Sachsens Ministerpräsident Tillich tritt zurück

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Und das soll unser Christbaum sein?

München - Oh mei, was für ein zerrupftes Ungeheuer haben sie uns denn da auf den Marienplatz gestellt? Die karge, windschiefe Fichte soll beim Christkindlmarkt Weihnachtsstimmung in unsere Herzen zaubern.

Ein Grund zum Feiern? Am Montag wurde der Christbaum aufgestellt.

Dabei ist es, man muss es einfach so sagen, wohl der greisligste Christbaum seit langem! Selbst Tourismusamtschefin Gabriele Weishäupl gab gegenüber der tz zu: „Er schaut scho zerfranst aus. Aber er ist ja ein Geschenk, da darf man eigentlich nichts sagen...“ Aus Aschau im Zillertal stammt die zirka 25 Meter hohe und sechs Tonnen schwere Fichte. Stolz berichten die Tiroler Nachrichten, wie ihr „prächtiger Baum“, ein „Zillertaler Urgestein“, ausgewählt wurde und nun „ein märchenhaftes Ende“ als Christbaum nehme.
Was da aber am Montag um 5.45 Uhr morgens auf dem Marienplatz angekarrt, in einem Bodenloch versenkt und befestigt wurde, schaut schon beängstigend ärmlich aus. Der Aschauer Bürgermeister Andreas Egger meinte fast entschuldigend zur tz: „In der Natur ist eben nicht alles maßgeschneidert. Wir haben unser Bestes versucht.“ Sie hätten ja auch schönere Bäume gehabt, daheim in Aschau. Aber die wachsen so weit oben auf dem Berg - da wäre es unmöglich gewesen, sie zu transportieren. „Unsere Fichte ist ja auch schon 120 Jahre alt. Sie musste für den Transport zusammengeschnürt werden, da hat sie einige Äste verloren. Die Stadt München hat uns aber versprochen, das wieder zu richten.“

Tatsächlich bemühten sich Arbeiter lange, das zerzauste Skelett buschiger zu machen: Dezent wurden Löcher in den Stamm gebohrt und extra Äste hineingeschraubt. Den Brauch der Christbaum-Spende gibt es übrigens seit 1978, weiß Organisator Hans Steindl. „Die Gemeinden bewerben sich bei uns, die Warteliste reicht schon bis ins Jahr 2025.“ Die Gemeinde sucht den Baum aus und organisiert den Transport, die Feuerwehr stellt den Baum auf, und schließlich verschönern ihn städtische Arbeiter. Steindl: „Da ist halt manchmal eine kleine Kosmetik nötig.“ Als Dank für ihr Geschenk darf die Gemeinde im Prunkhof des Rathauses für sich als Touristen-Ziel werben.

Bilder von der Christbaum-Aktion 2010

Münchens neuer Christbaum

Judd Chlof nennt den Baum "Hungerfichte".

In den vergangenen Jahren kamen die Bäume etwa aus Garmisch-Partenkirchen, Samerberg, Tegernsee, Bad Reichenhall und Murnau. Unter den Münchnern sind die Marienplatz-Bäume schon lange als eher hässlich verschrien. „Es wurde mal einer als Ekel-Fichte bezeichnet“, erinnert sich Weishäupl. Mal kam ein Baum ohne Äste an, mal ohne Wipfel, mal war einer gefroren und zerbrach. „Da mussten wir Ersatz aus dem Forstenrieder Park holen.“ Immerhin: Wenn im Advent die 2500 Lichter montiert sind und leuchten, dann wird auch die Aschauer Fichte bestimmt schön ausschauen - im Dunkeln.

Die tz befragte Passanten nach ihrer Meinung: "Er sieht so traurig aus und lässt die Äste ja hängen! Eine richtige Hungerfichte. In England haben wir starke Bäume und nicht so etwas Kümmerliches", sagt Judd Chlof (25), Administratorin aus England. "Ich glaube nicht, dass ich je so einen hässlichen und schiefen Baum gesehen habe. Ist das ein Mahnmal gegen das Waldsterben?", fragt Patricia Kitzelmann (36), Historikerin. Und David Wunderlich (16) und Lilly Nägele (17), Schüler aus München, finden: "Furchtbar hässlich! Nur vor sechs Jahren war der Baum noch schlimmer. Aber auch die Scheußlichen haben eine Chance im Leben verdient...

Andrea Stinglwagner

Rubriklistenbild: © Westermann

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