Stress auf den Zufahrtsstraßen

Lieferdienst „Gorillas“ erzeugt Verkehrskollaps in Münchner Wohngebieten - Anwohner sind stinksauer

Felix Lang hat ein Foto von der Situation vor dem „Gorillas“-Lager an der Lothstraße gemacht
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Felix Lang hat ein Foto von der Situation vor dem „Gorillas“-Lager an der Lothstraße gemacht.

Damit sein Konzept funktioniert, braucht der Lieferdienst „Gorillas“ verschiedene Warenlager, meist direkt in den Wohngebieten. Das geschieht auch in München – teils zum Ärger der Anwohner.

München - „Es ist für Anwohner ein unhaltbarer Zustand“, schimpft Beate Körber. Sie wohnt in der Nähe des „Gorillas“-Warenlagers an der Lothstraße. Vor dem Lager komme es regelmäßig zu gefährlichen Verkehrssituationen. „Dort stehen drei bis vier Lkw und jeder rangiert in irgendeiner Weise. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis ein Unfall passiert.“ Zum Teil komme auch der Bus der Linie 153 nicht mehr durch, ebenso wenig Einsatzwagen der nahe gelegenen Feuerwehrwache und des Herzzentrums. Neben dem Verkehrschaos komme der Lärm des Anlieferverkehrs hinzu.

Auch Felix Lang (SPD) aus dem Bezirksausschuss (BA) Maxvorstadt ist als direkter Anwohner von der Situation betroffen. Er findet: Die Anlieferung an das Warenlager der „Gorillas“ den ganzen Tag über „belastet das Gebiet um die Lothstraße enorm. Es handelt sich hier um ein reines Wohngebiet, das nicht auf diesen Lieferverkehr ausgelegt ist.“ Auch der SPD-Politiker bestätigt die angespannte Verkehrssituation, deretwegen auch Fahrradfahrer* ständig auf der Hut sein müssten. „Die Lothstraße ist Teil des Inneren Radlrings“, erklärt Lang. „Jedoch sind die Radfahrenden durch das Lieferchaos stark behindert und gefährdet.“

München: Lieferdienst Gorillas erzeugt Unmut - „Wie das Flugloch eines Bienenvolkes“

Anwohner der Fraunhoferstraße in der Isarvorstadt berichten von ähnlichen Vorkommnissen vor dem Lager Ecke Jahnstraße. Morgens sei der Gehweg von an- und abfahrenden Kurieren überfüllt und der auf der Fraunhoferstraße abmarkierte Radweg mit Lastern vollgeparkt. Das Gebäude sei außerdem derzeit eingerüstet, was das Durchkommen für Fußgänger und Radler zusätzlich erschwere. „Der Eingang zu den ,Gorillas‘ kommt einem mitunter vor wie das Flugloch eines Bienenvolkes“, sagt ein Anwohner. „Ein ständiges Rein- und Rausschwirren. Für alle, die da vorbei wollen, eine Herausforderung.“

Noch relativ frisch auf den Verkehrswegen der Großstädte: Radfahrer vom Lieferdienst „Gorillas“.

Von dem Lieferdienst (Münchner Angebote im Check) selbst heißt es auf Anfrage unserer Zeitung: „Dass Ladevorgänge vor unserem Warenlager den öffentlichen Nahverkehr behindern, ist uns neu – wir werden die Situation weiterhin genau beobachten und die nötigen Maßnahmen, die zu einer guten Nachbarschaft führen, umsetzen.“

Gorillas in München: Lieferdienst nimmt Stellung zu Verkehrssituation

Das Unternehmen versichert: „Grundsätzlich nehmen wir die Bedenken der Anwohner sehr ernst und haben darüber hinaus erste Bemühungen unternommen, um uns diesen anzunehmen.“ So seien bereits Hubwagen mit leiseren Rollen ausgestattet worden, man habe zudem bauliche Veränderungen an einigen Standorten angestoßen und die gesetzlichen Ruhezeiten würden streng eingehalten werden, so ein „Gorillas“-Sprecher. Nicht nur in München ist dieses Phänomen aufgetreten: Ähnliche Erfahrungen wurden auch in der Hauptstadt gemacht:

Nachdem das Thema sowohl im BA als auch in der Bürgerversammlung der Maxvorstadt Gegendstand der Diskussion war, nahmen sich SPD und Grüne dieses Anliegens an. In einem gemeinsamen Antrag fordern die beiden Parteien, dass die Anlieferung an das Warenlager an der Lothstraße künftig nur noch von der Nymphenburger Straße aus erfolgen soll.

Lieferdienste in München: Es geht auch um Alkohol für Party-Hotspots

In einem weiteren Punkt möchte der Antrag auch gegen die Party-Situation im Viertel vorgehen. Denn die Feiernden lassen sich meist alkoholische Getränke direkt an die Party-Hotspots in München liefern. Deswegen fordern die Parteien, dass die Stadt München „die rechtliche Zulässigkeit für zeit- und ortsungebundene Lieferung“ prüft, damit künftig nur noch an feste Wohnadressen geliefert werden kann. „Denn dann ist der Nachschub an alkoholischen Getränken unterbrochen und die Party ist aus“, schlussfolgert Felix Lang. Der Antrag wurde von dem Gremium angenommen.

Online-Lieferdienste für Lebensmittel florieren. Ausgestattet mit reichlich Kapital, drängen immer mehr Unternehmen nach Deutschland. Den großen Handelsketten drohen Einbußen. *tz.de/muenchen ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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