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Krach ums Karteln

Schafkopf-Runde fliegt aus Schelling-Salon

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Julia Weinfurtner (r.) und ihre Freundin Amelie wollten mit ihren eigenen Karten spielen – doch der Wirt übertrumpfte sie.

Ein gemütlicher Abend im Schelling-Salon sollte es werden. Doch weil Julia und ihre Freundinnen die Schafkopf-Karten rausholten, gab es Ärger.

München - Manchmal fragt sich Julia Weinfurtner (29) schon, wo sie hin ist, die bayerische Tradition. Neulich saß die Studentin mit Freundinnen im Schelling-Salon in der Maxvorstadt. Montagabend, das Lokal war voll, alle Billardtische belegt. Also bestellten die drei Bier, Pommes und ein Schmalzbrot, zückten die Spielkarten und fingen an zu karteln. „Schon kam die Bedienung angerauscht und hat recht hantig sieben Euro verlangt.“

Verständnislos blickten die drei von Bier und Karten auf, fragten: „Für was?“ Gebühr fürs Kartenspielen, sagte die Kellnerin, Schafkopfkarten sieben Euro, Tarock acht, Rommé zehn. Nur am Kauftag gültig. „Eigene Karten sind verboten, weg damit!“

Wirt schmeißt Kartenspielerinnen raus

Weinfurtner forderte eine Erklärung, einen Grund für die Gebühr. Ein Streit entbrannte, bald holte die Kellnerin den Wirt. Der kürzte die Diskussion ab und warf die Gäste aus seiner Wirtschaft. „Ich will euch hier nimmer sehen!“ Weinfurtner: „Ich bin fassungslos. Wir wollten einen gemütlichen Abend verbringen, essen, Bier trinken und karteln.“

Evelin Mehr, die Wirtin, verteidigt den Rausschmiss: „Wer sich nicht an die Regeln hält, fliegt.“ Grundsätzlich habe sie kein Problem mit Kartenspielern. Und die Gebühr? „Das ist bei uns schon immer so.“ Unternehmer-Tradition sticht bayerische Tradition. „Wenn einer keine Kartenspieler haben will, kann ich das verstehen“, sagt Evelin Mehr. „Die bringen weniger Umsatz.“ Bei ihr seien die noch gut dran. Sie kenne Wirte, die den Spielern die unwirtlichsten Plätze im Lokal zuweisen würden, hinten bei den Toiletten, wo es zieht. In anderen Häusern sei Spielen ganz verboten.

Stirbt das Karteln aus in Münchens Wirtshäusern?

„Es wird tatsächlich immer schwieriger“, sagt Wilhelm Blum (73), Ehrenvorsitzender im „Ersten Schaffkopfverein München“.

Der pensionierte Gymnasiallehrer hat Generationen von Münchner Schülern nicht nur Latein beigebracht, sondern auch das Schafkopfen. „Manche Wirtshäuser freuen sich noch, wenn wir kommen. Aber es werden weniger.“

Im Wirtshaus Zum Franziskaner heißt es: „Das Kartenspielen um Geld ist bei uns verboten“, im Wirtshaus in der Au ebenso. Dabei sei das Schafkopfen eine „urbayerische Tradition“, sagt Angela Inselkammer, Präsidentin des bayerischen Gaststättenverbandes. „Und die gehört in jedes bayerische Wirtshaus.“

So sieht das auch Wiggerl Hagn (76), Schafkopfer, Wiesn-Wirt, Wirtshaus-Wirt und Ehrenpräsident des Gaststättenverbandes: „Schafkopfen ist ein Münchner Brauch, eine Kultur.“ Kartenspieler seien Stammgäste, sagt Hagn. Der Wirt aus Leib und Seele weiß: „Eine Wirtschaft ohne Stammgäste ist keine Wirtschaft.“

Einen Spielbefehl kann Angela Inselkammer freilich nicht aussprechen. „Jedes Wirtshaus hat Hausrecht und entscheidet selbst.“ Auf dem Land sei es für Wirte leichter, Tische freizuhalten für Spieler. In der Stadt müssten viele Lokale die Tische mehrmals besetzen. Von einer Gebühr hält Wiggerl Hagn übrigens „gar nix“. „Die Kunden sollen sich wohlfühlen – und nicht ausgenommen.“

Auch Simon Donatz kennt das. „In München hab ich mich als Kartler nie wohlgefühlt.“ Böse Blicke, schlechte Tische. Darum hat Donatz im Dezember 2015 sein eigenes Wirtshaus eröffnet. Im Trumpf oder Kritisch (Feilitzsch­straße 14) sind Kartenspieler ausdrücklich erwünscht, Spielkarten gibt’s geschenkt. „Auch aus Wirtesicht ist der Kartler ein guter Gast“, sagt Donatz. „Er ist bieraffin, isst gern, hält sich oft in Wirtshäusern auf und weiß deshalb, wie man sich dort benimmt.“

Hier sind Kartler daheim

Der Augustiner-Keller war jahrelang Schafkopf-freie Zone, Wirt Christian Vogel ließ die „schöne Tradition“ wieder zu. „Solange die Kartler nicht streiten, auf die Tische hauen und nicht zu viert einen Spezi mit vier Strohhalmen bestellen.“ Im Hofbräuhaus ist Karteln ausdrücklich erlaubt. Im Augustiner Bürgerheim im Westend wird gespielt, ebenso im Fraunhofer im Glockenbachviertel. Auch im Weißen Bräuhaus im Tal wird die Tradition gepflegt (Schwemme, vorne). Im Brünnstein am Ostbahnhof haben wir ebenso schon gekartelt wie im Tattenbach (Lehel). Die Forschungsbrauerei (S-Bahnstation Perlach) bietet das Bräustüberl an und auch im Johannis Café (Haidhausen) sieht man Kartler.

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