Wir werfen einen Blick zurück

Marienplatz: Die Geburt des Münchner Herzens

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Der Marienplatz von oben.

München - Die Pläne der Stadt, den Marienplatz zur Fußgängerzone zu machen, sind Grund genug für die tz, in den Geschichtsbüchern der Stadt zu forschen, wie Münchens Herz entstand und wie es sich im Lauf der Jahrhunderte entwickelte.

Es ist so gut wie beschlossene Sache: Der Marienplatz soll eine Fußgängerzone werden, die ihren Namen verdient. CSU und SPD planen, Taxis, Busse und Fahrräder aus Münchens guter Stube zu verbannen. Diese Pläne sind Grund genug für die tz, in den Geschichtsbüchern der Stadt zu forschen, wie Münchens Herz entstand und wie es sich im Lauf der Jahrhunderte entwickelte.

Wir schreiben das Jahr 1158, als der bayerische Herzog Heinrich der Löwe beschließt, die Brücke des Freisinger Fürstbischofs in Unterföhring abzubrennen, um ein paar Kilometer flussaufwärts eine neue Brücke zu errichten – und die Handelswege auf sein Territorium zu verlegen. Heinrich gründet da, wo an einem Seitenbach der Isar auf dem Petersbergerl ein kleines Kloster („Forum Apud Munichen“) steht, eine neue Stadt. Von Anfang an ist der heutige Marienplatz das Zentrum der Stadt. Hier kreuzt sich nach der von Heinrich dem Löwen erzwungenen Verlegung die von Salzburg nach Augsburg führende Salzstraße mit der Handelsroute aus dem Norden über die Alpen nach Italien. Kaiser Friedrich I. Barbarossa erlaubt noch 1158, dort Markt zu halten.

Der Marienplatz mit den Landschaftshäusern von 1566.

Kaiser Ludwig der Bayer gewährt 1315 der Stadt weitgehende Privilegien unter der Auflage, dass der „Marktplatz“ unbebaut bleibe, und zwar „auf ewige Zeiten“. Als „Freiung“ wird der Platz städtisches Territorium. Dort dürfen Eier, Wein, Fisch und Getreide gehandelt werden. Wegen des Getreidemarktes bürgt sich der Name „Schrannenmarkt“ ein, der sich bis ins 19. Jahrhundert hält. Der heutige Fischbrunnen vor dem Neuen Rathaus erinnert noch an den Standort der mittelalterlichen Fischbuden. Außerdem stehen auf dem Platz im Mittelalter der Pranger und ein Holzesel, auf den sich Diebe oder Ehebrecherinnen verkehrt herum setzen mussten. Als einziges Bauwerk am Marienplatz erinnert noch heute das 1470 bis 1480 errichtete und im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigte Alte Rathaus ans Mittelalter.

Da, wo heute das Neue Rathaus steht, werden 1566 die Landschaftshäuser errichtet, quasi der Landtag des damaligen Herzogtums Bayern.

Und nachdem die Schweden im 30jährigen Krieg München verschonen, lässt Kurfürst Maximilian I. 1638 zum Dank die Mariensäule errichten – was damals als Affront des Landesherrn gegenüber der Stadt aufgefasst wird, da der Platz doch der Bürgerschaft gehört – Dissonanzen, wie sie noch heute zur Tagesordnung gehören.

Johannes Welte

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