Lkw-Fahrer übersieht Radlerin

Wieder ein Abbiege-Unfall in München - Montiert endlich die Trixi-Spiegel!

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Unfall beim Rechtsabbiegen: Ein Sattelzug hat in der Maxvorstadt ein Radl unter sich begraben.

Schon wieder hat ein Lkw beim Rechtsabbiegen eine Radfahrerin erfasst. Die 31-Jährige hatte einen riesigen Schutzengel: Sie wurde bei dem Unfall nur leicht verletzt. Unterdessen wird der Ruf nach Trixi-Spiegeln immer lauter.

Die Bilder sehen dramatisch aus: Unter einem Lastwagen an der Kreuzung Mars-/Seidlstraße in der Maxvorstadt liegt ein Fahrrad unter einem Lastwagen. Die tonnenschwere Sattelzugmaschine hat das Rad völlig zermalmt. Der Lkw hatte die Radfahrerin beim Rechtsabbiegen erfasst. Die Frau geriet unter die Sattelzugmaschine, doch der Reifen erfasste lediglich die Hand der 31-Jährigen. Sonst blieb die Frau zumindest körperlich unverletzt. Sie wurde in eine Klinik gebracht.

Zwei Kinder in einem Jahr bei Abbiege-Unfällen ums Leben gekommen

Erst am Montag vor zwei Wochen wurde bei einem ganz ähnlichen Unfall an der Corneliusbrücke der elfjährige Timo (Name geändert)jäh aus dem Leben gerissen. Der Bub war auf dem Heimweg von der Schule, als der Fahrer eines Kieslasters nach rechts abbog und den Schüler auf seinem Fahrrad nicht sah. Bei einem Rechtsabbiege-Unfall ein Jahr zuvor starb die kleine Loreeley (9) an der Kreuzung Schleißheimer-/Moosacher Straße. Sie wollte mit dem Radl zur Schule fahren.

Pilotversuch mit Trixi-Spiegeln lässt auf sich warten

Vor dem Hintergrund so schwerer Unfälle, bei denen immer wieder Lkw-Fahrer Radfahrer im toten Winkel übersehen, will die Bayernpartei in einem Antrag jetzt wissen, wo die November 2018 angekündigten Trixi-Spiegel bleiben. In der Landeshauptstadt soll es wie berichtet einen Pilotversuch geben. Das Kreisverwaltungsreferat will 100 solcher Spiegel an Knotenpunkten mit einschlägigem Unfallgeschehen aufstellen.

Der Versuch wird wissenschaftlich begleitet, da die Stadt herausfinden will, ob sich die Tote-Winkel-Unfälle vor allem mit Lkw dadurch tatsächlich reduzieren. Die Trixi-Spiegel gehören zu einem umfangreichen Programm zur Erhöhung der Verkehrssicherheit in München. Wie aus dem Verkehrssicherheitskonzept hervorgeht, leistet heuer ein Gutachter analytische Vorarbeiten. Er legt geeignete Standorte fest und analysiert bisherige Unfälle. Im Jahr 2020 sollen die Spiegel dann voraussichtlich aufgestellt werden. Dann wird die Unfallentwicklung ein Jahr lang beobachtet. 2021 werden die Ergebnisse ausgewertet und Empfehlungen für den weiteren Einsatz von Trixi-Spiegeln gegeben.

München: Ein Dutzend Tote-Winkel-Unfälle im Jahr 2018

In München ereigneten sich 2018 zwölf Unfälle im Zusammenhang mit dem toten Winkel. Wie Dr. Wolfram Hell von der Abteilung Verkehrssicherheit beim Institut für Rechtsmedizin der LMU kürzlich sagte, zählt der tote Winkel zu den Hauptursachen für schwere Unfälle. Aufgrund ihrer geringen Größe seien Kinder besonders gefährdet.

In Hildesheim bei Hannover endete ein Eifersuchtsdrama mit einem tödlichen Audi-Q7-Unfall, wie nordbuzz.de* berichtet. In Bremen verstarben eine Fußgängerin und ein Fahrradfahrer nach einem Unfall. Jedoch stellt der Tod der einer Person die Polizei Bremen vor ein großes Rätsel.

