Nach Klinik-Unfall gestorben

Mysteriöser Tod: Margot Werner wird obduziert

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Margot Werner starb im Alter von 74 Jahren nach einem Unfall.

München - Die österreichische Sängerin und Tänzerin Margot Werner ist in München gestorben. Die 74-Jährige ist am Montag bei einem Unfall ums Leben gekommen. Die Umstände ihres Todes sind mysteriös.

Am Donnerstag vergangener Woche hatte sich Margot Werner in die Obhut der Ärzte des Bogenhauser Klinikums begeben. Die Ballettdiva wurde wegen nervlicher Probleme stationär in die Neurologische Abteilung aufgenommen. Am Sonntagmittag gegen 13 Uhr waren die Kraft und der Lebenswille der 74-Jährigen offenbar erschöpft: Nach Informationen der tz stürzte sich die 74 Jahre alte Künstlerin aus ihrem Zimmer im dritten Stock des Krankenhauses in den Tod.

Ein Arzt alarmierte die Polizei, nachdem er den leblosen Körper der Frau vor der Klinik entdeckt hatte. Für Margot Werner kam jedoch jede Hilfe zu spät. Der 1937 in Salzburg geborene Bühnenstar starb in der Stadt an der Isar, die neben Tirol zu ihrer zweiten Heimat geworden war.

Schon einmal hatte Margot Werner an einem Punkt gestanden, an dem sie nicht mehr weiter wusste. 2005, als sie ihre Villa in München-Grünwald verkaufen musste und ihre Wohnung in Salzburg verpfändete. 1,6 Millionen Euro hatte Werner in das Vier-Sterne-Hotel „Bergwanger Hof“ in Tirol investiert, das ihr Mann Jochen Litt von seinen Eltern geerbt hatte. Doch das Haus ging pleite – und Werner verlor alles. „Das wäre ein guter Augenblick gewesen, um unter der Linde in meinem geliebten Garten diese Welt zu verlassen. Aber ich hatte nicht die Courage dazu“, sagte Margot Werner Jahre später in einem Interview über diesen Tiefpunkt.

Der Liebe zwischen Werner und Litt hatte der Konkurs jedoch nichts anhaben können. „Er ist eigentlich mein Alles. Der einzige wirkliche Pol in meinem Leben, der mir Geborgenheit gibt“,“, hatte sie 2007 über ihren Mann gesagt, mit dem sie bis zu ihrem Tod 33 Jahre verheiratet war.

Margot Werners schillernde Karriere hatte früh begonnen. Schon als Jugendliche stand sie auf der Bühne – zunächst als Balletttänzerin. Mit 17 Jahren war sie bereits Mitglied des Balletts an der Bayerischen Staatsoper in München, dessen Primaballerina sie einige Jahre später wurde.

Ihre zweite Karriere als Sängerin startete sie 1972, nachdem der Komponist Bert Grund, beeindruckt von ihrer dunklen Stimme, drei Songs für sie komponierte. Es folgten erste Konzerte und Chansonabende und eine Show in Sammy Drechsels „Münchner Lach- und Schießgesellschaft“. Ihr erstes Album „Und für jeden kommt ein Tag“ erschien 1974. Ihr größter Hit – „So ein Mann, so ein Mann“ – folgte 1977.

Mitte der 70er-Jahre eroberte sie mit der „Margot-Werner-Show“ schließlich den TV-Bildschirm und wurde als „interessanteste Neuentdeckung 1975“ mit der „Goldenen Europa“ ausgezeichnet. In der Show tanzte sie Tango mit Klaus Kinski und trat ein letztes Mal mit ihrem langjährigen Tanzpartner Heinz Bosl auf, dem sie nach der Scheidung von ihrem ersten Ehemann Peter Pasetti auch privat verbunden war. Wenig später starb Bosl im Alter von nur 27 Jahren. Margot Werner stürzte sich in die Arbeit: Der „Margot-Werner-Show“ folgte bereits ein Jahr später die TV-Show „Von Margot bis Montag“, zahlreiche Auftritte mit Entertainern wie Hans-Joachim Kulenkampff, Hans Rosenthal und Roberto Blanco schlossen sich an. Auch in Fernsehfilmen wirkte sie mit. Beispielsweise spielte sie an der Seite von Mario Adorf die Rolle der Mina in „Bomber und Paganini“. Georg Tabori holte sie für die Spelunkenjenny in der „Dreigroschenoper“ ans Residenztheater.

Margot Werner: Ihr Leben in Bildern

Margot Werner: Ihr Leben in Bildern

1978 heiratete sie zum zweiten Mal – den österreichischen Gastronomen Jochen Litt, der nun alleine zurückbleibt: in der Wohnung von Freunden in der Laplacestraße in Bogenhausen und gezeichnet von zahlreichen Operationen an Magen und Darm, denen er sich seit Jahren immer wieder unterziehen musste.

Noch bis in die 1990er-Jahre war Werner regelmäßig als Sängerin und Entertainerin aufgetreten, doch es wurde es zunehmend ruhiger um sie. Ihr Comeback-Versuch 2007 mit einem TV-Auftritt und neuer CD konnte nicht mehr an frühere Erfolge anknüpfen.

Das Rampenlicht suchte Werner jedoch auch danach noch, etwa im vergangenen Jahr, als sie sich mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und deren Gatten Joachim Sauer bei den Bayreuther Festspielen fotografieren ließ. Das Publikum dort hatte Jahr für Jahr in den Pausen geradezu darauf gewartet, dass Margot Werner in großer Robe, mit dramatischem Kopfputz erschien. Jahrzehntelang war Margot Werner ein treuer Festspielgast Wolfgang Wagners. Sie wollte gesehen werden – noch viel dringender aber die Werke hören, die sie kannte wie nur wenige Festspielgäste.

Der Leichnam der Tänzerin und Chansonniére wird nun im Institut für Rechtsmedizin obduziert, bevor er zur Bestattung freigegeben wird. Die Staatsanwaltschaft hat ein Todesermittlungsverfahren eingeleitet. Laut Oberstaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch liegt „nach derzeitigem Ermittlungsstand kein Anhaltspunkt für ein Fremdverschulden vor“.

Einer ihrer wichtigsten Weggefährten, der Musikproduzent Abi Ofarim, würdigte Margot Werner am Dienstag als „Riesentalent auf der Bühne“. Sie sei „die größte Persönlichkeit“ gewesen, die er je produziert habe.

Von S. Arbinger, S. Dorner, B. Kayser und T. Schäfer

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