Er schreibt über unsere schönen Viertel

Martin Arz: Der Spurensucher der Stadt

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Martin Arz (50) schreibt München-Krimis – und Stadtteilführer für Eingeweihte. Hier will er nie mehr weg

München - Vor 30 Jahren zog Martin Arz aus Würzburg nach München. Im Laufe der Zeit entwickelte sich eine solch große Liebe zur Stadt, dass der 50-Jährige begann, Bücher über München zu schreiben.

Martin Arz lacht sich heute noch kaputt. Er traf mal Menschen von auswärts, die ihm sagten, wie spießig sie München fänden. Als Martin Arz fragte, wo sie her seien, sagten sie: Köln. Ausgerechnet Kölner, wirklich ein grandioser Witz. Wo es für Martin Arz doch nichts Spießigeres gibt als Köln. „Dieses ewige Draufklopfen auf unsere Stadt, das dauernde München-Bashing landauf, landab, allmählich finde ich es zum Kotzen“, sagt Arz. Obwohl auch er selbst seine Zeit gebraucht hatte, um sich anzufreunden mit München. Als er hierher kam vor genau 30 Jahren, und nicht im Traum daran dachte, einmal ein gefragter Autor zu werden. Als Schreiber und Beschreiber Münchens und seiner Stadtviertel.

1983, mit 20, zog Arz aus Würzburg hierher, von Unterfranken nach Obersendling. Dort lebte er in einer WG, studierte Kunstgeschichte und Theaterwissenschaften, wollte erst Regisseur werden, dachte an großes Kino und wähnte sich anfangs im falschen Film. „Die Stadt und ihre Menschen waren mir fremd“, sagt er. Er arbeitete als PR-Berater für einen Fast-Food-Konzern, aber bis zur München-Liebe dauerte es.

Arz beschränkte sich auf die Kunst, es ging in Richtung Pop-Art, und dann, als er sich arrangiert hatte und 1993 ins Glockenbachviertel zog, begann er mit dem Schreiben. Mit München-Krimis. Mit seinen Helden, dem Hobbydetektiv Felix von Schwind und dem Kriminalrat Max Pfeffer. Satirisch, spannend und manchmal rabenschwarz. Aber noch schwärzer ist seine neue Buchreihe. Optisch zumindest. Reiseführer durch die Viertel. Der dritte, über Haidhausen, kommt jetzt. Alle veröffentlicht in Arz’ Ein-Mann-Verlag Hirschkäfer, alle in unverwechselbarem Aussehen. Schwarzer Umschlag, weiße Schrift. Und alle mit dem Zusatz: „Reiseführer für Münchner.“ Für die, die ihre Stadt und deren Teile näher kennenlernen wollen. Auf Spurensuche in den kleinen Nebenstraßen. Episoden, Exkurse, Entdeckungen. Unterhaltsames zum Erkunden der eigenen Stadt mit Details bis hin etwa zu den Drehorten von Kultserien wie Die Hausmeisterin und Polizeiinspektion 1: Balanstraße 19, Bazeillesstraße 21.

Anfang Juli feierte Martin Arz 50. Geburtstag. Er bekam Besuch aus der ganzen Republik. Nachmittags führte er seine Gäste durch Haidhausen, durch sein Buch. „Die waren alle begeistert“, sagt Arz, „da haben sie München einmal mit anderen Augen gesehen.“ Mit eigenen Augen.

Auch von Martin Arz: "Unser München": Münchner Stadtteile im Porträt

"Unser München": Münchner Stadtteile im Porträt

Auf den Erkundungstouren für seine Bücher selbst so viel Neues zu erleben, ist für ihn ein besonderer Reiz. Und zuzusehen, wie sich die Stadt wandelt. „Mir gefällt nicht jede Veränderung, aber mir gefällt München besser als vor 30 Jahren. München ist offener geworden, freundlicher, liebenswerter.“ Entgrantelt.

Es warten weitere Viertel auf ihr Buch. Giesing, Westend, Neuhausen stehen an. „Wo sollte ich auch hinziehen? Innerhalb Deutschlands gibt es keine Alternative.“ Berlin? „Völlig überschätzt.“ Hamburg? „Schön, aber zu schlechtes Wetter, und zu kalt von der Atmosphäre.“

Nach Köln? Köstlich.

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Florian Kinast

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