Gegen Umbau

Josephsplatz: Tiefgaragen-Gegner benennen Alternativen

Oben: Die Vision der Stadt. Unten: Die Horror-Vision der Tiefgaragen-Gegner. Die Verwaltung wirbt mit hohen, grünen Bäumen. Die „Josephsplatz-Freunde“ beteuern, dass es Jahrzehnte dauern würde, bis die gewachsen sind. Und auf das schwache Fundament keine Bäume mehr dürften.

München - Offenbar gibt es eine Zusage von Karstadt, viele Anwohner-Stellplätze in der Kundengarage einzurichten.

Alternativen zur Tiefgarage? Gibt‘s nicht. Sagt die Stadt. Gibt es doch - sagen zumindest die Garagen-Gegner vom Josephsplatz. Gestern stellten sie ihr Konzept vor. Manches, was sie der Stadt jetzt vorschlagen wollen, klingt schon erstaunlich konkret. Anderes mutet wenig realistisch an.

Für die größten Diskussionen dürfte die Idee sorgen, neue Anwohner-Stellplätze zu schaffen, ganz ohne eine Garage zu buddeln. „Bei Karstadt am Nordbad gibt es eine Kundengarage mit 260 Stellplätzen“, sagte der Sprecher der „Freunde des Josephsplatzes“, Michael Lange. Die wären aber alles andere als ausgelastet. „Wir haben bei Karstadt angefragt, was sich machen ließe.“

Es ließe sich offenbar etwas machen. Nach Darstellung des Vereins wäre Karstadt sogar bereit, Geld zu investieren, damit die Anwohner-Garage 24 Stunden öffnen könnte. „Wir gehen davon aus, dass Karstadt uns ein Parkdeck für 130 Plätze geben könnte“, sagte Lange. In der Josephsplatz-Garage sollen 265 Anwohner-Parkplätze entstehen. 80 Stellplätze könnten nach Langes Rechnung auch in einer Karstadt-Garage am Hauptbahnhof entstehen. „Das sind ja auch nur drei U-Bahn-Stationen zum Josephsplatz“.

Die Atmosphäre zwischen Garagen-Gegnern und Stadt ist weiter unterkühlt, auch wenn die „Josephsplatz-Freunde“ erneut betonten, man sei jederzeit gesprächsbereit. Sie bezichtigen die Verwaltung, mit falschem Bildmaterial zu arbeiten (siehe Simulationen). Die Bäume, die die Stadt zeigen würde, müssten gefällt werden. Könnten oberhalb der Tiefgarage neue große Bäume gepflanzt werden, was der Verein grundsätzlich bestreitet, „würde das doch Jahrzehnte dauern“, sagte Lange. Der Verein hat nun eine eigene Simulation erstellt, die er „real“ nennt. Kein Baum ist zu sehen, der Platz vor der Kirche deutlich kahler als bisher.

Vereinsmitglied Ulrich Heckmann sagte über die Planung der Stadt: „Das würde nur noch ein riesiger Sandkasten sein mit ein paar Büschen außenrum. Und wenn das erste Kind unter ein Auto gerät, kommen die Zäune.“

Parteipolitische Unterstützung ist nach wie vor nicht so recht in Sicht. Auch wenn die Grünen den einen oder anderen Stadtrats-Antrag im Sinne der „Josephsplatz-Freunde“ gestellt haben, halten bislang alle Seiten an den Planungen fest. Teile des Vereins hoffen, wenn schon eine Garage komme, wenigstens noch die verbliebenen Bäume mit einer kleineren Lösung retten zu können. Sollten bald die Bauarbeiten beginnen, ist es wohl endgültig zu spät. „Wir sind in der 90. Minute“, sagte Vorstand Wolf Hoefler - und verwies auf den laufenden juristischen Streit.

Für die politische Auseinandersetzung dürfte der Karstadt-Vorschlag die größte Relevanz besitzen, ist er doch sehr kostengünstig - und ohne jahrelange Bauarbeiten umsetzbar. Die Stadt hatte stets auf den Parkdruck im Viertel verwiesen, der auch den Bezirksausschuss überzeugt hatte.

Andere Vorschläge muten skurril an. „Eigenes Auto? Muss nicht sein!“, sagen die Aktivisten - und schlägt etwa vor, jedem Anwohner, der auf sein Auto verzichtet 3500 Euro zu geben - deutlich günstiger als die 35 000 Euro, die nach ihrer Berechnung ein Stellplatz die Stadt kostet. „Um Druck reinzubringen“, sagte Lange, „bekommen nur die ersten 265 die Umrüst-Prämie.“ Andererseits schwärmen sie von einer „coolen Lifestyle-Meile vor dem Karstadt am Nordbahnhof“. Wo heute ein Radlständer und ein Würstlstand wenig Flair verbreiten, könnte man „abends ratschen und ein Bierchen trinken mit anderen Leuten“ - die ebenfalls ihr Auto in der Karstadt-Quartiers-Garage abgestellt hätten. Mit einer Rikscha käme man dann gemütlich zum autofreien Josephsplatz.

von Felix Müller

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