So chaotisch war es damals

Marienplatz verkehrsfrei? Historisches Video aus den 20er Jahren

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Der Marienplatz in den 20er Jahren.

München - Der Marienplatz soll bald zur reinen Fußgängerzone werden. In den 20er und 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts war genau das Gegenteil der Fall, wie ein beeindruckendes Video beweist.

Taxis raus, Busse raus - und Radler raus: Der Marienplatz soll komplett zur Fußgängerzone werden. Dabei war das Verkehrstreiben im Herzen der Stadt in den vergangenen Jahren gar nicht einmal so hoch, wenn man es mit den Szenen vergleicht, die sich vor dem Neuen Rathaus vor 80 bis 90 Jahren abspielten.

Im Internet kursiert ein Video, das spannende Bewegtbilder aus den 20er und 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts zeigt. Damals war das Treiben auf dem Marienplatz noch viel, viel chaotischer als heute: Es fuhren Kutschen, Trambahnen und vereinzelt auch schon Autos - von einer besonders austarierten Verkehrsführung konnte damals nicht die Rede sein, wie man in den ersten Sequenzen des Videos sehen kann.  

Weiter vorne, am Stachus, rollten durch das Karlstor ebenfalls Trambahnen, Autos und Fahrräder. Jahrzehnte später, in den 50ern und 60ern, sollte der Stachus sogar der verkehrsreichste Knotenpunkt Europas werden. Auf den Bildern aus den 20ern faszinierend zu sehen, wie sich Mensch und Maschine tatsächlich den gesamten Karlsplatz teilen - Fußgänger, Autos und Trambahnen kreuzen die Wege - Kollisionen sind auf dem Schwarz-Weiß-Dokument zum Glück keine zu erkennen, eigentlich ein Wunder. Beinahe genauso belebt geht es auf der Ludwigstraße zwischen Feldherrnhalle und Siegestor zu.

Ebenfalls ein rührendes Stück Zeitgeschichte sind die Trambahnritzenreinigungsdamen am Lenbach- und Promenadeplatz oder die Außen an den fahrenden Trambahnen hängenden Burschen, die unbedingt noch ein Plätzchen auf den vollbesetzten Wägen ergattern wollen.

Später im Video sieht man dann doch noch einige Unfälle zwischen Fußgängern, Radfahrern und Autos - allerdings handelt es sich hierbei mit hoher Wahrscheinlichkeit um bewusste Stunts für Dreharbeiten. Mindestens genauso spektakulär ist die Szene, wie ein Kleinflugzeug unter einer Isarbrücke hindurchfliegt, während obendrüber ganz normal der Verkehr fließt. Verrücktes, liebenswertes München!

Nehmen Sie sich die sechs Minuten Zeit und schauen sich das Video an - es lohnt sich!

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