Es trifft immer mehr Erwachsene

Masern-Schock: 40 neue Fälle in München

München - Nora H. (36) seit einer Woche mit hohem Fieber auf der Isolier-Station im Klinikum Rechts der Isar. Sie ist nicht die einzige Masern-Betroffene. Die Stadt warnt: Die Masern grassieren – und treffen vor allem Erwachsene.

Nora H. (36) aus Haidhausen: Sie liegt seit einer Woche mit Masern im Krankenhaus

Angefangen hat alles mit Gliederschmerzen. Jetzt liegt Nora H. (36) seit einer Woche mit hohem Fieber auf der Isolier-Station im Klinikum Rechts der Isar. Nicht mal ihre Kinder dürfen zu ihr. „Das ist eine ganz fiese Sache– und so was nennt sich Kinderkrankheit“, sagt sie der tz am Telefon. Nora H. ist nicht die einzige Betroffene. Die Stadt warnt: Die Masern grassieren – und treffen vor allem Erwachsene!

Seit 11. April sind in München bereits 40 Fälle gemeldet worden, 21 davon allein vergangene Woche! „Mehr als Zwei Drittel der aktuell gemeldeten Erkrankungen werden in Krankenhäusern behandelt“, sagt Katrin Zettler vom Gesundheitsreferat. Laut Stadt sind nur sechs der derzeit Betroffenen unter 18 Jahren, 29 Fälle betreffen junge Ewachsene.

So wie die 36-jährige Haidhauserin Nora H. Sie dachte in den ersten Tagen an eine harmlose Grippe, eine Blutuntersuchung ergab auch nichts Besorgniserregendes. „Dann habe ich starkes Fieber bekommen, mein Gesicht schwoll an und ich bekam Ausschlag.“ Also eine zweite Blutuntersuchung. „Am selben Abend hat die Ärztin angerufen. Meine Leberwerte hätten sich sehr verschlechtert. Ich sollte sofort in Krankenhaus!“

Trotz intensiver Versorgung im Isolierzimmer geht es mit der Angestellten nur langsam bergauf. „Die Ärzte kommen nur mit Schutzanzug zu mir rein. Ich habe seit vergangenen Dienstag durchgehend hohes Fieber, dazu alle Erkältungssymptome. Ich konnte nur schlafen und nichts essen“, erzählt Nora H. „Man kann fast nichts tun. Ich bekomme nur Schmerzmittel und Wasser über die Vene.“ Zum Glück geht es seit gestern aber bergauf. „Ich kann vielleicht übermorgen raus. Glücklicherweise werde ich wohl auch keine bleibenden Schäden davontragen.“

Masern können richtig böse sein: Im Frühjahr 2011 gab es in München eine richtige Epidemie, bei der sogar ein junger Mann (26) im Klinikum Großhadern starb. Großstädte sind besonders von solchen Erregern betroffen, da sich die Bewohner auf engstem Raumbegegnen. Nora H. ist sich sicher: „So etwas will ich nicht nochmal durchmachen. Wenn ich wieder fit bin, lasse ich mich nachimpfen – auch gegen vermeinliche Kinderkrankheiten.“

nba/aki

tz-Stichwort Masern

Dieser Erreger ist einer der ansteckendsten überhaupt (Tröpfcheninfektion). Zwischen Ansteckung und Ausbruch der Erkrankung liegen sieben bis 18 Tage. Typischerweise beginnt sie mit Katarrh-Symptomen wie Husten oder Schnupfen mit Bindehautentzündung und Fieber. Ansteckend sind Masern fünf Tage vor bis fünf Tage nach ­Auftreten des typischen kleinfleckigen Ausschlags. Eine ­Impfung ist ab dem zweiten Lebensjahr möglich.

„Schäden an Herz, Lunge und Hirn“

Die Masern: Seit wann sind sie eine Erwachsenkrankheit? Die tz hat bei dem Münchner Infektiologen Nikolaus Frühwein nachgefragt.

Warum treffen die Masern jetzt junge Erwachsene?

Nikolaus Frühwein: Ältere Personen hatten Masern schon oft in ihrer Kindheit – und sind damit lebenslang immun. Kinder werden heutzutage meist dagegen geimpft. Man hat erst in den siebziger Jahren verstärkt angefangen, zu impfen. Leider sind in München noch sehr viele vor allem jüngere Erwachsene nicht oder nur einmal geimpft. Und die trifft die Erkrankung besonders hart.

Warum?

Frühwein: Alle Patienten haben rote Flecken am Körper und bekommen hohes Fieber und Erkältungssymptome. Bei Erwachsenen aber fallen die Entzündungsreaktionen stärker aus. Sie können Schäden an Herz, Lunge und Hirn – zum Beispiel eine Hirnhautentzündung – verursachen. Diese Schäden sind nicht mehr zu kompensieren. Bei einem von 2000 Fällen endet die Erkrankung sogar tödlich.

Was raten Sie?

Frühwein: Masern sind keine Bagatellekrankheit. Und: Es gibt kein Heilmittel. Lassen Sie bei Verdacht auf eine Erkrankung – auch ohne Ausschlag – auf jeden Fall eine Blutuntersuchungen machen, denn nur sie bringt Sicherheit. Und lassen Sie sich zweimalig impfen – auch bei einer einmaligen Impfung kann es noch einen Durchbruch geben. Der Mindestabstand zwischen erster und zweiter Impfung beträgt sechs Wochen. Nur dann ist der Schutz wirklich sicher. Die Impfung ist gut verträglich und es treten nur sehr selten Nebenwirkungen auf.

nba

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