Markus S. (25): Der Sohn, der seine Eltern tötete

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Reinhold S. flüchtete ins Gasthaus Neuwirt, doch Markus stach erneut zu

München - Markus S. spricht vor Gericht ganz leise, der 25-Jährige wirkt schüchtern und unsicher. Doch dieser junge Mann hat vor fünf Jahren seine Mutter und später auch seinen Vater erstochen.

Nun wird seine traurige Geschichte, die mit Drogenmissbrauch begann und im Wahn endete, hinter verschlossenen Türen vor der 2. Strafkammer des Landgerichts München I aufgearbeitet.

Die Eltern waren angesehene Leute in Unterföhring. Vater Reinhold (†57) betrieb ein zoologisches Fachgeschäft, Mutter Inge († 50) kümmerte sich liebevoll um ihre drei Kinder. Nesthäkchen Markus kam in seiner Jugend mit verschiedenen Drogen in Kontakt. Möglicherweise war es ein LSD-Trip, der ihn aus der Bahn warf. Er litt unter Halluzinationen, war deshalb schon 2004 kurzzeitig in der Psychiatrie in Haar.

Doch im Mai 2006 – Markus hatte seine Medikamente in Absprache mit seiner Therapeutin abgesetzt – brach die alte Psychose wieder aus. Die Mutter machte sich Sorgen, wollte mit ihm zum Arzt fahren. Doch kurz bevor er ins Auto steigen sollte, zückte er ein Messer und stach damit auf Inge S. ein. Sie habe ihn vergiften wollen, behauptete er gegenüber der Polizei. Zwei Monate später erlag sie ihren schweren Verletzungen.

Im Dezember 2006 ordnete die Jugendkammer des Landgerichts die Einweisung des schuldunfähigen Täters in die Psychiatrie an. Als Gefahr für die Allgemeinheit sollte er eigentlich sicher untergebracht werden. Doch die Ärzte hielten ihn bald für nicht mehr gefährlich. Ein folgenschwerer Irrtum. 2010 kam Markus in eine therapeutische Wohngruppe. Er durfte regelmäßig seinen Vater besuchen.

Am 16. November tickte er wieder aus: Er holte in der Küche ein langes Messer und stach mehrmals auf den wehrlosen Reinhold S. ein. Der schwer verletzte Mann konnte zwar noch in die benachbarte Gaststätte Neuwirt flüchten, Markus folgte ihm und fügte seinem Vater zwei weitere wuchtige Stiche zu, ehe ein Koch ihn entwaffnete. Reinhold S. starb am Tag darauf in der Klinik.

Markus hatte am Tattag unter Bauchweh gelitten. Den Ermittlungsbeamten gab er an, er habe geglaubt, sein Vater habe ihn vergiften wollen. Wie einst bei der Mutter.

Auf Antrag seines Verteidigers Bernhard Beer schloss das Gericht (Vorsitzender Norbert Riedmann) die Öffentlichkeit aus. Staatsanwältin Elisabeth Ehrl hatte sich erfolglos gegen den Antrag zur Wehr gesetzt. Wie die tz erfuhr, hat Markus S. über seinen Anwalt ein Geständnis abgelegt. Der Prozess geht weiter.

Eberhard Unfried

Warum hielten die Ärzte ihn für harmlos?

Wie kann ein junger Mann, der schon seine Mutter umgebracht hat, erneut töten? Diese Frage müssen sich die Ärzte von Markus S. (25), der derzeit wegen Mordes an seinem Vater vor Gericht steht, gefallen lassen. Markus leidet unter paranoider Schizophrenie. Im Wahn hatte er 2006 seine Mutter erstochen. Weil er laut Gutachten eine „Gefahr für die Allgemeinheit“ darstellte, ordnete ein Gericht die Unterbringung in der Psychiatrie an.

Aber schon drei Jahre später, weiß sein Anwalt Bernhard Beer, hatte er wieder Ausgang aus der Klinik in Haar. Ohne Begleitung! im Sommer 2010 hielten die Ärzte den 25-Jährigen für stabil genug, um ihn in einer therapeutischen Wohngruppe unterbringen zu können. Er hatte freien Ausgang. Ein verhängnisvoller Fehler! Mit derselben Wahnidee wie bei seiner Mutter tötete er auch den wehrlosen Vater.

tz

 

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