Münchner sitzt bald im Dunkeln

Hilfe! Hier mauern sie mein Fenster zu

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Rolf B. deutet auf das Fenster, das bald vom Neubau davor verdeckt wird

München - Ein paar Tage oder Wochen hat Rolf B. (50) aus Trudering noch, in denen er bei Tageslicht kochen und im Anschluss lüften kann - dann wird’s in seiner Küche dunkel und stickig.

Denn der Hausbesitzer baut an die Doppelhaushälfte ein Reiheneckhaus an – und mauert das einzig normale Fenster in seiner Dachgeschosswohnung zu!

„Ich wohne seit 21 Jahren hier und fühle mich bislang sehr wohl“, erklärt der Maler. „Aber ich kann doch nicht in einer stinkenden Höhle wohnen! Und was mache ich bei Regen? Ich habe nur noch zwei schräge Dachfenster im Schlaf- und Wohnzimmer – die kann ich ja dann nicht öffnen. Und wenn im Winter Schnee daraufliegt, sitze ich komplett im Dunkeln.“

Rolf B. berichtet der tz, dass der Hausbesitzer erst vor wenigen Jahren gewechselt habe und sein Mietvertrag mit einer Warmmiete von 500 Euro für die Eineinhalb-Zimmer-Wohnung recht alt sei. Rolf B. fühlt sich machtlos: Wenn er aus seinem Fenster sieht, wächst das neue Haus neben ihm von Tag zu Tag in die Höhe – mittlerweile ist der Bau bis auf die Höhe seines Fußbodens angewachsen. „Kann ich denn überhaupt nichts tun?“

Anja Franz vom Münchner Mieterverein beruhigt den Truderinger. Da der neue Vermieter in die Rechtsposition des alten getreten ist, habe er genau dieselben Rechte und Pflichten. „Wenn Sie vor 21 Jahren die Wohnung mit Küchenfenster gemietet haben, ist dieser Zustand Vertragsgegenstand geworden.“ Der Vermieter könne nicht einfach die Wohnung verändern, schon gar nicht in diesem Ausmaß. „Ein Fenster darf nicht zugebaut werden. Dadurch haben Sie eine massive Beeinträchtigung der Wohnqualität, die Sie zu einer dauerhaften Mietminderung berechtigt.“

Gegenüber der tz wollte sich nur die Frau des Hausbesitzers äußern. Sie will nicht namentlich genannt werden. „Wir haben dem Mieter zugesichert, dass er stattdessen eine neue Dachgaube bekommt.“ Rolf B. glaubt nicht daran: „Ich bezweifle, dass eine Dachgaube meine Wohnung so hell wie zuvor macht. Und in der Küche wäre gar kein Platz für diese Gaube.“

„Sollte diese Gaube kommen und sie bringt nicht dasselbe Licht“, sagt Franz, „dann wird es etwas komplizierter. Für eine Mietminderung muss eine Beeinträchtigung der Wohnqualität vorliegen. Im Notfall muss ein Gutachten das beweisen. Vor Gericht ist das dann eine Einzelfallentscheidung des Richters.“

Die Mietrechts-Expertin gibt den Tipp, hinsichtlich der Minderungsquote immer zu versuchen, sich mit dem Vermieter zu einigen. „Sonst haben Sie ständig Auseinandersetzungen, weil der Vermieter die Miete nicht vollständig bekommt.“

Nina Bautz

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