Sanierungspläne fürs Untergeschoss

Marienplatz: Großbaustelle bis Ende 2014

+
Der Marienplatz im Herzen der Stadt wird zur Großbaustelle.

München - Es wird eine schwierige Operation - quasi am offenen Herzen: Dem Marienplatz stehen die größten Sanierungsarbeiten seit vier Jahrzehnten bevor. Der Startschuss fällt unmittelbar nach der Wiesn,

Voraussichtlich geht's zwischen 4. und 10. Oktober los, gewerkelt wird bis Ende 2014. Was das genau bedeutet, erfuhren die Anlieger jetzt bei einer internen Präsentation im Rathaus. Dieses brisante Informations-treffen hatten die Stadtmarketinggesellschaft "Citypartner" und die IHK organisiert. Der Großeingriff lasse sich nicht länger aufschieben, sagte der Projektleiter der Stadtwerke, Markus Schöning: "Der schlechte Zustand des Bauwerks zwingt uns zum Handeln."

So  schaut’s jetzt aus: unübersichtlich und marode. Nach 40 Jahren sind die Decken undicht.

Am Marienplatz-Untergeschoss nagt der Zahn der Zeit. Schließlich war es bereits 1968 bis 1971 aus dem Boden gestampft worden, ist damit schon über 40 Jahre alt. Schöning: "Wir haben in den letzten Jahren immer mehr Schäden festgestellt." Vor allem die veraltete Deckenkonstruktion  bereitet den Ingenieuren Sorgen. Sie ist undicht. Durch die Fugen zwischen den Platten aus Spannbeton dringt Feuchtigkeit ins Innere des Zwischengeschosses - von wo aus man die U- und S-Bahnen erreicht. Die Feuchtigkeit frisst sich regelrecht in die Decke.

So soll es sein: Die Animation zeigt den Architektur-Siegerentwurf für das neue Untergeschoss am Marienplatz.

Entstanden sind die Schäden vor allem im Winter. Denn bei Schnee und Eis wird auf dem Marienplatz viel Salz gestreut. Mit dem Schmelzwasser versickern sehr aggressive, chloridhaltige Verbindungen. Auch die sechs Eingänge an der Diener-, Wein-, Kaufinger- und Burgstraße sowie im Tal und am Rindermarkt haben darunter sichtlich gelitten. Das Motto lautet: Sanierung statt Flickschusterei. Deshalb nehmen die Stadtwerke auch den Umbau des Untergeschosses in Angriff. Es soll heller werden - und aufgeräumter. Breitere Flure, damit sich die Pendler leichter orientieren können.

2. Stammstrecke am Marienhof: Was die Ausgrabungen alles zum Vorschein bringen

Marienhof: Was die Ausgrabungen alles zum Vorschein bringen

Die Kioske im zentralen Bereich verschwinden, in der Stadtwerke-Zentrale arbeiten die Juristen bereits an den Kündigungsschreiben. Sie gehen im Herbst in die Post. Und wenn sie schon mal beim Bauen sind, dann wollen die Verkehrsbetriebe gleich noch die Technik in ihrem U-Bahnhof auf den neuesten Stand bringen. Immerhin verkehren unterm Marienplatz mit der U3 und der U6 zwei Linien mit besonders hohem Passagieraufkommen. Auch die S-Bahn plant Modernisierungen.

Das Konzept für die Großbaustelle stammt von "Böhm Glaab Sandler Mittertrainer". Das Münchner Planungsbüro hatten den Zuschlag nach einem eineinhalbjährigen Architektenwettbewerb erhalten. Der soll sich auszahlen. Markus Schöning von den Stadtwerken frohlockt: "Wir wollen das Herz Münchens bereichern."

Umschlagplatz neben Fischbrunnen

Buddeln auf die sanfte Tour - die Stadtwerke wollen die Sanierung am Marienplatz bei "laufendem Betrieb" durchziehen. Aus dem Bürokratendeutsch übersetzt heißt das: Die Firmen werkeln nicht an vielen Stellen gleichzeitig, sondern arbeiten einzelne Abschnitte nacheinander ab. U- und S-Bahnen verkehren wie gewohnt, auch Großveranstaltungen sollen weiterhin normal über die Bühne gehen.

"Wir bemühen uns, die Beeinträchtigungen so gering wie möglich halten", verspricht Projektleiter Schöning. Trotzdem bleiben viele Anlieger skeptisch. Das liegt vor allem für die geplanten "Baulogistikfläche" neben dem Fischbrunnen: ein zehn Meter langer und 17 Meter breiter Umschlagplatz mit einem hohen Zaun drum herum. Von dort aus wollen die Firmen ab August 2012 bis Ende 2014 die Baumaterialen ins Untergeschoss transportieren. Nachts wird der Umschlagplatz noch größer. Zwischen 22.30 und 10.15 Uhr rollen die Lastwagen an. Ein Ladeninhaber: "Wenn unser Geschäft zweieinhalb Jahre hinter einem Bauzaun versteckt wird, können wir zusperren. Diesen Umsatzeinbruch überleben wir nicht." Die Stadtwerke sehen keine andere Möglichkeit, die Baustelle zu organisieren: "Es geht nur an dieser Stelle."

Die Sanierungsphasen im Einzelnen:

Die undichten Fugen werden in den Jahren 2012 und 2013 erneuert - jeweils zwischen März und Oktober.

Die Arbeiten an den sechs Eingängen beginnen nach der Wiesn. Es wird immer nur einer gesperrt. Für jeden benötigen die Arbeiter vier bis fünf Monate.

Die Hauptbauphase startet im August 2012, im Untergeschoss geht’s ab Oktober 2012 los.

Andreas Beez

Auch interessant

Meistgelesen

U-Bahn-Attacke: Kolumbianische Studenten von Trio verprügelt
U-Bahn-Attacke: Kolumbianische Studenten von Trio verprügelt
Münchnerin (20) belästigt, begrapscht und beklaut
Münchnerin (20) belästigt, begrapscht und beklaut
Nach Hunde-Attacke: Jetzt spricht die Mutter von Isabelle (6)
Nach Hunde-Attacke: Jetzt spricht die Mutter von Isabelle (6)

Kommentare