Wegen 2. Stammstrecke:  Marienhof wird umgepflanzt

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Die Bahn will die Bäume am Marienhof umpflanzen.

München - Für den Bau der zweiten Stammstrecke muss die Bahn die 38 Bäume am Marienhof umpflanzen. Die Anwohner fühlen sich überrumpelt.

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Die Bahn soll die 38 japanischen Schnurbäume am Marienhof umpflanzen, damit der Untergrund archäologisch untersucht werden kann. Das hat das Eisenbahn-Bundesamt angeordnet. Dies ist Voraussetzung für den Bau der zweiten S-Bahn-Stammstrecke. Inhalt der „Anordnung der sofortigen Teilvollziehung“ ist aber nicht nur die Verpflanzung der Bäume: Weiterhin sollen die Hecken weg, ein Bauzaun aufgestellt und „die Möblierungen von den Betonfundamenten“ getrennt werden. Zudem soll ein 16-Tonnen-Bagger Boden abtragen. Dabei könne es laut werden, räumt das Eisenbahn-Bundesamt in der Anordnung ein. Doch seien die der Bahn vom Verwaltungsgerichtshof auferlegten Schallschutzauflagen bei diesen Arbeiten nicht zu berücksichtigen, da es sich um „Arbeiten vor den eigentlichen Bautätigkeiten“ handelt, wie es in dem ­Schreiben steht.

„Wir sind entsetzt über diese Nebelkerzenpolitik“, sagte am Donnerstag Wolfgang Fischer von der Unternehmervereinigung City Partner. Er vermutet eine „salamitaktik-artige Umgehung der Lärmschutzauflagen“. Rechtsanwalt Dr. Wolfgang Leitner, der im Namen von zwölf Anliegern Ende Januar bessere Lärmschutzmaßnahmen vor den Verwaltungsgerichtshof erkämpft hat, zeigte sich am Donnerstag „völlig überrumpelt“. Dass keiner im Vorfeld mit den Anliegern gesprochen habe, sei ein Skandal. „Wir behalten uns vor, sofortigen Rechtsschutz zu beantragen“, sagte Leitner. Zunächst aber will er Akteneinsicht.

Bei der Bahn dagegen sieht man in dem Verpflanzen der Bäume und den Aushubarbeiten kein Problem: „Wir schaffen ja damit keine vollendeten Tatsachen. Wenn es nichts wird mit der zweiten Stammstrecke, können wir die Bäume zurückpflanzen“, sagte am Donnerstag Michael Baufeld, Bahnsprecher für Großprojekte. Die 38 Bäume kämen nach dem Ausbuddeln in eine städtische Baumschule, weil sie danach erst einmal intensive Wurzelpflege brauchen. Ein neuer Standort, an dem sie dann wieder festwachsen können, stehe noch nicht fest, so Baufeld.

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Der Bahnsprecher ist schon gespannt, was der Bagger alles zutage bringt: „Unter dem Marienhof werden Teile der ältesten Stadtsiedlung vermutet“, erklärte er. Dort sollen Gemäuer aus dem 11. und 12. Jahrhundert und Reste einer jüdischen Siedlung aus dem 13. Jahrhundert sein. Was transportabel sei, wolle man bergen, den Rest vor der Zerstörung dokumentieren – wie es das Denkmalschutzgesetz vorschreibt. Die Bahn will die Grabungen zudem „erlebbar“ machen: „Die Münchner sollen den Archäologen zuschauen können“, sagt Baufeld.

Bevor die Bäume verpflanzt werden können, müssen das Planungsreferat und das Baureferat der Stadt München zustimmen.

Susanne Sasse

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