Am Olympiastadion festgenommen

Er verkaufte Nazi-Schmuck und wundert sich

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Vor dem Gerichtssaal verdeckte Rudolf L. (71) sein Gesicht.

München - Rudolf L. hat zum wiederholten Male Nazi-Devotionalen zum Verkauf angeboten. Dass der 71-Jährige deshalb vor Gericht steht, versteht er nicht. Der Richter aber findet klare Worte.

Sein Vergehen kann Rudolf L. (71) bis heute nicht verstehen. „Solche Teile kriegt man doch auch auf dem Viktualienmarkt“, behauptet der schwäbische Rentner und zuckt mit den Schultern.

Aus einem Nachlass besitzt er Devotionalien aus dem Dritten Reich, die er am 15. März auf dem Flohmarkt im Olympiapark zum Verkauf anbietet. Darunter: eine acht Zentimeter große Büste Adolf Hitlers, ein Totenkopf mit gekreuzten Knochen und eine Feldmütze der Waffen-SS, eine Gasmaske mit Reichsadler und Hakenkreuz sowie diverse Nazi-Stahlhelme.

Wenig schuldbewusst sitzt er mit roter Wollstrickjacke, strubbeligem Silberhaar und Sandalen auf der Anklagebank des Amtsgerichts. „Ich dachte mir, die sind sicher etwas wert und wollte sie an Sammler verkaufen“, erklärt der Rentner. Einmal im Monat fährt er von Waldmünchen an der tschechischen Grenze in die Landeshauptstadt und baut am Sapporobogen sein Verkaufsstandl auf. Dass sich Mitte März viele Besucher schnell wieder von seinem Stand abwenden, stört ihn nicht. Selbst als Zivilfahnder der Polizei ihn zur Rede stellen, ist er wenig einsichtig – noch am Flohmarkt nehmen sie den Rentner vorläufig fest. „Er war einverstanden, dass wir die Sachen sofort einziehen“, sagt ein Beamter aus.

Im Prozess begutachtet Amtsrichter Andreas Schätzl (46) den Nazi-Schmuck: eine ganze Kiste verdeckt große Teile seines Richtertischs. „Das ist ja Wahnsinn, was da alles eingesammelt wurde. Und es ist auch nicht das erste Mal, dass Sie Ärger wegen sowas haben“, sagt er zu Rudolf L., der bereits im vergangenen Jahr eine Geldstrafe dafür zahlen musste, Nazi-Symbole öffentlich zum Verkauf anzubieten – darunter auch Ringe. Diese hatte er ebenfalls im Olympiapark ausgestellt.

„Aber daraus haben Sie offensichtlich nichts gelernt“, schimpft der Richter und verurteilt L. zu vier Monaten Haft auf Bewährung sowie 1500 Euro Geldbuße. „Und ich warne Sie: Wenn Sie nochmal mit dem Zeug erwischt werden, gehen Sie auch mit 71 Jahren noch ins Gefängnis.“

Andreas Thieme

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