Stefanie Wegele

Der Trixi-Spiegel-Erfinder im Interview

Nach dem erneuten Abbiege-Unfall in München fragt sich Ulrich Willburger: „Wie viele braucht es noch, dass endlich was getan wird?“ Der 70-jährige Erfinder der Trixi-Spiegel erklärt im Interview, wie sie funktionieren, und wirft den Entscheidern in der Politik Fahrlässigkeit vor.

Herr Willburger, wie funktioniert der Trixi-Spiegel?

Der Spiegel ist so gewölbt, dass der Lkw-Fahrer darin sein Fahrzeug sieht – und vor allem den Bereich davor und rechts davon. Angebracht wird er an Ampelmasten.

Wann haben Sie den Spiegel erfunden?

Vor 25 Jahren.

Der Spiegel ist nach Ihrer Tochter Beatrix benannt, nicht wahr?

Ja, sie war der Anlass für meine Erfindung. Sie ist im Alter von 13 Jahren auf dem Fahrrad in Murnau von einem Lkw überfahren worden. Sie hat überlebt, ist aber halb querschnittsgelähmt.

In München sollen 2020 in einem Pilotversuch 100 Trixi-Spiegel aufgehängt werden. Warum erst jetzt?

Es liegt weder am Geld noch an der technischen Umsetzbarkeit. Es mangelt am politischen Willen.

Sie sagen, es liege nicht am Geld: Wie viel kostet denn ein Trixi-Spiegel?

Etwa 100 Euro, der Preis ist lächerlich. Mir hat mal ein sogenannter Sicherheitsexperte der Versicherungen gesagt: Wenn die Lösung so einfach wäre wie meine Spiegel, wäre man schon längst selbst darauf gekommen. Das ist der Höhepunkt der Ignoranz!

Liegt das Problem also an einer verschrobenen Mentalität?

Ja, die Menschen denken, wenn etwas günstig und simpel ist, kann es ja nicht gut sein. Und die Motive politischer Handlungen sind zum Teil menschenverachtend.

Inwiefern?

Nehmen wir den Abbiege-Assistenten als Beispiel. Da wurde mir von einem Lkw-Hersteller vor 13 Jahren gesagt, der sogenannte volkswirtschaftliche Schaden durch Abbiege-Unfälle sei zu gering, um den Assistenten weiterzuentwickeln.

Volkswirtschaftlicher Schaden heißt, es geht ums Geld?

Ja, die berechnen Menschenleben in Scheinen. Ein totes Kind kostete 1997 20 000 Mark. Da möchte man kotzen! Der Trixi-Spiegel wäre eine einfache Lösung mit hohem Effekt.

Haben Sie konkrete Erfolgsbeispiele?

In Basel Stadt und Land gab es im Jahr etwa zwei bis drei Tote durch Abbiege-Unfälle. Seit dort Trixi-Spiegel aufgehängt wurden, gab es in zehn Jahren nicht einen Unfall mit tödlichem Ausgang. Die kleine Schweiz ist Deutschland sowieso einen Schritt voraus. Dort hängen bereits 3000 Trixi-Spiegel, in Deutschland sind es es etwa 1000.

Was muss sich Ihrer Meinung nach ändern, dass endlich etwas vorangeht?

Es braucht die Bereitschaft, prophylaktisch aktiv zu werden. Leider muss immer erst ein grausamer Unfall passieren, dass man sich Gedanken macht. Gerade ist was passiert und wir sprechen darüber. In 14 Tagen ist das wieder vergessen.

Das Gespräch führte
Laura Felbinger

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Bei einem anderen Unfall verunglückten zwei Biker mit dem Motorrad bei Vechta nahe Bremen, wie nordbuzz.de* berichtet.

Lesen Sie auch: Tragödie gab den Anstoß: Trixi-Spiegel rettet Leben im Toten Winkel. Auch Abbiege-Assistenten könnten das Radfahren sicherer machen - der Druck auf Firmen wächst

Schock in Penzberg: Ein Junge (11) geriet mit seinem Rad unter einen Betonmischer. Der schleifte ihn mehrere Meter mit. 

*merkur.de/nordbuzz.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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