Drama am Klinikum Bogenhausen

Margot Werner: Tödlicher Sturz

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Margot Werner starb im Alter von 74 Jahren nach einem Unfall.

München - Die österreichische Sängerin und Tänzerin Margot Werner ist in München gestorben. Die 74-Jährige hat sich nach tz-Informationen aus einem Fenster im dritten Stock einer Klinik gestürzt.

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Es war am Donnerstag vergangener Woche, als sich Margot Werner in die Obhut der Ärzte des Bogenhausener Klinikums begab. Die Ballettdiva wurde wegen psychischer Probleme stationär in die Neurologische Abteilung aufgenommen. Doch am Sonntagmittag war die Kraft und der Lebenswille der 74-Jährigen offenbar zu Ende: Sie stürzte sich nach tz-Informationen aus ihrem Zimmer im dritten Stock in den Tod.
Ein Arzt alarmierte die Polizei, nachdem er den leblosen Körper der Frau vor der Klinik entdeckt hatte. Für Margot Werner gab es keine Hilfe mehr, die Verletzungen waren zu schlimm.

Der 1937 in Salzburg geborene Bühnenstar starb in der Stadt an der Isar, die sie so liebte. München war neben Tirol zu ihrer zweiten Heimat geworden – und blieb es auch noch, als die finanzielle Not sie zu einer armen Frau machte (Seite 9).

Margot Werner: Ihr Leben in Bildern

Margot Werner: Ihr Leben in Bildern

Freunde machten sich zuletzt große Sorgen um die einstige Diva. „Dennoch konnte keiner ahnen, dass es um ihre Psyche so schlimm bestellt war“, sagte ein Bekannter zur tz. „Damit konnte keiner rechnen.“ Diese Einschätzung deckt sich auch dem Eindruck der Bogenhausener Ärzte, die für eine Rund-um-die-Uhr-Bewachung Werners keine Veranlassung sahen. Niemand wusste, wie verzweifelt sie offenbar war, als sie am Sonntag nach dem Mittagessen zum Fenster des ihres Krankenzimmers schritt.

Nach dem Todesdrama müssen vor der Beerdigung noch die kriminologischen Vorschriften abgearbeitet werden. Der Leichnam wird im Institut für Rechtsmedizin obduziert werden, bevor er zur Bestattung freigegeben wird. Oberstaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch sagt: „Nach derzeitigem Ermittlungsstand liegt kein Anhaltspunkt für ein Fremdverschulden vor.“

Stefan Dorner, Sebastian Arbinger

Ihr Leben war die große Bühne

„So ein Mann, so ein Mann“ – mit diesem Hit ist Margot Werner im Jahr 1977 berühmt geworden. Es war der Höhepunkt einer schillernden Karriere, die am vergangenen Sonntag so traurig endete: Die Balletttänzerin, Chansonsängerin, Schauspielerin und Entertainerin hat sich das Leben genommen. Die 74-Jährihe sprang aus dem 3. Stock des Klinikums Bogenhausen. Die tz erinnert an eine Frau, die für die große Bühne lebte und die in München tiefe Spuren hinterlassen hat.

Mit 17 das erste Engagement beim Bayerischen Staatsballett, drei Jahre später war sie Vortänzerin. Werner brillierte auch am Residenztheater, in der Philharmonie und bei Gastspielen in der Lach- und Schießgesellschaft. Auf der TV-Showbühne unterhielt sie Millionen an der Seite von Hans-Joachim Kulenkampff, Blacky Fuchsberger, Hans Rosenthal, Max Greger und Roberto Blanco. Margot Werner - ein Dalli-Dalli-Leben mit Erfolgen am laufenden Band in ihren besten Jahren. Und auch als es einsam und stiller um sie wurde, blieb sie unvergessen. Sie war Stammgast bei den Wagner-Festspielen in Bayreuth, zeigte sich an der Seite von Hannelore Kohl und Bundeskanzlerin Angela Merkel.

„Das will ich lernen“, hatte die kleine Margot als Vierjährige ihrer Mutter gesagt, als sie im Circus Krone eine Seiltänzerin in Spitzenschuhen und Tutu gesehen hatte. Werner wollte hoch hinaus und ist unbeirrt ihren Weg gegangen. Bis zum Tod, den sie frei wählte.

S.Arbinger, S. Dorner, A.-C. Karg

Das traurige Ende der Primaballerina

Margot Werner hatte schon einmal an dem Punkt gestanden, an dem sie nicht mehr weiter wusste, wie am Sonntag, wo sie ihrem Leben endgültig ein Ende setzte. Ziemlich genau zehn Jahre ist es her, dass sie ihre Villa in München verkaufen musste, die geliebte Wohnung in Salzburg verpfändete und alles aufgab, was jahrzehntelang zu ihrem Leben gehörte: die schönen Wohnsitze, in denen sie zusammen mit ihrem Mann Jochen Litt alt werden wollte, die schnittigen Autos, die sie zeitlebens gefahren hatte und den teuren Schmuck, den sie so gerne bei ihren großen Auftritten bei den Festspielen in Bayreuth getragen hatte.

Alles verloren mit der Entscheidung, ihr gesamtes Vermögen von 1,6 Millionen Euro in das Vier-Sterne-Hotel Berwanger Hof in Tirol zu investieren, das ihr Mann von seinen Eltern geerbt hatte. Die Pleite konnten sie nicht mehr abwenden, das gesamte Geld war weg. „Das wäre ein guter Augenblick gewesen, um unter der Linde in meinem geliebten Garten diese Welt zu verlassen. Aber ich hatte nicht die Courage dazu“, sagte Margot Werner Jahre später in einem Interview über diesen Tiefpunkt.

Sie habe alles gegeben und alles verloren – wovon sie ihren Mann ausdrücklich ausnahm. Denn ihrer Liebe konnte der Konkurs nichts anhaben. „Er ist eigentlich mein Alles. Der einzige wirkliche Pol in meinem Leben, der mir Geborgenheit gibt“, sagte sie 2007 über ihren Mann, mit dem sie seit 33 Jahren verheiratet war.

Dem Mann, mit dem sie zusammenhielt, als die Aufträge längst ausblieben, kein Geld für eine Krankenversicherung übrig blieb und das Ehepaar bei Freunden im Allgäu untergekommen war. „Stolz kann ich mir nicht mehr leisten“, sagte die Grande Dame des Chansons damals. Umso trauriger, dass Jochen Litt jetzt alleine zurückbleibt. In der Wohnung von Freunden in der Laplacestraße in Bogenhausen und gezeichnet von den vielen Operationen an Magen und Darm, denen er sich seit Jahren immer wieder unterziehen musste. Er ist vor lauter Schmerz über den Verlust kaum ansprechbar.

tz

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