Jüdischer Weltkongress kritisiert Behörden 

Kunstfund: Kritik und Annäherung an Gurlitt

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WJC-Präsident Ronald S. Lauder wirft der Staatsanwaltschaft vor, das Problem so schnell wie möglich loswerden zu wollen.

Berlin/München - Der Jüdische Weltkongress kritisiert die geplante Bild-Rückgabe an Cornelius Gurlitt scharf. Dafür versuchen die Behörden sich dem Kunstsammler anzunähern.

Die von der Bundesregierung geschaffene Expertenkommission zur Aufklärung des Münchner Bilderfunds geht auf den Kunsthändlersohn Cornelius Gurlitt zu. „Transparenz und Aufarbeitung sind jetzt das Vordringlichste“, sagte die Leiterin der Taskforce, Ingeborg Berggreen-Merkel, der Nachrichtenagentur dpa am Mittwoch in Berlin. „Außerdem suchen wir mit Herrn Gurlitt das Gespräch, um mit ihm gemeinsam konstruktive Lösungen zu erarbeiten.“ Es sei auch in seinem Sinne, wenn er erfahre, welche seiner Werke eventuell als NS-Raubkunst belastet seien.

Unterdessen forderte der Jüdische Weltkongress eine Änderung der Verjährungsfristen, um die Rückgabe von NS-Raubkunst zu erleichtern.

Die Staatsanwaltschaft Augsburg hatte den Kunstschatz im Frühjahr 2012 in Gurlitts Münchner Wohnung beschlagnahmt, darunter viele Werke der klassischen Moderne. Zwei Wochen nach Bekanntgabe des Fundes hatte die Behörde am Dienstag erklärt, sie wolle Gurlitt Hunderte Bilder möglichst rasch wieder zurückgeben - allerdings nur Kunstwerke, die nicht im Verdacht der NS-Raubkunst und zweifelsfrei im Eigentum des 80-Jährigen stehen.

Verwunderlich, unverantwortlich und nicht üblich

Auch Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) sprach sich für einen baldigen Kontakt zu Gurlitt aus. „Es ist schon wirklich verwunderlich und nicht üblich, dass eineinhalb Jahre vergehen, in denen der Beschuldigte nicht einvernommen wird“, sagte die Ministerin dem Hessischen Rundfunk (hr). „Man muss einen Weg finden, vertrauensvoll mit ihm zu reden.“ Dies sei überfällig.

Der Jüdische Weltkongress (WJC) kritisierte die geplante Rückgabe von beschlagnahmten Gemälden an Gurlitt. Die Ankündigung von Oberstaatsanwalt Reinhard Nemetz, „zweifelsfrei“ unbelastete Kunstwerke an Gurlitt zurückzugeben, sei unverantwortlich, erklärte WJC-Präsident Ronald S. Lauder. Die Angelegenheit müsse auf höchster politischer Ebene behandelt und nicht einem Staatsanwalt überlassen werden. Fast zwei Jahre habe der Staatsanwalt den Fund geheim gehalten. Nun wolle er offenbar das Problem so schnell wie möglich loswerden. Lauder forderte eine Änderung der Regeln für Verjährungsfristen. Kunstwerke von zweifelhafter Provenienz in privaten Händen sollten veröffentlicht werden, damit Überlebende des Holocausts und ihre Erben mögliche Ansprüche stellen könnten. Die Bundesregierung sollte nach österreichischem Vorbild außerdem eine Kommission benennen, die alle öffentlichen Sammlungen und Museen nach Raubkunst durchsucht. Zweifelhafte Fälle sollten danach ebenfalls bekanntgegeben werden.

Taskforce will Gurlitt unterstützen

Die Leiterin der Task Force, Berggren-Merkel, sagte, Gurlitt habe bereits beim Verkauf eines Beckmann-Bildes 2011 bewiesen, dass er bereit sei, faire Lösungen mit Berechtigten zu finden. „Wenn Herr Gurlitt dies möchte, unterstützen wir ihn auch gern dabei, eine für ihn praktikable Lösung für die Verwahrung derjenigen Bilder zu finden, für die in Kürze durch die Staatsanwaltschaft Augsburg die Beschlagnahme aufgehoben wird.“

Die Experten-Gruppe wurde vom Bund und dem Freistaat Bayern eingesetzt. Sie soll herausfinden, bei welchen Kunstwerken aus Gurlitts Schwabinger Wohnung es sich um NS-Raubkunst handelt - möglicherweise sind es 590. Die Taskforce will noch diese Woche weitere Werke auf der Datenbank www.lostart.de einstellen.

Museum für Gurlitt-Werke

Inzwischen äußerte die kulturpolitische Sprecherin der bayerischen SPD-Landtagsfraktion, Isabell Zacharias den Vorschlag ein Museum für die Gemälde zu eröffnen. Man müsse die von der Staatsanwaltschaft wegen Verdachts von Steuerdelikten beschlagnahmte Sammlung des Kunsthändlersohns Cornelius Gurlitt möglichst zusammenhalten und der Öffentlichkeit zugänglich machen, forderte sie am Mittwoch in München. „Bestenfalls könnte dies in einem eigenen Museum geschehen.“ Die Rückgabe von Werken an Gurlitt sieht die SPD-Abgeordnete dagegen kritisch. „Sollen die Bilder im Millionenwert einfach wieder in die Schwabinger Wohnung zurückgestellt werden? Das wäre wie eine Einladung mit Goldrand für Kunstdiebe“, meinte Zacharias. Man müsse mit Gurlitt dringend sprechen und sich mit ihm zu einigen.

dpa

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