem Neuperlacher Hochhaus ereignet hat, ist ein Albtraum für jeden Hausbewohner!

Eine Mülltüte in der einen, eine ausgediente Stehlampe in der anderen Hand – so steigt der siebenfache Familienvater gegen 17 Uhr im Erdgeschoss aus dem Lift. Noch bevor er das Kabel aus dem Aufzug ziehen kann, schließt die Tür schon wieder und der Aufzug fährt nach oben. Kildan E. hält das Lampenkabel fest. Ein Nachbar steht direkt daneben. „Da der Stecker am Kabel im Aufzug festgesteckt ist, hat der Aufzug im ersten Stock gestoppt.“

Das Kabel aber hängt zwischen beiden Stockwerken – und entriegelt so offenbar die Tür im Erdgeschoss. Kildan E.s Nachbar hat schon aufgegeben, den Stecker zu befreien und will den Aufzugsdienst rufen. Kildan E. zerrt weiter am Kabel – genau in dem Augenblick, als sich die Tür öffnet. Einige Nachbarn sagen, er habe die Tür gewaltsam geöffnet. Der Augenzeuge sagt: „Die Tür war sehr locker.“ Der 71-Jährige verliert den Halt und fällt hinab. „Das dauert nur ein paar Sekunden“, berichtet der Nachbar. „Ich hatte riesige Angst, dass der Aufzug wieder runter kommt und ihn erschlägt.“ In Panik ruft er Rettungskräfte, die nach ein paar Minuten da sind. „Der Mann im Schacht hat schrecklich gestöhnt“, schildert der Augenzeuge.

Unterdessen hat der Hausmeister Johann A. (50) im Kellergeschoss die Tür aufgesperrt. „Vor mir saß der verletzte Herr auf dem Boden. Er hat mich nur angestarrt, er war wohl unter Schock.“ Die Schmerzen des Verletzten müssen entsetzlich sein. Sein Sohn Khaldun A. (35) macht sich große Sorgen, als er auf der Intensivstation eines Münchner Krankenhauses mit der Familie ausharrt: „Er hat acht, auch offene, Brüche am Fuß, einen Schulterbruch und Verletzungen im Kopf“, sagt er zur tz.

Sein Vater, ein irakischer ehemaliger Juwelier mit christlichem Glauben, ist ihm vor zehn Jahren mit seiner Frau nach München gefolgt. „Er hatte großes Glück“, sagt Sohn Khaldun A.: „Ich überlege, was passiert wäre, wenn er kopfüber gestürzt – oder wenn der Aufzug wieder runtergefahren wäre!“

Als der Sohn in der Klinik den Aufzug benutzt, tritt er nur vorsichtig über die Schwelle. „Ich traue denen nicht mehr!“ Er ist wütend. „Es kann nicht sein, dass eine Tür so einfach aufgeht, wenn der Aufzug selbst gar nicht mehr auf dieser Etage ist. Das ist lebensgefährlich! Das hätte auch einem Kind im vierten Stock passieren können!“

Laut Hausmeister Johann A. ist der Aufzug erst sechs Jahre alt und TÜV-geprüft. Wie es genau zum Unfall kommen konnte, klärt die Polizei. Der Sohn des verletzten Kildan E. hat einen Anwalt eingeschaltet.

Nina Bautz

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