"Das passiert in München, in Deutschland und überall"

Flashmob gegen Alltagsrassismus auf dem Odeonsplatz

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Vor der San Francisco Coffee Company am Odeonsplatz findet der Flashmob statt.

München - Immer wieder kommt es vor, dass Menschen mit Migrationshintergrund in der Öffentlichkeit rassistisch beleidigt werden. Eine Künstlerin will nun mit einem Flashmob auf das Problem Alltagsrassismus aufmerksam machen. 

In der San Francisco Coffee Company am Odeonsplatz verkauft ein internationales Team Getränke wie White Chocolate Coconut Frappé. Hier war Ceren Oran (31) am Dienstag mit ihrer Freundin Nihan Kaffee trinken. Die beiden Künstlerinnen stammen aus der Türkei, leben seit zwölf Jahren in Salzburg und München. „Sprecht nicht so laut griechisch“, herrscht ein 40-Plus-Anzugträger mit Laptop sie an. Nihan sagt ihm, dass sie türkisch sprechen. „Das ist auch so eine scheiß Sprache und so ein scheiß Volk“, soll der Mann gesagt haben. 

Künstlerin Ceren Oran am Münchner Odeonsplatz. "Alltagsrassismus ist ein globales Problem", sagt sie.

„Dieser Mann ist nur ein Beispiel. Er ist einer von vielen. Das schlimmste ist, das niemand eingeschritten ist.“ Die Frauen haben genug gehört und rufen einen Mitarbeiter. Doch statt den Mann wegen seiner rassistischen Ausfälle hinauszubitten, erklärt eine Mitarbeiterin laut Oran, der Mann habe seinen Kaffee bezahlt und das Recht hier zu sitzen. Auch als der Mann vor den Mitarbeitern von den Frauen als „frustrierte Bosporus-Pussys“ spricht und weiter beleidigt, hat das keine Konsequenzen. 

„Das passiert in München, in Deutschland, überall. Alltagsrassismus ist ein globales Problem“, sagt Oran. Sie hätte sich gewünscht, dass das Personal den Mut gehabt hätte, den Mann in seine Schranken zu weisen. Oder dass jemand von den Gästen einschreitet.

Mit Flashmob gegen Alltagsrassismus

Mit Tuncay Acar vom Import Export

hat die Künstlerin einen Flashmob organisiert

. Die San Francisco Coffee Company will Kaffee spendieren und hat Buttons gegen Rassismus fertigen lassen. Ein Sprecher kündigt an, dass Mitarbeiter ermutigt werden sollen, künftig einzuschreiten, wenn jemand beleidigt oder bedroht wird. 

Heute um 19 Uhr erwarten Oran und Acar 300 Menschen auf dem Odeonsplatz. Musiker spielen griechische und türkische Musik, es wird Sirtaki getanzt. „Es muss kein Schlag sein, es können auch Blicke oder Worte sein, die verletzten“, sagt Oran. Gegen diesen Alltagsrassismus will sie mit den Münchner antanzen. 

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