Marienhof: Archäologen jubeln, Kaufleute sauer

+
Mauerreste aus vielen Jahrhunderten, alte Kanäle und Latrinen – der Marienhof ist für Archäologen ein kleine Schatzkammer

München - Die Baustelle am Marienhof im Herzen der Stadt, in der seit April das größte Ausgrabungsprojekt Süddeutschlands läuft, entpuppt sich als unerwartet große Fundgrube. Nicht alle freuen sich darüber.

Bayerns oberster Denkmalschützer, Dr. Egon Greipl, spricht angesichts der bisher entdeckten Schätze sogar von einer „kleinen Sensation für München“. Denn die Funde erzählen nicht nur spannende Geschichten aus vergangenen Jahrhunderten, sondern belegen zum Beispiel auch, dass die Münchner weit früher als bisher angenommen das Land außerhalb des innersten Stadtkerns besiedelt hatten.

So verändert München sein Gesicht

So verändert München sein Gesicht

Doch die Archäologen sind derzeit wohl die Einzigen, die sich über das fußballfeldgroße Loch am Marienhof freuen können. Für die Geschäftsleute der City ist es eine Katastrophe. Die Kundschaft schätzte während des Einkaufsbummels ein Plätzchen zum Verweilen, wie es der Marienhof mit seinem Grün bis zum Baubeginn war. Wer jetzt Grün sehen will, der muss schon in den Englischen Garten gehen.

Das stinkt auch den Politikern. Zumal niemand weiß, wie es mit der Baustelle überhaupt weitergeht. Skeptiker fürchten, die staubige Mitte könnte zum Dauerzustand werden.

Tatsache ist: Die Zukunft der Grube ist eng mit der Realisierung der zweiten S-Bahn-Stammstrecke verknüpft. Zwar soll bis Ende des Jahres entschieden sein, ob der geplante Paralleltunnel zur bestehenden Röhre kommt. Aber es gibt nach wie vor Probleme mit der Finanzierung. Weil München die Olympischen Spiele 2018 nicht bekommen hat, gibt’s ja keinen Sonder-Geldtopf.

Die Grünen und die FDP im Münchner Stadtrat würden deshalb das Riesenloch lieber heute als morgen – also wenn die archäologischen Grabungen beendet sind – wieder zuschütten. Die Pläne für eine Neubegrünung liegen eh schon seit vier Jahren in den Schubladen des Baureferats.

Die Rathaus-SPD, größter Verfechter der zweiten Stammstrecke, will ihre Pläne dagegen nicht so schnell begraben. Gibt’s kein Geld vom Bund, soll aber ein Provisorium her. Damit sich die ­Münchner wieder am Marienhof aufhalten können. Fürs Erste bleibt der Marienhof aber noch eine Fundgrube.

tz

Auch interessant

Meistgelesen

Kommentare