Weiter, immer weiter

Mariss Jansons spricht über die Zukunft

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Mariss Jansons.

München - Mariss Jansons spricht über die Zukunft - über BR-Symphoniker, Privatleben und Konzertsaal. Wir dokumentieren einige Auszüge aus seiner Rede.

Mariss Jansons ist kein Mann der leeren Worte und hohlen Gesten. Was der Chefdirigent der BR-Symphoniker anpackt, das macht er mit Leidenschaft und Kraft. „Weiter, immer weiter“ ist sein Motto – passend dazu die Collage oben aus dem wunderbaren Programmheft der neuen Spielzeit. Auf der Pressekonferenz zur Saison 2014/15 sprach der 71-Jährige voller Hoffnung über seine „Lebensaufgabe“, wie er den Bau eines Konzertsaals für seine Musiker nennt. Und die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt (siehe Kreis) …

Matthias Bieber

Hier einige Auszüge aus Mariss Jansons Rede:

- „Ich bin mir nicht sicher, ob wir international schon die Position haben, die wir verdienen. Das braucht viel Zeit, und Tourneen sind sehr wichtig. Aber wir sind uns wohl einig, dass das Orchester einen ganz anderen Platz einnimmt als vor zehn Jahren. Und die Abozahlen haben wir auf 11 000 verdreifacht.“

- „Das Prinzip ist, die besten Dirigenten zu Gast zu haben und die besten Solisten. Je besser die Gäste, desto stärker wächst das Niveau der BR-Symphoniker.“

- „Ich habe 48 Jahre lang ununterbrochen dirigiert und studiert. Wenn mich jemand fragt: ,Mariss, was hast du von der Welt gesehen?‘, dann müsste ich sagen: Gesichter und Partituren. Ich muss langsam denken: Wie geht’s weiter? Ich brauche mehr Freizeit, ich möchte reisen, mir die Welt anschauen. Ich möchte Italienisch perfekt lernen, auch für die Oper. Ob ich an der Staatsoper dirigieren werde? Da ist bisher noch nichts geplant.“

- „Es fiel mir sehr, sehr schwer, mich vom Concertgebouworkest nach der kommenden Saison zu trennen und nur noch die BR-Symphoniker als Chef zu leiten. Die Concertgebouw-Musiker waren sehr unglücklich und schockiert, haben aber meine Entscheidung mit Würde akzeptiert. Das hat mir viel gegeben.“

- „Warum die Entscheidung für München und gegen Amsterdam? Weil ich es als Lebensaufgabe sehe, für mein Orchester endlich einen eigenen Konzertsaal zu bekommen. Ich fühle, dass das meine Pflicht ist. Wenn ich weggehe, kann die Sache schiefgehen. Das ist wie ein Radargerät auf der Autobahn – bloß andersrum: Man muss schauen, dass man nicht zu schnell fährt. Beim Konzertsaal in München muss man schauen, dass man nicht zu langsam fährt.“

- „Der Saal hat mir mehr Aufs und Abs beschert als ein Komponist. Jetzt sind gute Zeiten! Vielleicht wird das langsam vorangehen, aber er wird kommen. Nürnberg kriegt einen neuen Saal. Es wäre eine Blamage für München, wenn die fertig werden und wir nicht. Ich habe mit Kunstminister Spaenle gesprochen, er hat den Auftrag zur Standortsuche von Ministerpräsident Seehofer bekommen. Ich glaube, der Finanzgarten hat bei Spaenle Priorität. Mit Münchens neuem OB Dieter Reiter gab’s noch kein Gespräch. Aber man sagt, er sei positiver zu dieser Thematik eingestellt als sein Vorgänger.“

- „Ich habe keinen Druck ausgeübt und das Bleiben in München vom Konzertsaal abhängig gemacht. Das wäre Primadonnen-Gehabe, so bin ich nicht.

- „Ich habe große Sorge, dass Radio Bayern 4 Klassik als UKW-Welle abgeschafft wird. Ich kann nur hoffen, dass nichts passiert, um der Klassik zu schaden. Warum muss man dem einen etwas wegnehmen und dem anderen geben? Warum soll der Jugendsender nicht im Digitalen bleiben? Es ist traurig, aber wie immer wird an der Kultur gespart. Die Digitalisierung ist die Zukunft, dagegen verschließen wir uns nicht. Aber wenn der Übergang zu abrupt ist, führt das zu Zuhörerschwund.“

- „Ich habe Komponisten-Phasen: Das waren Haydn, Brahms, Beethoven, Richard Strauss. Nicht, dass ich sie jetzt nicht mehr lieben würde, aber es kommt immer ein Neuer. Derzeit ist Bruckner meine Krankheit.“

tz

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