Gruppenführerin bei der Berufsfeuerwehr

Die Männer hören auf Manus Kommando

+
„Wo brennt’s denn?“ Manuela Wedel hält ihr Buch in Händen.

München - Manuela Wedel ist Gruppenführerin bei der Berufsfeuerwehr in München. Jetzt hat die 33-Jährige ein Buch über ihre Erlebnisse im Kampf gegen Not und Elend geschrieben.

Nein, dieser Beruf war der Landwirts-Tochter Manuela Wedel (33) aus dem Landkreis Amberg-Sulzbach wahrlich nicht in die Wiege gelegt. Das 1,85 Meter große Mädchen war in jungen Jahren alles andere als eine Sportskanone, hatte keine Vorstellung vom künftigen Berufsleben und wurde daher eher zufällig erst mal Floristin. Eine Ausbildung , die ihr später bei der knallharten Tauglichkeitsprüfung der Münchner Berufsfeuerwehr im April 2003 unter 380 Bewerbern sehr geholfen hat.

In acht Minuten musste sie damals eine Schachtabdeckung zusammenzimmern – auch nicht viel anderes als eine Beet-Einfassung. Für den auf Männerkräfte ausgerichteten Sporttest (Bankdrücken, Gewichtheben etc.) hatte Manu zwei Jahre lang massiv trainiert. Das alles ist jetzt zehn Jahre her. Als eine von derzeit neun Frauen bei der Münchner Berufsfeuerwehr hat sich die Brandinspektorin mit Ehrgeiz, Professionalität und Durchsetzungskraft aber auch mit Fairness und ihrem fröhlichen Charme ihren Platz erkämpft: Und zwar auf dem Chefplatz im Führerhaus vorne rechts. Da, wo auf den Löschfahrzeugen die Verantwortlichen sitzen. Über ihren ungewöhnlichen Lebensweg und ihre vielfältigen Einsätze hat sie ein Buch geschrieben – auch, um anderen Frauen ein Vorbild zu sein. Denn die Regionalvertreterin der Feuerwehrfrauen in Bayern findet: „Wir sind viel zu wenige!“

Der Start als einzige Frau in der Abteilung war nicht leicht. Grobe Witze, unverhohlene Skepsis. Ob sie überhaupt einen Menschen tragen könne? Oh ja, das kann sie: „Wenn’s brennt, kann man schließlich nichts sagen: ,Sorry, heute haben wir leider die Frau dabei. Rufen Sie morgen wieder an!‘“ Die Schutz-Ausrüstung wiegt bis zu 25 Kilo, geübt wird an 80 Kilo schweren Puppen. Den 14-Tonnen-Laster fährt Manu genauso sicher wie die Männer. Das Einsatzspektrum ist gewaltig. Von der Ölspur über die Schwabinger Bombe bishin zu spektakulären Menschen-Bergungen hat die ausgebildete Rettungsassistentin alles erlebt. Berührungsängste sind da fehl am Platz. Manu hat kleinen und großen Männern geholfen. Die Kleinen steckten mit dem Kopf im Kochtopf fest, die Großen mit anderen Körperteilen noch ganz woanders. Lachen und Weinen liegen – wie im Leben eben – oft so nahe beieinander. Ein Gespräch mit den Kollegen nach belastenden Einsätzen hilft. Und darum heißt ein Kapitel in Manus Buch: „Echte Helden reden drüber.“ Mit Macho-Getue kann Manuela Wedel („Privat bin ich ganz anders“) überhaupt nichts anfangen: „Man muss ein bisserl auf sich aufpassen. Das gilt für jeden von uns.“ Vieles hat sich gebessert, auch der Ton. Nur eine bequeme Uniformhose im Damenschnitt gibt’s bis heute nicht: „Man hat in dem Ding einen Hintern wie ein Pferd. Der erste Lufthansa-Stewart ist doch auch nicht im Rock geflogen, oder?“

Heute arbeiten bei der Münchner Berufsfeuerwehr 1565 Leute. Neun davon sind Frauen. Vier davon arbeiten im Einsatzdienst. Aber nur eine ist Gruppenführerin: Manuela Wedel.

„Wo brennt‘s denn?“; Heyne Verlag, 237, Seiten, 8,99 Euro.

 

Dorita Plange

Auch interessant

Meistgelesen

Neue Großmarkthalle wird 40 Millionen teurer
Neue Großmarkthalle wird 40 Millionen teurer
Bewährung für Todes-Schubser, Haft für Maxvorstadt-Schützen
Bewährung für Todes-Schubser, Haft für Maxvorstadt-Schützen
Reiter und Herrmann verteidigen zweite Stammstrecke gegen 650 Gegner
Reiter und Herrmann verteidigen zweite Stammstrecke gegen 650 Gegner
An die ignoranten Münchner, die ihre Hunde frei laufen lassen
An die ignoranten Münchner, die ihre Hunde frei laufen lassen

Kommentare